Die aufrichtige Bauleiterin

Baudirektorin Nach zwölf Jahren im Parlament gelang Patrizia Adam 2012 der Sprung in den Stadtrat. Den Job als Baudirektorin geniesst die CVP-Vertreterin jeden Tag – auch wenn ihr kaum Freizeit bleibt.

David Gadze
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Bild: David Gadze

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Ein grosses Gemälde schmückt die Wand gegenüber des Schreibtischs im Büro von Patrizia Adam. Es ist an Einfachheit kaum zu überbieten: Die gesamte Fläche ist in lila gehalten. Es handelt sich um ein Werk des Schweizer Malers Olivier Mosset. Er hat es unter dem Pseudonym Henry Codax gemalt, das auch von anderen Künstlern benutzt wird. Ihre gute Freundin und ehemalige Nachbarin, die Galeristin Susanna Kulli, hat es ihr verschafft. Vor diesem Bild will sich die Stadträtin fotografieren lassen. «Es hat vor allem auch einen sentimentalen Wert für mich.»

Genau zur richtigen Zeit Stadträtin geworden

Seit bald vier Jahren steht Patrizia Adam der Direktion Bau und Planung vor. Kurz nach ihrem Amtsantritt hatte sie gesagt, sie wolle «Impulse setzen», die bauliche Entwicklung der Stadt und insbesondere deren zentraler Plätze vorantreiben. Das sei ihr zu grossen Teilen gelungen, bilanziert sie nun. Ausserdem habe sie drei Schlüsselpositionen in ihrer Direktion – das Stadtplanungsamt und das Hochbauamt, aber auch das Direktionssekretariat – mit ihren Wunschkandidaten besetzen können. «Das hat mir viel positiven Schub verliehen. Deshalb gehe ich jeden Tag mit Freude zur Arbeit.»

Das Timing für den Wechsel aus dem Parlament in die Stadtregierung habe nicht besser sein können. «Ich bin genau zur richtigen Zeit Stadträtin geworden», sagt Adam. Dafür nennt sie private Gründe. Bis zu ihrer Wahl sei sie nebst der Arbeit im Treuhandbüro, wo sie als Juristin tätig war, die ganze Zeit als Mutter eingebunden gewesen. Mit Susanna Kulli teilte sie sich an zwei Tagen in der Woche die Betreuung der Kinder. «Damals hätte ich das Stadtratsamt und die Familie nicht unter einen Hut bringen können.» Inzwischen sind ihre beiden Kinder Roman und Pascale eigenständig. Freizeit hat die 53-Jährige dennoch kaum. «Ich muss mir die Zeit für mich und meinen Mann immer noch stehlen.» Die ehemalige Regierungsrätin Kathrin Hilber habe ihr einst gesagt, sie müsse sich an Wochenenden einen Tag frei nehmen. Das versuche sie durchzuziehen.

Es gibt einen weiteren Grund, warum Patrizia Adam genau zur richtigen Zeit Stadträtin wurde. Zahlreiche Stadtareale warteten und warten darauf, aus dem Dornröschenschlaf geweckt zu werden: Das Areal Bahnhof St. Fiden, das Platztor oder die Gebiete Bahnhof Nord und St. Gallen West. Einige andere, etwa die Neugestaltung des Bahnhofplatzes, waren vor ihrer Amtsübernahme bereits aufgegleist. Wie wichtig es ihr ist, die Umgestaltung des grössten ÖV-Knotens der Ostschweiz zu einem guten Abschluss zu bringen, hat sie in der Vergangenheit bereits betont.

Mit neugestaltetem Marktplatz abtreten

Einen Rückschlag musste sie allerdings beim Marktplatz hinnehmen. Im März 2015 schickte das Stimmvolk die Vorlage zur Neugestaltung bachab, zum zweitenmal innerhalb von knapp vier Jahren. «Scheinbar haben wir ein paar Fehler gemacht», räumt die Baudirektorin ein. Zwar habe man mit den Direktbetroffenen geredet, ihre Anliegen in der Planung aber offenbar zu wenig einbezogen. Diesen Fehler will Adam beim neuen Anlauf korrigieren. Ende Jahr startet das Forum, bei dem alle Betroffenen und die Bevölkerung an einen Tisch geholt werden. «Ich hoffe wirklich, dass am Ende meiner Zeit als Stadträtin der Marktplatz ein neues Gesicht haben wird.»

Den partizipativen Prozess bei der Entwicklung des Areals Bahnhof Nord bezeichnet sie jetzt schon als Erfolg. Bei der Entwicklung solcher wichtiger Gebiete sei es unumgänglich, die Wünsche der Bevölkerung zu berücksichtigen, sagt Adam. Das gelte auch beim Verkehr: Bei der Umsetzung einiger Massnahmen aus dem Mobilitätskonzept will Adam die Direktbetroffenen zu Wort kommen lassen.

Aus den Fehlern der Vergangenheit, die man beispielsweise im Areal Bahnhof Nord mit dem verspäteten und deshalb teureren Kauf des Spanischen Klubhauses gemacht habe, müsse man die Lehren ziehen. Als Beispiel nennt Patrizia Adam das Quartier Riethüsli. Die Stadt hat beim Südportal des Ruckhaldetunnels, zwischen der Teufener Strasse und der Riethüslistrasse, bereits diverse Liegenschaften erworben. «Ich erhoffe mir, dass sich dort ein neues Quartierzentrum entwickelt. Und dabei wollen wir nicht nur mitreden, sondern mitbestimmen können.»