Die Altstadt vernetzen

GOSSAU. Im Gossauer Zentrum gibt es Fachgeschäfte, ältere Giebelhäuser, eine Kirche und reichlich Verkehr. Die Stadt will dieses Gebiet von externen Experten analysieren lassen. Das soll neue Perspektiven eröffnen.

Rafael Rohner
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Fachgeschäfte im Gossauer Zentrum sollen erhalten bleiben. Die Stadt will deshalb Akteure in diesem Gebiet besser miteinander vernetzen. (Bild: Michel Canonica)

Fachgeschäfte im Gossauer Zentrum sollen erhalten bleiben. Die Stadt will deshalb Akteure in diesem Gebiet besser miteinander vernetzen. (Bild: Michel Canonica)

Als richtig städtisch kann man Gossau nicht unbedingt bezeichnen. Das Zentrum entlang der St. Gallerstrasse ist nach wie vor dörflich geprägt. Das stetige Bevölkerungswachstum und neue grössere Bauten wie zum Beispiel das «Perron 3» beim Bahnhof oder die Stadtbibliothek im Happy-Areal lassen Gossau aber zunehmend städtisch erscheinen. Das wirkt sich auch auf die Altstadt aus. Gossaus Stadtentwickler Martin Schmid definiert diese entlang der St. Galler- und Herisauerstrasse bis hin zu Bahnhofstrasse und Rathaus.

Um Entwicklungen in dieser Gegend frühzeitig zu erkennen und allenfalls Massnahmen zu ergreifen, will Gossau eine Stadtanalyse durchführen. Als erster Schritt sollen dabei externe Experten des «Netzwerks Altstadt» Gossaus Kern unter die Lupe nehmen (Kasten). Kostenpunkt: rund 7000 Franken. Noch im Frühling sind gemäss Schmid erste Ergebnisse zu erwarten. Etwas teurer wird dann das Ausarbeiten einer Nutzungsstrategie. Die Entwicklung dieser dauert etwa sechs Monate und kostet ungefähr 40 000 Franken. In den Prozess mit einbezogen werden Ladenbesitzer, Eigentümer und Vereine.

Ist eine Neuausrichtung nötig?

Urbanisierung wertet die Stadt Gossau grundsätzlich als positiv. Die Stadt will Stadt sein. Die Entwicklung birgt aber auch Risiken. Es könnten beispielsweise kleinere Läden aus dem Zentrum verdrängt werden. Gemäss Broschüre des «Netzwerks Altstadt» ist dies in einigen städtischen Zentren zu beobachten. In Gossau gibt es entlang der St. Gallerstrasse bisher nach wie vor viele Fachgeschäfte und Restaurants. Das Gebiet ist belebt. Nicht zuletzt auch Dank des Verkehrs. Im Moment sind grössere Veränderungen nicht absehbar. Die Stadt will dennoch die Fäden in die Hand nehmen und unter anderem folgende Fragen klären: Wie lange können sich die Fachgeschäfte in der Altstadt noch halten? Ist eine Neuausrichtung angezeigt? Und wie sehen die Möglichkeiten im Bereich Wohnen aus? Es soll zudem aufgezeigt werden, wie Ladenbesitzer zur Attraktivität des Gebiets beitragen können oder wo die Stadt baulich etwas verbessern kann. Wichtig ist dabei gemäss Schmid vor allem eines: Partizipation. Betroffene sollen ins Boot geholt werden. «Das Projekt wird nicht vom Schreibtisch aus gemacht.»

Das Projekt ist ein Brennpunkt

Abgeschlossen wird der Prozess mit einem Workshop und einer öffentlichen Präsentation. Damit soll eine breite Diskussion eingeleitet werden. Das Thema Altstadt ist nämlich von Bedeutung. Der Stadtentwickler hat die Nutzungsstrategie jedenfalls als einen von sechs Brennpunkten der Siedlungsentwicklung definiert. Weitere Brennpunkte sind unter anderem die Erweiterung des Stadtbus-Netzes oder das Gebiet Sommerau. Das Projekt Altstadt steht gemäss Schmid allerdings erst in den Anfängen.

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