Die Einheitsgemeinde ist in Sicht

Untereggen mag nicht die grösste Gemeinde der Region sein, wohl aber die mit dem amtsjüngsten Präsidenten. Seit April vergangenen Jahres ist Norbert Rüttimann in seinem Amt. Nun freut er sich auf den neuen Gemeindeschreiber.

Stephanie Sonderegger
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Zwischen Autospenglerei und Büroarbeit: Norbert Rüttimann sitzt an zwei Tagen in der Woche an seinem Schreibtisch im Gemeindehaus. (Bild: Stephanie Sonderegger)

Zwischen Autospenglerei und Büroarbeit: Norbert Rüttimann sitzt an zwei Tagen in der Woche an seinem Schreibtisch im Gemeindehaus. (Bild: Stephanie Sonderegger)

UNTEREGGEN. Vor dem Unteregger Gemeindehaus fällt der Blick unweigerlich in die Weite. Hinter den sanften Hügelzügen zeichnet sich der Bodensee ab. Auf der Strasse herrscht wenig Verkehr. Es ist ruhig auf der Anhöhe. Ruhig wirkt auch das Büro von Gemeindepräsident Norbert Rütimann, der an diesem Tag dankbar ist, dass die warme Sommersonne den kleinen Raum mit Schreib- und Besprechungstisch nicht noch weiter aufheizt.

Norbert Rüttimann ist seit 1. April 2014 im Amt als Gemeindepräsident. Seit 16 Monaten ist er wöchentlich mindestens zweimal in seinem Büro im Gemeindehaus anzutreffen, dazu kommen zusätzliche Sitzungen, Tagungen, Workshops und Besprechungen. Was aussieht wie ein Vollzeitjob, macht auf dem Papier nur ein 30-Prozent-Pensum aus. «Das war mir bewusst, reicht aber bei Weitem nicht aus», sagt der Gemeindepräsident auch ein Jahr nach seinem Amtsantritt. Doch er hofft auf Besserung – zum Beispiel durch den neuen Gemeindeschreiber.

Neuer Gemeindeschreiber

«Ich kenne ihn schon länger», sagt Norbert Rüttimann über Namensvetter Norbert Näf, der die Nachfolge von Anja Brovelli ab August antritt. Norbert Näf ist auch sonst kein Unbekannter: Der 48-Jährige war zehn Jahre als Gemeindepräsident in Heiden tätig. In den 1990er-Jahren hatte er bereits fünf Jahre als Gemeinderatsschreiber und Bauverwalter für Untereggen gearbeitet. «Was er mitbringt, ist Erfahrung – sowohl in der Verwaltung als auch politisch», sagt Norbert Rüttimann, dessen Blick unschwer erkennen lässt, dass er sich auf den neuen Gemeindeschreiber freut. Denn von den vielen Jahren Erfahrung kann auch Untereggens Gemeindepräsident profitieren. «Für uns ist es sicher ein Vorteil, dass er bereits in einer Einheitsgemeinde tätig war, und weiss, wie die Abläufe da sind», sagt Norbert Rüttimann. Zudem sei er mit dem neuen Rechnungsmodell vertraut, das in Appenzell-Ausserrhoden bereits im Einsatz sei. «Es gibt viel zu tun, aber meterhohe Stapel Papier erwarten ihn nicht am ersten Arbeitstag», sagt Norbert Rüttimann und lacht. «Ich schätze mich glücklich, bald einen solchen Profi an meiner Seite zu haben.»

Einheitsgemeinde angehen

Zusammen mit Norbert Näf will Gemeindepräsident Norbert Rüttimann in den kommenden Monaten die Vorbereitungen zur Einheitsgemeinde angehen. Diese wurde Ende März mit grosser Mehrheit angenommen. «Ein Referendum wurde keines ergriffen», sagt Norbert Rüttimann. Nun gehe es darum, die Organisation vertiefter anzuschauen, sich Gedanken darüber zu machen, wie beispielsweise die Ämter aufgeteilt und die Kommissionen zusammengelegt werden. «Die nächste Sitzung ist im Herbst, dort wird über die Grundlage der Gemeinde- und Schulordnung gesprochen.» Über diese werde dann die Bürgerversammlung im März 2016 abstimmen. Dann werde es konkreter, sagt er. «Gewisse Dinge muss man aber fortlaufend hinterfragen und allenfalls verbessern. Das dauert bestimmt bis 2017 – oder sogar darüber hinaus», fügt er hinzu.

