Die Bar der 1000 Drinks

ST.GALLEN. Obwohl neben ihrer Bar ein tiefes Loch klafft, harrt Edith Rigamonti aus. Seit 25 Jahren führt sie die «Monti American Bar», welche 1996 einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde ergatterte.

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Unendlich viele Cocktails und Drinks: Edith Rigamonti in der «Monti American Bar» an der Rosenbergstrasse mischt sie alle. (Bild: Urs Bucher)

Unendlich viele Cocktails und Drinks: Edith Rigamonti in der «Monti American Bar» an der Rosenbergstrasse mischt sie alle. (Bild: Urs Bucher)

Jede Woche kommt ein Fachmann und begutachtet die neuen Risse in den Wänden. Gleich hinter der Seitenwand der «Monti American Bar» klafft ein riesiges Loch: Hier wächst zurzeit der Fachhochschulturm in die Höhe. Am Haus Montana an der Rosenbergstrasse 55, einem ehemaligen Hotel, geht so etwas nicht spurlos vorbei. Aber die Monti-Bar bleibt - vorerst.

Haus gehört jetzt dem Kanton

Wie jedes Jahr in der Adventszeit hat Edith Rigamonti «ihre» Bar liebevoll und sorgfältig auf Weihnachten getrimmt. Und wie immer seit mittlerweile 25 Jahren erwartet sie ihre Gäste mit einer beeindruckenden Karte von gut 1000 gemixten Drinks und Cocktails, die sie alle eigenhändig zubereitet.

Vor rund einem Jahr hat der Kanton das Haus Montana gekauft. «Ich habe nicht die geringste Ahnung, wie es hier weitergehen wird», sagt Edith Rigamonti stoisch.

Im Jahr 1985 hatte ihr Mann Nano Rigamonti die Bar übernommen. «Rigamonti» und «Montana», das ergab logischerweise eine «Monti»-Bar. Nano Rigamonti sei ein Barmann alter Schule gewesen, gut ausgebildet an Hotelbars. In St. Gallen arbeitete er im Hotel Hecht und im «Einstein», bevor er sich mit der Monti-Bar den Traum der eigenen Cocktail-Bar erfüllte. Nur sieben Jahre später verstarb er nach einem tragischen Unfall.

Astoria Fizz und Trudy

So erlebte er auch nicht mehr, wie seine Frau und ihre Schwester im Jahr 1996 nach einer Wette einen Coup landeten, der auch ihm gefallen hätte: einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde für eine «Barkarte mit 1000 Mixgetränken». Ob Hillary, Bentley, Astoria Fizz, Trudy oder «Der Wecker» - von alkoholfrei bis ziemlich hochprozentig ist fast alles zu haben. Es sei manchmal schwieriger gewesen, einen neuen Namen für einen Drink zu finden als eine neue Zusammensetzung, sagt die Barfrau.

Das Mix-Handwerk hat sie von ihrem Mann gelernt. «Als ehemalige Drogistin fiel mir das Mischen der verschiedenen Zutaten nie schwer», sagt sie. Sie bereite die Drinks gerne zu, bis heute. Ihr persönlicher Liebling ist der «Sigi»: brauner Rum mit Maracuja-Likör, Passionsfruchtnektar und Tonic.

Kein Pianist mehr

Alle Getränke kosten 17 Franken, 15 zur Apérozeit. Seit der Eröffnung haben sich die Preise kaum verändert, sagt Edith Rigamonti. Weggefallen ist lediglich der Pianist, welcher bis zur Liberalisierung des Gastronomiegesetzes im Jahr 1995 für verlängerte Öffnungszeiten Pflicht war.

«Wir waren schon immer hier»

Neben der Monsterbaustelle wirkt die Monti-Bar noch etwas verlorener als sonst. «Natürlich kommen weniger Leute als früher», sagt Edith Rigamonti. Das veränderte Ausgehverhalten und die vielen neuen Bars machen sich auch hinter dem Bahnhof bemerkbar. Auf die Lage abseits der üblichen Ausgehviertel angesprochen, zuckt die Chefin nur mit den Achseln: «Wir waren schon immer hier.» Am Wochenende kämen die Jungen, unter Woche sei es deutlich ruhiger als früher. Sie sagt es, erhebt sich leicht fröstelnd und öffnet ihre Bar wie jeden Tag von Dienstag bis Samstag: um Punkt 17 Uhr. Odilia Hiller

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