Die ersten Seeüberquerer aus Rorschach

Um die Ehre, vor 50 Jahren als erste den zugefrorenen See von Rorschach aus ans deutsche Ufer überquert zu haben, bewerben sich viele. Den Beweis, dass er und drei Kollegen wirklich als erste Nonnenhorn erreichten, liefert der Rorschacher Architekt Bruno Biehle mit einer vom Bürgermeister persönlich unterschriebenen Bestätigung vom 9. Februar 1963, nur drei Tage, nachdem sich die Eisdecke geschlossen hatte.

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Trägt das Eis? Bruno Biehle beim Start am 9. Februar 1963. (Bild: Archiv Bruno Biehle)

Trägt das Eis? Bruno Biehle beim Start am 9. Februar 1963. (Bild: Archiv Bruno Biehle)

Um die Ehre, vor 50 Jahren als erste den zugefrorenen See von Rorschach aus ans deutsche Ufer überquert zu haben, bewerben sich viele. Den Beweis, dass er und drei Kollegen wirklich als erste Nonnenhorn erreichten, liefert der Rorschacher Architekt Bruno Biehle mit einer vom Bürgermeister persönlich unterschriebenen Bestätigung vom 9. Februar 1963, nur drei Tage, nachdem sich die Eisdecke geschlossen hatte.

Bruno Biehle, damals ein 18jähriger Lehrling, kann sein Abenteuer 50 Jahre später noch lebhaft schildern: «Wir trafen uns beim Kabisplatz, zogen die Schlittschuhe an und deponierten die Schuhe im Pavillon. Wir waren zu viert, einer auf seinem Velo, wir andern auf Schlittschuhen, ich mit einem Hockeystock. Am frühen Samstagnachmittag zogen wir bei leichtem Nebel Richtung Altenrhein los. Unser Ziel: Nonnenhorn. Mit einigem Abstand voneinander schnell fahrend, kamen wir gut voran. Es krachte oft, doch wir wussten, dass man mit schnellem Schlittschuhlaufen auch auf dünnerem Eis vor dem Einbrechen sicher war. Aufgeschichtete Eisplatten überkletterten wir, Risse und Rinnen übersprangen wir.

Im dichter werdenden Nebel verloren wir die Orientierung, trafen aber zum Glück einen Deutschen, der uns mit einem Kompass die Richtung nach Nonnenhorn wies. Je näher wir dem Ufer kamen, umso sicherer schien uns das Eis. Bald sahen wir Leute vor Nonnenhorn auf dem zugefrorenen See. Sie reagierten erstaunt, als wir uns als Rorschacher auswiesen, und führten uns in den direkt am See gelegenen Gasthof Zum Engel. Man holte den Bürgermeister, der uns spontan als erste Ankömmlinge auf dem Briefpapier des Gasthofs eine Bestätigung ausstellte.

Noch am gleichen Nachmittag machten wir uns auf den Heimweg, ebenfalls übers Eis, und verirrten uns zeitweise in der Gegend der Mündung des Alten Rheins. Doch bald erkannten wir Staad und erreichten den Rorschacher Kabisplatz beim Eindunkeln. Im Musikpavillon standen unsere Schuhe noch an ihrem Platz. Wir waren überzeugt, die ersten ab Rorschach gewesen zu sein.» (el)