Die Beste war wieder ein Mann

«Frauen sollen in Verwaltungsräten vertreten sein», entschied der Kantonsrat im Februar. Jetzt wurde ins oberste Leitungsorgan der Gebäudeversicherungsanstalt GVA erneut ein Mann gewählt. Trotz erstmaliger öffentlicher Ausschreibung des Postens.

Sina Bühler
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ST. GALLEN. An der Kantonsratssession im Februar wurde der Bericht zur Public Corporate Governance durch folgenden Satz ergänzt: «Bei der Wahl der Mitglieder in oberste Leitungsorgane von Organisationen mit kantonaler Beteiligung ist sicherzustellen, dass beide Geschlechter vertreten sind.»

Ein solches Organ ist die Verwaltungskommission der kantonalen Gebäudeversicherungsanstalt GVA. Für diese konnte die St. Galler Regierung am Dienstag ein neues Mitglied wählen: Sie entschied sich für Marc Mächler. Der Zuzwiler sitzt für die FDP im Kantonsrat, wo er sich klar gegen die Aufnahme der Formulierung in die Vorlage ausgesprochen hatte. Die Vertretung beider Geschlechter hat der Kanton aber trotz Mächlers Wahl eingehalten, denn in der siebenköpfigen Kommission sitzt bereits die Gamserin Barbara Dürr-Bruhin.

Mann mit viel Erfahrung

Allerdings lautete die Formulierung bis zuletzt, beide Geschlechter müssten «angemessen» vertreten sein. Dann wurde das Adjektiv von der bürgerlichen Kantonsratsmehrheit gestrichen. Ist eine einzige Frau ausreichend? Finanzdirektor Martin Gehrer, der als zuständiger Departementsleiter die Verwaltungskommission präsidiert, findet: «Nein, grundsätzlich nicht. Marc Mächler war aber der Bewerber, der das Anforderungsprofil am besten erfüllte. Wir suchten Kandidatinnen oder Kandidaten, die sich in der Vermögensverwaltung auskennen, weil die GVA diese Aufgabe seit neuestem selber übernehmen muss.» Mächler habe wegen seiner beruflichen Tätigkeit in diesem Bereich viel Erfahrung.

Laut Gehrer hat sein Departement alles Mögliche getan, um der Regierung eine fachlich geeignete Person vorzuschlagen. Denn – seines Wissens – sei erstmals ein Verwaltungsratssitz einer kantonalen Organisation öffentlich ausgeschrieben worden. Bald werde dies der Standard sein. «Wir haben uns heute schon dafür entschieden, weil für diese Wahl ein klares Anforderungsprofil zwingend notwendig war», sagt der Finanzdirektor.

Geeignete Frau sagte ab

Über 30 Bewerbungen trafen ein, die Besten seien zum Gespräch eingeladen worden. Auch diese Prüfung durch einen Wahlausschuss ist laut Gehrer neu. Unter den Bewerbungen seien einige Frauen gewesen. «Wenige, aber das ist auch bei der Vermögensverwaltung von Banken so», sagt Gehrer. Es sei sogar eine geeignete Frau direkt angesprochen worden, ob sie sich nicht bewerben wolle. Nur habe sie leider abgesagt. Für SP-Kantonsrätin Bettina Surber bringt Marc Mächler die nötige Fachkompetenz für das fragliche Amt mit, insoweit sei die Wahl nachvollziehbar. Es ist für sie aber auch nicht überraschend, dass keine Frau zum Zug kam: «Die Regierung hat in der Diskussion um die geschlechtergerechte Vertretung kein Interesse an einer klaren Regelung gezeigt und die Debatte hat offenbar wenig zur Sensibilisierung beigetragen. Aber immerhin müssen die Departementschefs nun ihre Entscheide genauer begründen.»

Im Frühjahr kann der Kanton nochmals versuchen, die Vertretung der Frauen zu verbessern – dann werden bei der GVA wieder zwei Kommissionssitze frei.