Die feministische Sicht

Als einzige Gruppierung mit einer reinen Frauenliste tritt bei den Stadtparlamentswahlen vom 25. September die Politische Frauengruppe (PFG) an. Ziel ist der zweite Sitz, der im Herbst 2012 nur knapp verpasst wurde.

Reto Voneschen
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Bild: Reto Voneschen

Bild: Reto Voneschen

«Sie kandidieren wieder!» Mit diesem Schreckensruf eines älteren Herrn kreierten die PFG-Frauen vor Jahren selbstironisch eines der originellsten Stadtsanktgaller Wahlplakate aller Zeiten. Und für eine Ein-Themen-Gruppe haben sie einen langen Atem: Seit 35 Jahren politisiert die PFG im Stadtparlament. Dabei hielt die Gruppe bis zu drei Sitze.

In den 1980er- und 1990er-Jahren hatten getrennte Frauen- und Männerlisten Konjunktur. Diese Wahlvorschläge wuchsen aus der feministischen Bewegung heraus. Als Reaktion auf die Entwicklung wurden sie bei linksgrünen Parteien kopiert. Dort waren sie auch eine Reaktion auf die Erfahrung der Frauen, dass sie zwar auf die Wahllisten durften, dann aber regelmässig den darauf aufgeführten Männern unterlagen.

Junge Frauen fehlen weitgehend

Die Zeiten haben sich geändert: Reine Frauenlisten sind out. Gerade bei Stadtparlamentswahlen, bei denen es 32 Köpfe für eine volle Liste braucht, taten sich die grösseren Parteien schwer, 32 Kandidatinnen und 32 Kandidaten finden zu müssen. Heute heisst bei SP und Grünen Partnerschaft zwischen Frauen und Männern die Strategie. Damit tritt nur noch eine einzige Gruppierung, eben die PFG, mit einer reinen Frauenliste an.

Die Frauengruppe hält heute einen Parlamentssitz. Amtsinhaberin Andrea Hornstein ist PFG-Spitzenkandidatin. Mit ihren 32 Kandidatinnen ist die Frauenliste breit in der städtischen Szene abgestützt. Auch von den Berufen her deckt die Liste eine breite Palette ab. Auffällig ist, dass junge Kandidatinnen fehlen. Was wohl mit dem Desinteresse vieler junger Frauen an Politik zu erklären ist. Und damit, dass die PFG da durch Juso und Junge Grüne Konkurrenz bekommen hat.

Feministisch, aber auch sozial und grün

Die PFG hat weiterhin den Anspruch, feministische Politik zu betreiben. Die Gruppe engagiert sich für «ökonomische und politische Mitarbeit von Frauen in allen gesellschaftlichen Lebensbereichen und Entscheidungspositionen». Frauen und Männern soll die Politik «gleichberechtigte Bedingungen bieten, um sich Erwerbs- und Familienarbeit nach eigenem Ermessen aufzuteilen».

Die PFG setzt sich aber auch für die Lösung sozialer oder ökologischer Fragen ein. Dazu zählt etwa die Überwindung von Armut. Ausdrücklich fordert die Gruppe das Wahl- und Stimmrecht für Ausländerinnen und Ausländer, genügend und bezahlbare ganztägige Angebote für familienergänzende Betreuung oder die Förderung einer breiten Vielfalt an Lebens- und Wohnformen, insbesondere auch für alte und kranke Menschen. Diese Positionen finden ganz klar ihren Niederschlag in der Visualisierung des politischen Standortes der PFG durch die Internet-Wahlhilfe Vimentis.