Die Bank im Dorf lassen

Raiffeisen-Chef Patrik Gisel hat gesagt, schweizweit würden wohl Hunderte Geschäftsstellen geschlossen. Für einen Bankleiter in der Region ist die Aussage nicht neu. Und in Eggersriet sieht man in der bevorstehenden Fusion nur Vorteile.

Sebastian Schneider
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Trotz wahrscheinlicher Fusion mit der Bank in Heiden: Die Raiffeisenbank Eggersriet-Grub wird im Dorf bleiben. (Bild: Michel Canonica)

Trotz wahrscheinlicher Fusion mit der Bank in Heiden: Die Raiffeisenbank Eggersriet-Grub wird im Dorf bleiben. (Bild: Michel Canonica)

Was der Chef von Raiffeisen Schweiz Ende vergangener Woche verkündet hatte, klang nicht gerade erfreulich. Von schweizweit 1000 Geschäftsstellen werden in den nächsten Jahren wohl 250 geschlossen werden müssen, sagte Patrik Gisel an der Pressekonferenz, an der er den Rekordgewinn der Gruppe präsentierte. Seine Aussage löste gerade in der Region St. Gallen Verunsicherung aus. Denn hier ist das Raiffeisen-Netz besonders engmaschig. In zehn Gemeinden rund um die Stadt St. Gallen gibt es neun eigenständige Banken. Wie lange noch?

Entscheide fallen vor Ort

Dem Pressesprecher von Raiffeisen Schweiz, Franz Würth, wurden solche Fragen schon oft gestellt, wie er auf Anfrage sagt. Wie viele oder welche Geschäftsstellen betroffen sein werden, könne er aber beim bestem Willen nicht sagen, da Raiffeisen-Banken als selbständige Genossenschaften agieren. Daher werde auch eine Fusion oder die Schliessung einer Geschäftsstelle vor Ort an der Generalversammlung beschlossen. Grupenchef Patrik Gisel habe damit einfach sagen wollen, dass der wachsende Trend von Online-Banking auch nicht haltmache vor den Raiffeisenbanken. Die einzelnen Banken müssten sich Gedanken machen, ob es für sich noch lohnt, alle Filialen weiterzubetreiben.

Ständig über die Bücher gehen

Für Hansruedi Betschart, Bankleiter der Raiffeisenbank Bernhardzell, ist die Aussage Gisels nichts Neues. «Wir befinden uns schon länger in einem Strukturwandel», sagt er. Natürlich sei auch er kein Freund der zunehmenden Konzentration. Dank der überschaubaren Grösse sei die Bank vor Ort in der Lage, Entscheide schnell zu fällen. Zudem ist Betschart der Meinung, dass die Bank wie ein Dorfladen einfach zum Dorf gehört. Dennoch wolle er sich der Entwicklung nicht verschliessen: «Wer sich dazu keine Gedanken macht, begeht einen Fehler», sagt der Leiter einer der schweizweit kleinsten Raiffeisenbank. Und so müsse man ständig überlegen, wie die Zusammenarbeit mit anderen Banken gestaltet werden könne.

Die Entwicklung werde vor allem durch wachsende Ansprüche verursacht, sagt Betschart. Neue Auflagen durch die Gesetzgebung machten es der kleinen Bank nicht leicht, eine regulatorisch einwandfreie Organisation aufzubauen. Ein Stichwort sei die Funktionentrennung: «Um etwa einen Kredit zu genehmigen, braucht es heute dafür extra einen Credit-Officer.» Zudem verspüre man auch einen gewissen Druck des Mutterhauses. Damit spricht Betschart die sogenannte Strukturstrategie an, die Raiffeisen 2014 verabschiedet hat. Darin wird die Mindestgrösse für eine Bank mit einem Gesamtvolumen von 600 Millionen Franken definiert.

Eggersriet geht mit Heiden

Raiffeisen machte vor allem in den 1990er-Jahren einen Konzentrationsprozess durch. Waren es im Jahr 1986 noch 1229 eigenständige Banken, sind es heute keine 300 mehr. Und womöglich wird es nächstens mindestens nochmals eine weniger geben. In der Region könnte es nämlich zu einer Fusion kommen. An der Generalversammlung vom 18. März entscheiden die Genossenschafter der Raiffeisenbank Eggersriet-Grub über den Zusammenschluss mit der Raiffeisenbank Heiden. Bankleiter Andreas Schmalz sieht mit der Fusion aber keine Nachteile zukommen – weder für die Kunden noch für die Mitarbeiterschaft. «Die Ansprechpersonen bleiben die gleichen», sagt er. Personal werde nicht eingespart, im Gegenteil, es brauche wohl noch mehr Stellenprozente. Auch in den kommenden Jahren werde sich für die Kunden nichts ändern. Ausser, dass nach dem Zusammenschluss Mehrwerte entstehen: «Dank der neu erreichten Grösse können wir gerade für Geschäftskunden mehr Dienste anbieten», sagt Andreas Schmalz, der Mitglied der neuen Geschäftsleitung werden soll.