Aussichten, die keine einkehrende Ruhe versprechen, zumindest nicht, was die Auslastung von Norbert Rüttimann betrifft. Denn neben seiner Arbeit als Gemeindepräsident führt der fünffache Familienvater eine eigene Autospenglerei im Dorf. «Zum Glück sind die Wege hier nicht weit», sagt der 50-Jährige. Den Spagat zwischen den beiden Welten schaffe er, weil ihm sowohl seine Frau als auch sein Bruder den Rücken frei halten, «und ich auf Seiten der Gemeindeverwaltung ein gutes Team habe. Sonst wäre das alles kaum machbar.» Termine an Abenden und Wochenenden seien keine Seltenheit, zudem nehme das Studieren von Akten viel Zeit in Anspruch, sagt Norbert Rüttimann: «Das halte ich aber in den Anfangszeiten für sehr wichtig.» Er sei zuversichtlich, dass es in absehbarer Zeit etwas ruhiger werde. «Vielleicht nicht dieses, aber hoffentlich nächstes Jahr.»

Stillstand durch Richtplan

Auf den kantonalen Richtplan möchte Norbert Rüttimann hingegen nicht mehr lange warten. «Wir können momentan nichts in Untereggen machen, bis wir wissen, wie es vom Kanton aus weitergeht», sagt der Gemeindepräsident. Er rechne mit Winter oder Anfang nächsten Jahres, bis man mehr wisse.

Gebaut wird in der Gemeinde aber trotz Abwartens des Richtplans: Unterhalb der Käserei entstehen zwei Mehrfamilienhäuser mit 13 Wohneinheiten, die über die Vordere Brandstrasse angefahren werden sollen. Die bereits bestehende Strasse soll dazu verbreitert und mit einem Hartbelag versehen werden. Zurzeit liege der Strassenplan noch beim Kanton, sagt Norbert Rüttimann und fügt hinzu: «Beim Bau der Mehrfamilienhäuser gab es trotz Einsprachen grünes Licht.» Im Vorderhof sei ausserdem der Bau eines Dreifamilienhauses genehmigt worden, sagt der Gemeindepräsident: «Dazu wird ein altes Einfamilienhaus abgebrochen.» Weitere Bauvorhaben seien erstmals nicht geplant, zumindest solange nicht, bis der Richtplan definitiv sei. Sind die Ressourcen dann definiert, will der Gemeinderat vorhandene Möglichkeiten prüfen und diese in eine neue Bauordnung einfliessen lassen, um allenfalls eine qualitative Innenentwicklung zu erreichen. «Dazu haben wir im Herbst eine Workshop-Sitzung.»

Dorfleben aufrechterhalten

Norbert Rüttimann schätzt das Leben in Untereggen. Er spricht von einer idealen Lage, schwärmt vom Bodensee und der verkehrstechnisch guten Anbindung. Auch das gute Zusammenleben im Dorf ist dem Familienvater wichtig: «Das möchte ich erhalten.» Ideen von generationsübergreifenden Treffpunkten hat er bereits, spruchreif sei aber noch nichts. «Es ist wichtig, dass wir uns Gedanken über Wege machen, die man in Zukunft gehen könnte», sagt er.

Einen Dorfladen, das hätte Norbert Rüttimann ebenfalls wieder gerne. «Dazu müssten die Einwohner ihn aber nutzen.» Aktuell sei nichts Konkretes geplant, man sei aber dabei, Möglichkeiten zu prüfen.

Legende (Bild: Andrea Sterchi)

Legende (Bild: Andrea Sterchi)

Bild: STEPHANIE SONDEREGGER

Bild: STEPHANIE SONDEREGGER