Die Ausleihzahlen steigen

ST.GALLEN. Ende Februar wurde in der Hauptpost die neue Bibliothek eröffnet. Bei der Kantons- und der Stadtbibliothek erachtet man das Projekt nach bald zwei Monaten als grossen Erfolg, wenn auch in gewissen Bereichen Handlungsbedarf besteht.

Kathrin Reimann
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Viele Besucher bedeuten auch viele Interessen – diese müssen in der neuen Bibliothek noch besser aufeinander abgestimmt werden. (Bild: Urs Bucher)

Viele Besucher bedeuten auch viele Interessen – diese müssen in der neuen Bibliothek noch besser aufeinander abgestimmt werden. (Bild: Urs Bucher)

Der diesjährige Buch-Talk an der Offa wurde gestern von Stadtbibliotheksleiterin Christa Oberholzer eröffnet. Diese berichtete im Gespräch mit Michael Hasler von ersten Erfahrungen mit der neuen Bibliothek, die Kantons- und Stadtbibliothek vereint. Lediglich drei Zuschauer verirrten sich an den Anlass.

Im krassen Gegensatz dazu steht der Ansturm auf die neue Bibliothek, die am 28. Februar eröffnet worden ist. «Wir haben bis jetzt 40 000 Medien ausgeliehen und sind extrem zufrieden», sagt Oberholzer. Ausserdem würden sich täglich neue Benutzer einschreiben und auch das Café laufe ausserordentlich gut. «Es ist nie leer.» Die Rückmeldungen der Kunden seien überwiegend positiv. «Die luftigen und hellen Räume werden gelobt, die gute Atmosphäre und auch die riesige Auswahl an unterschiedlichen Medien.» Lediglich, dass die Kinder- und Jugendbibliothek nicht in der Hauptpost untergebracht werden konnte, sorgt wiederholt für Kritik. Diese befindet sich am alten Standort, an der Katharinengasse. «Für deren Integration fehlt uns der Platz und das Geld», begründet Christa Oberholzer dies. Mit dem Kurierdienst, der Bücher zwischen den verschiedenen Standorten transportiert, wolle man dem Manko entgegenwirken.

Orientierung fällt schwer

Den oft gehörten Wunsch nach längeren Öffnungszeiten und vom Betrieb am Sonntag würde sie gerne erfüllen: «Aber mir sind die Hände gebunden, uns fehlt dazu das Personal.» Dass dieses enorm wichtig sei, zeige sich immer wieder. So würden sich viele Bibliotheksbesucher nur schlecht zurecht finden und würden Hilfe benötigen, um sich orientieren zu können. «Hier gibt es sicher noch Verbesserungspotenzial.» Ausserdem würde die Katalogabfrage Mühe bereiten, und die Hörbücher hätten zu wenig Platz. «Das sind aber nur Kleinigkeiten», gibt sich Oberholzer zuversichtlich.

Bedürfnisse abstimmen

Auch Kantonsbibliotheksleiterin Sonia Abun-Nasr ist zufrieden und hält die Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek für eine Bereicherung. «Für uns war das ein wichtiger Schritt, da die Kantonsbibliothek vorher keine Freihandbibliothek war», sagt Abun-Nasr. Nun deute aber alles auf einen Erfolg hin. «Wir stellen eine deutliche Erhöhung der Ausleihzahlen fest.» Trotz des mehrheitlich positiven Feedbacks der Benutzer, das sich vor allem auf die neuen Räume und das grosse Angebot beziehe, müsse man an gewissen Punkten arbeiten. «Wir haben extrem viele unterschiedliche Benutzer und müssen deren Bedürfnisse besser aufeinander abstimmen.» Dazu müsse man aber erstmals den regulären Betrieb beobachten und weitere Reaktionen abwarten. Gemäss Christa Oberholzer waren das Turmzimmer wie auch die Gruppenräume – beides Orte, in denen ruhig gearbeitet wird – bisher nie voll belegt. «Die Lernphase der Studenten hat aber noch nicht begonnen, und das Angebot ist zudem nicht allen bekannt.»

Mitarbeiter lernen voneinander

Nicht nur die Kunden der neuen Bibliothek scheinen überwiegend zufrieden zu sein, auch die Mitarbeiter fühlen sich am neuen Arbeitsort und mit den neuen Kollegen wohl. Früher hätten diese von den Angestellten der jeweils anderen Bibliothek nicht viel gehalten. «Von diesen kulturellen Unterschieden merkt man nichts mehr; sie sehen, was die anderen leisten und profitieren und lernen von den anderen», sagt Oberholzer.

Christa Oberholzer Leiterin Stadtbibliothek (Bild: Ralph Ribi)

Christa Oberholzer Leiterin Stadtbibliothek (Bild: Ralph Ribi)

Sonia Abun-Nasr Leiterin Kantonsbibliothek (Bild: Urs Bucher)

Sonia Abun-Nasr Leiterin Kantonsbibliothek (Bild: Urs Bucher)

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