Die Fachkompetenz unterliegt

Patrizia Adam-Allenspach hat das Rennen um die Bauverwaltung gemacht, Markus Buschor muss mit der Direktion Schule und Sport vorlieb nehmen. Thomas Scheitlin, Fredy Brunner und Nino Cozzio bleiben ihren Direktionen erhalten.

Andreas Nagel
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Nach der «intensiven» konstituierenden Sitzung vor die Medien: Fredy Brunner, Vorsteher der Technischen Betriebe, die neue Baudirektorin Patrizia Adam, Stadtpräsident Thomas Scheitlin, der neue Schuldirektor Markus Buschor sowie Nino Cozzio, Polizei- und Sozialdirektor (von links). (Bild: Urs Bucher)

Nach der «intensiven» konstituierenden Sitzung vor die Medien: Fredy Brunner, Vorsteher der Technischen Betriebe, die neue Baudirektorin Patrizia Adam, Stadtpräsident Thomas Scheitlin, der neue Schuldirektor Markus Buschor sowie Nino Cozzio, Polizei- und Sozialdirektor (von links). (Bild: Urs Bucher)

Lange war Thomas Scheitlins Einleitung, bis er die Katze aus dem Sack liess. Fast erweckte der Stadtpräsident damit den Anschein, als wolle er sich rechtfertigen für den Entscheid der Stadtregierung, wonach gerade nicht dem ausgewiesenen Fachspezialisten die Bauverwaltung zugeteilt wurde. Gleichwohl bemühte sich das Stadtoberhaupt an der gestrigen Medienorientierung um grösstmögliche Transparenz, ohne detailliert – auch auf Nachhaken nicht – den Inhalt der stadträtlichen Überlegungen zur Direktionsvergabe wiederzugeben: «Wir hatten zwei Bewerber für die Direktion Bau und Planung und mussten uns entscheiden.» Eben zwischen dem parteilosen Architekten Markus Buschor und der Treuhänderin Patrizia Adam-Allenspach von der CVP. Die Wahl sei «nach längerer und intensiver» Diskussion schliesslich auf letztere gefallen.

Adam durfte zuerst

Da Adam am vergangenen Wahlsonntag rund 300 Stimmen mehr auf sich versammeln konnte, durfte sie gemäss Geschäftsreglement des Stadtrats als erste wünschen. Und offenbar fand sie mit ihrem Anspruch Gehör bei ihren bürgerlichen Kollegen.

Markus Buschor, der im Wahlkampf nie einen Hehl aus seiner bevorzugten Direktion gemacht hatte, reagierte gefasst. Er gab sich zwar «enttäuscht, aber trotzdem hochmotiviert» für das eher unerwartete Amt des neuen Direktors der Schul- und Sportverwaltung. «Enttäuschung sei das beste Fahrzeug», machte sich Buschor selber Mut. Er dürfe im Stadtrat nun die «schönste und nicht die schwierigste Aufgabe» übernehmen. Augenzwinkernd fügte der Vater von drei schulpflichtigen Kindern zudem an: «Jetzt gilt es, die Berge in dieser Stadt abzutragen, damit es nur noch Talschulhäuser gibt.»

Tiefer sitzen könnte die Enttäuschung über den Zuteilungsentscheid bei der Vielzahl an Wählerinnen und Wählern, für die Buschor aufgrund seiner vielfältigen Qualifikationen als neuer Bauchef quasi gesetzt war. Am tiefsten wohl aber beim eigenen Unterstützungskomitee, das den 50jährigen Architekten ja ausdrücklich für die fragliche Direktion aufgestellt hatte.

«Wieder» zur Einheit schweissen

Alle haben sie die Rechnung ohne Patrizia Adam gemacht, die von einer «strengen und schwierigen» Aufgabe sprach, die da auf sie zukomme. Sie wolle die Kommunikation in der Direktion «wieder optimieren», die Bauverwaltung solle «wieder als Einheit» auftreten. Tat sie das bislang denn nicht? «Um ehrlich zu sein», so antwortete die neue Baudirektorin auf Nachfrage hin, «nein.» Sie nahm mit Blick auf die Vielzahl an anstehenden Geschäften ebenfalls eine erste Priorisierung vor: «Die Neugestaltungen von Markt- und Bahnhofplatz, beides Visitenkarten dieser Stadt, müssen jetzt rasch verwirklicht werden.»

Legislatur kann beginnen

Auch Fredy Brunner, zum Vizepräsidenten des Stadtrats aufgestiegen, hat in der kommenden Legislatur viel vor. Er erwähnte das Geothermie- und Glasfaserprojekt, die Ausgliederung der Verkehrsbetriebe, die Energiemarktöffnung und die Umsetzung des Energiekonzepts. Von «Konsolidierung» könne bei den Technischen Betrieben nicht die Rede sein. Für Sozial- und Polizeidirektor Nino Cozzio gilt es, die Nachfolge von Polizeikommandant Pius Valier zu regeln, die Projekte Zeitvorsorge und Palliativpflege voranzutreiben sowie «schwierige Verhandlungen» mit dem Kanton zu führen, was die Abgeltung stadtpolizeilicher Dienstleistungen betreffe.

Stadtpräsident Thomas Scheitlin schliesslich ist mit dem Entlastungsprogramm «Fit 13plus» vollauf beschäftigt. «Wir müssen schlanker werden.» Womit er auf verschiedene verwaltungsinterne Strukturanpassungen anspielte, die demnächst vorgestellt werden sollen. Nicht zuletzt erhoffe er sich in diesem Zusammenhang gerade auch von den neuen Köpfen im Stadtrat neue Ideen.