Die bizarre Natur im Bild

Der Geologe liest sie wie ein Buch, der Ästhet erfreut sich ihrer Schönheit: Bernhard Edmaiers Fotografien zeigen das Kunstwerk Alpen. Sie sind ab heute im Naturmuseum ausgestellt.

Kathrin Reimann
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Naturmuseums-Direktor Toni Bürgin führt durch die Ausstellung «Kunstwerk Alpen». (Bild: Hanspeter Schiess)

Naturmuseums-Direktor Toni Bürgin führt durch die Ausstellung «Kunstwerk Alpen». (Bild: Hanspeter Schiess)

Eigentlich ist der Titel «Kunstwerk Alpen» der neusten Sonderausstellung im Naturmuseum irreführend. «Kunst ist vom Menschen geschaffen, und die Alpen sind ohne menschliches Zutun entstanden», sagt Toni Bürgin, Direktor des Naturmuseums St. Gallen. Doch der Geologe und Fotograf Bernhard Edmaier vermöge Kunst und Natur in seinen 38 grossformatigen, quadratischen und faszinierenden Fotografien aus der Vogelperspektive zu vereinen.

Ästhetische Prinzipien

Edmaiers Talent ist es, die Alpen anhand ungewohnter Wasser-, Gesteins- und Landformen darzustellen. So lässt er ein neues Bild des mächtigen Gebirgszugs im Herzen Europas entstehen. Ein ganz anderes als das, was man von den idyllischen Postkarten aus dem Alpenraum kennt. Die Bilder im Naturmuseum bilden bizarre Gipfel, schroffe Felswände mit gigantischen Gesteinsfalten, wilde Bäche, zerrissene Gletscherfronten oder leuchtende Bergseen in der Schweiz, Italien, Slowenien, Frankreich, Deutschland und Österreich ab.

Unterteilt ist die Ausstellung in die Sektionen Fels, Kollision, Eis und Erosion. Der Fokus der Bilder liegt dabei immer auf der besonderen Struktur der Alpenregion. «Ein Geologe kann aus diesen Bildern wie aus einem Buch lesen», erklärt Toni Bürgin. Denn die Strukturen erzählen immer auch etwas darüber, wie die Alpen entstanden sind. Aber auch für Laien sei der Besuch der Ausstellung spannend. Denn Bernhard Edmaier gelingt es, die funktionalen Prinzipien unseres Planeten in ästhetisch vollkommenen Bildern einzufangen. Etwa wenn Gebirge gefaltet und wieder abgetragen werden, wenn Gletscher immense Moränenwälle vor sich herschieben oder wenn Lavaströme aus Schloten herausfliessen. Dabei entstehen groteske Formen und farbenprächtige Effekte, wie sie sich wohl kein Maler besser ausdenken könnte.

Vernissage mit Fotografen

Die Ausstellung «Kunstwerk Alpen» läuft bis am 10. Mai. Heute wird sie im Beisein des süddeutschen Fotografen Bernhard Edmaier und seiner Partnerin, der Wissenschaftsautorin Angelika Jung-Hüttl, eröffnet. Die Vernissage beginnt um 19 Uhr, nach der Begrüssung und der Einführung folgen ein Apéro und die Besichtigung. Sonntagsführungen zum Thema finden am 15. März und am 26. April statt. Am 18. März hält der emeritierte Geologie-Professor Adrian Pfiffner einen Vortrag über die Besonderheiten der Alpen. Das Fotobuch zur Ausstellung kann an der Museumskasse gekauft werden.

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