Die erste Strasse bauten die Römer

Wann Menschen in unserer Gegend erstmals Fuhrwerke benützten, ist nicht überliefert. Sichere Informationen gibt es, dass die vor 2000 Jahren an den Bodensee vorgedrungenen Römer eine Strasse bauten: Zwischen Bregenz und Arbon.

Fritz Bichsel
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Die erste Fahrweg nach St. Gallen aus der Region Rorschach führte beim heutigen Strom-Unterwerk in Goldach durch die Goldach, dann die Blumenhalde hinauf (Vordergrund) zum Meggenhus und über Mörschwil. (Bild: Fritz Bichsel)

Die erste Fahrweg nach St. Gallen aus der Region Rorschach führte beim heutigen Strom-Unterwerk in Goldach durch die Goldach, dann die Blumenhalde hinauf (Vordergrund) zum Meggenhus und über Mörschwil. (Bild: Fritz Bichsel)

SEEREGION. Diese römische Reichsstrasse zwischen Stützpunkten verlief in Seenähe, aber ausserhalb von Sümpfen – bei uns durchs heutige Rorschach und Goldach. Das ist dokumentiert. Überreste sind nicht bekannt.

Das Umgekehrte gilt für eine Strasse in gerader Linie von Montlingen über Eggersriet (Spitze) und Untereggen (Iltenriet): In ihrer Art verlegte Steinplatten und Überreste von Verteidigungsanlagen sprechen dafür, dass die Römer diesen schon in vorgeschichtlicher Zeit benützen Weg zu einer Strasse ausbauten. Für Archäologen fehlt aber ein klarer Beweis, zum Beispiel ein Münzenfund, dass sie die Bauherren waren.

Lange durchs Wasser gefahren

Diese Strasse mied Sümpfe im Rheintal und verkürzte die Verbindung Chur – Arbon um 40 Kilometer. In Eggersriet und Untereggen sind Abschnitte restauriert.

Die Seeregion war zur Römerzeit bereits besiedelt, St. Gallen hingegen noch Wildnis. Für die später entstandene Stadt St. Gallen wurde eine befahrbare Verbindung in unsere von ihr dominierte Region und zu Häfen am See sehr wichtig. Dafür musste das Goldachtobel überwunden werden.

Noch ohne Brücke wurde zuerst via Mörschwil und die steile Blumenhalde – wo bis heute ein Kiesweg verläuft – die bereits für lokalen Verkehr entstandene Furt in der Goldach beim heutigen Strom-Unterwerk in Goldach genutzt. Dann gab es Verkehr – ebenfalls noch über eine Furt aus Steinen und Baumstämmen im Fluss – auch durchs Martinstobel via Untereggen bis Rorschach.

Das wurde der Hauptverkehrsweg. 1467/68 liess die Stadt St. Gallen die erste Martinsbrücke bauen, noch tief unten im Tobel. Es folgten weitere – und bei uns übernahm das Kloster das Zepter.

Neue Linie seit gut 500 Jahren

Auch wegen des Konkurrenzkampfs mit der Stadt liess Abt Ulrich Rösch eine neue Strasse bauen: via Fahrn und Meggenhus zur heutigen Bruggmühle. Dort, wo ebenfalls seit langer Zeit eine Furt bestand, war eine der wenigen Stellen, die damals einen Brückenbau ermöglichten. Das Rietli war noch Sumpfgebiet. Die 1480 eröffnete Brücke wurde mehrmals durch Hochwasser zerstört. Aber bis heute führt die Kantonsstrasse auf dieser Linie und bei der Bruggmühle über die Goldach.