Die fast unsichtbare Baustelle

Beim Schibenertor wird das Fernwärme-Netz ausgebaut. Der Verkehr wird kaum gestört, es wird unterirdisch gebohrt. Ehe damit begonnen wird, werden Start- und Endpunkt vorbereitet: Nachts, wenn es etwas ruhiger ist am Knotenpunkt.

Olivia Hug
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Die Bauarbeiten am Schibenertor verlangen trotz der nächtlichen Stunden einen kühlen Kopf: Fuss-, Auto- und Busverkehr ruhen erst weit nach Mitternacht. (Bilder: Olivia Hug)

Die Bauarbeiten am Schibenertor verlangen trotz der nächtlichen Stunden einen kühlen Kopf: Fuss-, Auto- und Busverkehr ruhen erst weit nach Mitternacht. (Bilder: Olivia Hug)

Mittwochabend, kurz vor Mitternacht. Der Verkehr am Schibenertor ist noch nicht zum Erliegen gekommen. Auf allen Spuren fahren Autos vorüber, zwängen sich Lastwagen und Busse an der Bauabschrankung vorbei. Die Fussgänger nehmen es auch nicht so genau mit dem gesperrten Fussgängerstreifen, huschen im Halbdunkel am Fahrmischer vorbei.

Baggerführer Ricardo muss die Schaufel seines Gefährts präzise steuern, um weder die Stromleitungen der VBSG noch seine portugiesischen Kollegen Miguel und Tiago unten in der Grube zu touchieren. Doch die Männer verstehen sich wortlos. Polier Miguel, einst Fallschirmspringer bei der Armee, kommuniziert mit Handbewegungen. Geschichtsstudent Tiago hört Musik über Kopfhörer.

Autos am Tag, Bagger nachts

Die Baustelle am Schibenertor ist keine alltägliche, sagt Nermin Dizdarevic, Projektleiter der St. Galler Stadtwerke. Er bezieht sich nicht nur auf die in den vergangenen Tagen laufenden Nachtarbeiten, sondern auf das, was noch bevorsteht. Davon bekommen die meisten, welche die Kreuzung tagsüber zu Fuss, auf dem Velo, im Auto, im Bus oder in der Trogenerbahn überqueren, gar nichts mit.

Die Stadtwerke bereiten das Gebiet beim Unteren Graben für den Anschluss ans Fernwärmenetz vor. Die Erschliessung erfolgt über den vielfrequentierten Knotenpunkt. Die Sperrung einer Fahrbahn während des Tages wäre unzumutbar, sagt Dizdarevic. «Die Staugefahr ist zu gross.» Also wird auf die offene Bauweise, das Ausheben eines Grabens, verzichtet. Die Stahlrohre, durch welche die Leitungen gezogen werden, werden direkt durchs Erdreich gestossen: etwa zehn Meter am Tag, fast drei Meter unter dem Boden, zwischen einer Swisscom-Leitung und einem Bach. Die Unterquerung ist Millimeterarbeit. Stösst der ein bis zwei Meter lange Bohrkopf an, kann nicht zu einem nächsten Versuch etwas weiter weg angesetzt werden. Trotz geologischer Gutachten, welche besagen, dass der Untergrund aus Steinblöcken und Beton besteht, schwingt ein gewisses Risiko mit. «Die Beschaffenheit des Erdreiches kann von Meter zu Meter variieren», sagt der Projektleiter.

Arbeit in den Gruben

Die Stadtwerke haben Erfahrung damit, Leitungen unter Flüssen, Gleisen oder Äckern zu verlegen. Auch die Kreuzung St. Leonhard beispielsweise wurde unterquert.

Ausgangspunkte für die Bohrarbeiten sind zwei Gruben – eine im Unteren Graben, die andere in der Hinteren Bahnhofstrasse. Von dort aus werden die Stahlrohre zur Zielgrube bei der Einmündung des Oberen Grabens in die Bahnhofstrasse gestossen. Die Lage dieses Schachtes bildet den Ausgangspunkt für die spätere Erschliessung des Marktplatzes. Die Gruben sind soeben betoniert worden. Nachts, wenn der Verkehr nicht mehr so gross ist. Bis am Morgen um 6 Uhr müssen die Arbeiter fertig sein, denn dann rollen die Autos wieder über die Kreuzung.

Die Arbeiter Tiago und Miguel betonieren die Zielgrube auf der Kreuzung. (Bild: Olivia Hug)

Die Arbeiter Tiago und Miguel betonieren die Zielgrube auf der Kreuzung. (Bild: Olivia Hug)

Baggerführer Ricardo arbeitet hochkonzentriert. (Bild: Olivia Hug)

Baggerführer Ricardo arbeitet hochkonzentriert. (Bild: Olivia Hug)

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