Die Bikinifigur gesund essen

RORSCHACH. Der Sommer naht und damit die Tage am See. Für viele Frauen fängt nun die Zeit der Diäten an. Ihre Körper sollen schlank und fit sein, wenn sie Sonne tanken. Zwei Rorschacher Ernährungsexperten zum Abnehm-Wahn.

Stephanie Sonderegger
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Eine Bikinifigur fordert besonders eins: Gute Ernährung. (Bild: Trix Niederau)

Eine Bikinifigur fordert besonders eins: Gute Ernährung. (Bild: Trix Niederau)

Paleo-, Atkins- und Glyx-Diät: Sie alle sollen dazu verhelfen, dass Frauen zum Sommer eine perfekte Bikinifigur vorzeigen können. Bewundert werden oftmals Figuren von Models – so auch von der Gewinnerin der aktuellen Staffel des TV-Formats «Germany's Next Topmodel». Vanessa Fuchs ist nicht nur gross, sie trägt auch kein Gramm Fett auf der Hüfte. Doch ist die erbliche Veranlagung nicht vorhanden, ist der Weg zur klassischen Bikinifigur oft ein langwieriger Prozess.

Das wissen auch die Fitness- und Ernährungsexperten aus Rorschach. Sie kennen die Problematik unterschiedlicher Diäten sowie den Trend, in kurzer Zeit abnehmen zu wollen.

Missverständliche Theorien

Unter dem Namen «Get in Shape – Women Power» lancierte der Rorschacher Personal Trainer und Fitnessstudio-Besitzer Alessandro Polimeno Anfang Mai ein spezielles Angebot für Frauen. Darin enthalten ist neben dem spezifisch auf den Körper abgestimmten Training auch ein Ernährungsplan. «Die Leute wollen ein fertiges Produkt haben», erzählt der Fitnessinstruktor mit eidgenössischem Fachausweis. Abnehmen und fit sein seien zwei verschiedene Paar Schuhe, erklärt Alessandro Polimeno, dem es als Besitzer eines Fitnessstudios vorwiegend um Letzteres geht. Täglich eine Stunde Sport hält er neben einer gesunden Ernährung für genauso wichtig. Doch der Begriff «gesunde Ernährung» ist vielseitig auslegbar. Über soziale Netzwerke werden Ernährungs- und Diättheorien gestreut, die besonders bei Jugendlichen zu Missverständnissen führen. Aktuell sei die Einnahme von proteinhaltigen Zusatzstoffen besonders im Trend. «Es wird oft vergessen, dass Proteine alleine nicht ausreichen», so Polimeno.

Zucker als grosses Problem

Insbesondere den Jugendlichen fehle der Zugang und die Wertschätzung zu natürlichen Lebensmittel: «Viele Eltern haben heutzutage keine Zeit, frisch zu kochen. Da kommen dann die Fertigprodukte zum Einsatz.» Die hohe Menge an darin enthaltenem raffiniertem Zucker sieht der Fitnessexperte als grosses Problem. Bedenklich findet er zudem den übermässigen Konsum von Energy Drinks. Vorwiegend bei jungen Leuten ersetzen die zuckerhaltigen Getränke oftmals eine ganze Mahlzeit: «Das ist erschreckend.»

«Frisch, farbig und sättigend»

«Frisch, farbig und sättigend», lautet das Motto von Alessandro Polimeno, wenn es um gesunde Ernährung geht. Das Motto gibt er seinen Kundinnen und Kunden gerne mit. Und die seien nicht nur im jugendlichen Alter, sondern bis zu 65 Jahre alt. Wer glaubt, der Schlankheitswahn betreffe nur Frauen, der irrt sich: «Es kommen immer mehr Männer auf mich zu, die dünn sein wollen», sagt Alessandro Polimeno. Für ihn ist es oft eine Gratwanderung, denn nicht selten kommt es vor, dass bereits untergewichtige und essgestörte Interessentinnen und Interessenten um Ratschläge bitten: «Da versuche ich möglichst diplomatisch und einfühlend, aber stets ehrlich zu bleiben.»

Abnehmen als grosses Thema

Auch Ernährungsberaterin Annelie Scheifele von der «Praxis im Zentrum» kennt die Problematik. Dank der Zusammenarbeit mit Lebensberaterin Therese Lechner gelinge es aber immer wieder, Personen mit einer Essstörung aufzufangen, so Scheifele. Ihr Blickwinkel und ihre Arbeitsweise unterscheiden sich generell von denen eines Fitnessinstruktors. «Zu mir kommen grossteils Personen, die vom Hausarzt überwiesen werden. Das können Klienten sein, die mit Übergewicht oder mit Diabetes zu kämpfen haben. Oft sind auch Verdauungsbeschwerden und Unverträglichkeiten im Spiel», erklärt sie. «Viele davon leiden an Mangelernährung – trotz Übergewicht.»

Neben ihrer Tätigkeit als Ernährungsberaterin in ihrer Praxis besucht Annelie Scheifele auch Schulklassen. Besonders in Oberstufenklassen sei das Abnehmen ein grosses Thema, sagt die Rorschacherin. Die Auswirkungen der Empfehlungen und Philosophien rund um «die» schlankmachende Ernährung, die in sozialen Netzwerken zu lesen sind, findet sie fatal: «Durch unpassende, zu restriktive und dauernd wechselnde Diäten startet bei vielen ein lebenslanger Jo-Jo-Effekt. Zudem kann es zu Mangelernährung führen, wenn Jugendliche über längere Zeit keine Kohlenhydrate mehr zu sich nehmen oder auf eine vegane Ernährung umstellen, ohne sich vorher seriös zu informieren.» Der bewusste und sparsame Umgang besonders mit Süssgetränken, Snacks und Stärkeprodukten sei wichtig: «Gefragt ist eine dem Alter und der Bewegung angepasste Ernährung.»

Persönlichkeit statt Gewicht

Wer den Weg zur Bikinifigur einschlagen möchte, soll sich laut Annelie Scheifele täglich eine Stunde bewegen. Dazu empfiehlt sie, das eigene Essverhalten zu beobachten. Hilfreich sei es, auf Zwischenmahlzeiten zu verzichten: «Dafür drei eiweisshaltige Hauptmahlzeiten zu sich nehmen und abends die Stärkebeilage weglassen.» Wichtig sei ausserdem das Trinken von ausreichend Wasser. Für Scheifele ist es dennoch nicht das Ziel, all ihren Patienten zu einheitlichen Modelfiguren zu verhelfen: «Schliesslich besteht man nicht nur aus Gewicht und Figur, sondern jeder ist eine einzigartige Persönlichkeit.»

Alessandro Polimeno setzt auf Fitness und gesunde Ernährung. (Bild: sso)

Alessandro Polimeno setzt auf Fitness und gesunde Ernährung. (Bild: sso)

Annelie Scheifele hält proteinreiche Hauptmahlzeiten für wichtig. (Bild: sso)

Annelie Scheifele hält proteinreiche Hauptmahlzeiten für wichtig. (Bild: sso)

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