Die Crux mit der Werbung für Largo

Drei Männer stehen in orangen Leuchtwesten auf der Rorschacher Strasse. Einer bei der Rudolf-Steiner-Schule, einer beim Gymnasium Untere Waid, einer beim Kurhaus Obere Waid. Sie sind bereit, unzähligen Autos einen Parkplatz zuzuweisen. Allzu viel zu tun haben sie aber nicht.

Jeanette Herzog
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Drei Männer stehen in orangen Leuchtwesten auf der Rorschacher Strasse. Einer bei der Rudolf-Steiner-Schule, einer beim Gymnasium Untere Waid, einer beim Kurhaus Obere Waid. Sie sind bereit, unzähligen Autos einen Parkplatz zuzuweisen. Allzu viel zu tun haben sie aber nicht. Der grosse Ansturm auf den Vortrag des Erziehungspapstes und Bestsellerautors Remo Largo bleibt aus. Der Weg zur Rudolf-Steiner-Schule ist frei, es wartet kaum jemand, das Foyer ist nicht übermässig gut besetzt.

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Noch vor einem Jahr sah es hier ganz anders aus: Die Leute kamen in Scharen. Es herrschte Parkplatznot, Warteschlangen bildeten sich vom Schuleingang bis zur Rorschacher Strasse, und die Veranstalter schleppten zusätzliche Stühle an. Schliesslich mussten 200 Personen wieder nach Hause geschickt werden, weil der Saal proppenvoll war. Genauso erging es dem Historischen und Völkerkundemuseum, das 2009 beinahe überrannt wurde von Largo-Fans. Einen solchen Besucheransturm hatte das Museum bis dahin noch nie erlebt, sagte der Direktor im nachhinein. Zum Trost wiederholte Largo seinen Vortrag kurze Zeit später.

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Diesmal hatte sich die Rudolf-Steiner-Schule besser vorbereitet, mit Parkplatzeinweiser, Kassenorganisation und viel Personal hinter dem Kaffee- und Kuchenstand. Doch die Sitzreihen im Saal bleiben zu einem guten Drittel leer. «Wir erwarteten einen Boom, aber er kam nicht», sagt Annegret Schläppi, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit, nach der Veranstaltung.

Grund dafür sei keineswegs die Qualität des Vortrags «Erziehung zur Individualität und Solidarität», sondern die zurückhaltende Werbung. «Viele Leute wussten schlicht nicht, dass Remo Largo heute abend bei uns ist.» Sie hätten diesmal nur wenige Plakate aufhängen lassen und ausdrücklich um Reservation gebeten. «Wir wollten verhindern, dass die Leute wieder unzufrieden davonlaufen.» Das ist ihnen gelungen: Wer da war, fand auch einen Platz – selbst die Parkplatzeinweiser.

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Gelohnt hat es sich allemal. Largo präsentierte spannendes Zahlenmaterial – jedes Jahr wird den Schweizer Kindern mehr Ritalin verabreicht, 2010 insgesamt 350 Kilogramm. Er betont die enorme Bildungsfähigkeit der Kinder und appelliert vehement an die Selbstverantwortung der Eltern, da ihre Söhne und Töchter primär durch Nachahmen lernten. Engagiert lässt er sich auf Diskussionen mit den zahlreich anwesenden Pädagoginnen über Sinn und Unsinn von Hausaufgaben, Prüfungen und Noten ein.

Vor dem nächsten Besuch der Pädagogik-Koryphäe will man wieder mehr Werbung machen, damit der Saal möglichst voll wird. «Es können nicht genug Leute hören, dass es ungemein wichtig ist, wie man sich Kindern gegenüber verhält», sagt Annegret Schläppi. Wie recht sie doch hat.

jeanette.herzog@tagblatt.ch