Die Angst schwingt nicht mit

Seit vergangenem August wird in der GBS-Sporthalle wieder geturnt. Dass die Halle vor fünf Jahren unter der Schneelast eingestürzt ist, beunruhigt die Schüler offensichtlich nicht. Für sie liegt das Ereignis in weiter Ferne.

Sebastian Schneider
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Die angehenden Polygraphen zeigen sich an der Kletterwand von der Geschichte der GBS-Sporthalle unbeirrt. (Bild: Luca Linder)

Die angehenden Polygraphen zeigen sich an der Kletterwand von der Geschichte der GBS-Sporthalle unbeirrt. (Bild: Luca Linder)

Behende klettert eine angehende Polygraphin die Wand hinauf. Schritt für Schritt und Griff für Griff nähert sie sich der Decke der GBS-Sporthalle. Auf zehn Metern Höhe hat die Schülerin ihren Klettergang beendet. Sie befindet sich nun zwei Meter unterhalb des schwarzen Blechdaches, das auf meterhohen hellgrauen Stahlträgern liegt.

Schüler ohne Furcht

Die grossen Stahlträger seien eine bauliche Massnahme, um das Vertrauen in die Turnhalle zurückzugewinnen, sagt Mägi Enderli. Sie unterrichtet gerade die angehenden Polygraphen und ist die Leiterin Sport an der GBS. Die Hallenwände sind jetzt grün und nicht mehr blau. So sollen die Erinnerungen an die alte Halle verschwinden. Allerdings fallen diese Unterschiede den Polygraphen im vierten Lehrjahr wohl nicht auf – liegt der Einsturz des Hallendachs doch schon fünf Jahre zurück.

Vom katastrophalen Ereignis wissen die Schüler zwar, ein mulmiges Gefühl haben sie aber nicht. Und auch im August, als sie zum erstenmal in der wiedereröffneten Halle zum Sportunterricht antraten, hätten sie keine Furcht verspürt. «Für uns liegt der Einsturz halt in weiter Ferne», sagt ein Schüler. Und so sei darüber gar gewitzelt worden. Die Schüler hätten beispielsweise ihre Lehrer gefragt, ob sie nun mit Bauhelm zum Sportunterricht erscheinen müssten.

Schock, Verlust, Dankbarkeit

Anders ergeht es Mägi Enderli, die am verschneiten 24. Februar 2009 frühmorgens telefonisch über den Einsturz informiert wurde. Es habe einen Moment gedauert, bis sie das glauben konnte. Zum Glück aber sei ja niemand zu Schaden gekommen. Dafür ist Mägi Enderli «unglaublich dankbar».

Doch das Gefühl von Verlust sei dennoch dagewesen. Mit der im Jahr 2006 eröffneten Sporthalle sei für sie nämlich ein Traum wahr geworden. «So lange haben wir auf die Halle warten müssen», sagt Enderli, die seit 25 Jahren an der GBS Sport- und Allgemeinbildung unterrichtet.

Hauptaufgabe Organisation

Seit sieben Jahren hat Mägi Enderli die Leitung Sport inne. In den vergangenen fünf Jahren sei der Sport aber in den Hintergrund getreten. «Ich war vor allem am Organisieren», sagt die 52-Jährige.

Die Olma-Halle 1.1 diente als Ersatzhalle, mit den VBSG schaute Enderli für einen Schülertransport, und alternative Angebote fand die Sportleiterin im Säntispark, in der Curlinghalle, in Schwimmbädern oder auf freiem Gelände zum Joggen. Die Olma-Halle konnte nicht zu jeder Zeit benutzt werden. Mägi Enderli war in dieser Zeit jeweils bemüht, dass sich die insgesamt 25 GBS-Sportlehrer nicht in die Quere kamen.

Wieder warmes Wasser

Für Enderlis Schüler hatte das Alternativprogramm durchwegs Positives. «Wir konnten neue Sportarten wie Squash kennenlernen», sagt eine Schülerin. Einen Nachteil hatte der Sportunterricht aber: «Bei der Olma-Halle mussten wir uns in Containern umziehen.» Und dort sei manchmal das warme Wasser ausgegangen. Einige hätten gar nicht mehr geduscht. Das habe sich jetzt zum Glück geändert.

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