Die Fische sind umgezogen

Der Chrüzweier wird ausgepumpt und ist bald leer. Deshalb sind die Fische, die dort leben, gestern in den Buebenweier umgezogen. Dabei ist auch ein Exot aufgetaucht.

Michèle Vaterlaus
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Beim Ausfischen des Chrüzweiers: Fischereiaufseher Fredi Fehr (links) und ein Helfer des Stadtbauamtes. (Bilder: Ralph Ribi)

Beim Ausfischen des Chrüzweiers: Fischereiaufseher Fredi Fehr (links) und ein Helfer des Stadtbauamtes. (Bilder: Ralph Ribi)

Der Wasserstand am Chrüzweier ist niedrig. Einsam fährt ein kleines Aluboot über das Wasser. Darin stehen zwei Männer mit Fangnetzen, sogenannten Keschern. Sie fischen den Weiher aus und bringen die Tiere in Sicherheit, bevor kein Wasser mehr da ist. Das Wasser des Weihers wird derzeit abgepumpt, weil die Grundablassleitung erneuert wird.

Mit Strom gefischt

Der eine Mann im Boot ist Fredi Fehr, Fischereiaufseher des Kantons St. Gallen. Mit seinem Team hat er gestern den ganzen Tag Fische eingefangen. Das macht er besonders sorgfältig: «Ich will so viele Tiere wie möglich erwischen», sagt er. Deshalb fährt Fehr mit dem Boot unzählige Male auf der Wasserlache, die vom Weiher noch übrig ist, hin und her. «Tausende Fische haben wir so schon eingefangen.»

Fehr fischt mit Strom. Am Kescher ist eine Sonde befestigt, die den Fischen im Umkreis von 1,5 Metern einen Stromschlag verpasst. «So betäubte Fische lassen sich leichter fangen als muntere. Der Schlag hat etwa die Stärke eines Viehzauns», sagt Fehr. Die gefangenen Fische kippt er vom Kescher in einen Kübel voll Wasser, dieser wird von Helfern des Stadtbauamtes etwa vier Meter zur Frauenbadi hochgezogen. In einem Wassercontainer werden die Tiere zum Buebenweier transportiert und dort wieder freigelassen.

Umgezogen sind hauptsächlich Weissfische, Egli und Karpfen. Unter den heimischen Fischen hat sich aber auch ein Exot eingeschlichen: der Kaulbarsch. «Er lebt von Natur aus nicht in der Schweiz», sagt Fehr. Woher die Kaulbarsche gekommen sind, kann er nicht genau sagen. «Möglicherweise hat sie jemand von seinem privaten Biotop ausgesetzt.» Die Kaulbarsche bringt Fehr aber nicht zum Buebenweier. «Das darf ich nicht. Ich muss sie töten.» Er darf die Kaulbarsche nicht aussetzen, weil sie in der Schweiz nicht heimisch sind.

Verluste in Kauf nehmen

Trotz der Sorgfalt von Fredi Fehr überleben nicht alle Tiere. Kleine Seen bleiben nach dem Ablassen des Wassers stehen. «Wenn es darin noch Fische hat, kann ich sie nicht mehr einfangen. Im Schlamm würde ich stecken bleiben.» Die Fische werden von Vögeln geholt und gefressen. «Beim Ausfischen hat uns schon ein Graureiher beobachtet», sagt Fehr. «Das ist halt die Natur. Fressen und gefressen werden.» Auch den Transport zum Buebenweier haben einige wenige Tiere nicht überlebt.

Heute wird Fehr nochmals fischen. «Wir sind nicht fertig geworden. Meine Helfer mussten am Nachmittag beim Einflug des Christbaums helfen», sagt er. «Aber ich werde sicher noch ein paar grosse Fische fangen.»

Nach Abschluss der Bauarbeiten wird sich der Weiher wieder mit Regenwasser füllen. «Wir werden keine Fische ansiedeln. Aber es werden bestimmt wieder Leute Fische dort aussetzen», sagt Fehr.

Die Fische werden in Kübeln zur Frauenbadi hochgezogen.

Die Fische werden in Kübeln zur Frauenbadi hochgezogen.

Der Exot: Der Kaulbarsch lebt eigentlich nicht in Schweizer Gewässern.

Der Exot: Der Kaulbarsch lebt eigentlich nicht in Schweizer Gewässern.

Im Bubenweier werden die Fische wieder freigelassen.

Im Bubenweier werden die Fische wieder freigelassen.

Bis zum letzten Fisch wird der Chrüzweier geleert.

Bis zum letzten Fisch wird der Chrüzweier geleert.