Die Crux der Richtofferte

Das Wiler Parlament hat den Stadtrat aufgefordert, die Kosten der IT-Leistungen zu überprüfen. Nun sind die Abklärungen abgeschlossen.

Regula Weik
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WIL. 200 000 Franken pro Jahr zahlt die Stadt Wil für die Finanz- und Personalapplikationen an die Verwaltungsrechenzentrum AG St. Gallen. Dies sei – auch im Vergleich mit den umliegenden Gemeinden – «nicht unverhältnismässig teuer», hielt der Stadtrat vor einigen Wochen fest, nachdem die Grünen Prowil Auskünfte zu den Kosten verlangt hatten. Sie gehen davon aus, die Stadt Wil könnte die IT-Leistungen günstiger einkaufen – bloss: Ein Kostenvergleich mit andern Anbietern wurde bislang nicht angestellt.

Grüne liessen nicht locker

Die Grünen Prowil waren von der Antwort der Stadt denn auch enttäuscht. Es gehe nicht an, derart grosse Aufträge ohne Konkurrenzofferten einfach an den bisherigen Lieferanten zu vergeben. Und so schob die Partei eine parlamentarische Erklärung nach. Darin wurde der Stadtrat aufgefordert, eine Richtofferte eines anderen Anbieters einzuholen; falls diese 15 Prozent tiefere Kosten ausweisen sollte, sollen die IT-Leistungen ausgeschrieben werden; ebenso sämtliche Leistungen, die neu beschafft werden.

Auf Richtofferte verzichten

Das Wiler Parlament hiess die Erklärung im Sommer gut. Der Stadtrat gab daraufhin die notwendigen Abklärungen in Auftrag. Diese sind nun abgeschlossen und der Schlussbericht ist erstellt. So informierte die Stadt Wil gestern.

Der Bericht hält unter anderem fest: Der Stadtrat könne bei der Vergabe von IT-Produkten «vor der Einleitung eines Submissionsverfahrens Richtofferten einholen, ohne dass eine unmittelbare Absicht vorliegt, eine Beschaffung vorzunehmen.» So könne die Stadt etwa im Hinblick auf Budget- und Kreditbewilligungen Informationen über Produkte und Preise einholen

Das Ganze hat einen Haken – und darauf weist der Bericht ebenfalls hin: Firmen, die zu einer Richtofferte eingeladen werden, dürften «aufgrund einer möglichen Vorbefassung» am Submissionsverfahren nicht teilnehmen. «Daher werden in der Praxis mögliche Anbieterfirmen auf die Erstellung einer Richtofferte verzichten, um ihre rechtlichen Möglichkeiten in künftigen Submissionsverfahren nicht von Vorneherein zu schmälern.»

Noch kein Entscheid

Wie steht es mit der anstehenden Beschaffung einer neuen Finanzsoftware? Die Stadt Wil werde derzeit keinen Beschaffungsentscheid fällen, so der Stadtrat. Er warte das Ergebnis des Rechtsstreits zwischen dem Softwareunternehmen Abacus und den allermeisten St. Galler Gemeinden ab.