Dicke Luft über St. Gallen

Seit Jahren misst der Verbund «Ostluft» an ausgewählten Standorten die Luftqualität. Im letzten Jahr sind die Schadstoffwerte in St. Gallen wieder angestiegen. Sie können mit jenen aus dem windreichen Jahr 2014 nicht mithalten.

Elisabeth Reisp
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An der Blumenberg-Kreuzung ist die Luft am schlechtesten. (Bild: Hanspeter Schiess)

An der Blumenberg-Kreuzung ist die Luft am schlechtesten. (Bild: Hanspeter Schiess)

Seit den 1980er-Jahren schreibt der Bund vor, dass die Luft rein zu halten sei. Verschiedene Massnahmen, etwa Emissionsvorschriften und Lenkungsabgaben, haben die Schadstoffwerte in der Luft reduziert. Messungen an verschiedenen Standorten beweisen, auch die Luft in St. Gallen ist über die Jahre besser geworden. Die letzten Auswertungen des Verbundes «Ostluft» haben jedoch ergeben, dass sich die Schadstoffwerte in der Luft im vergangenen Jahr wieder etwas verschlechtert haben. Unrühmliche Spitzenreiterin der belasteten Standorte ist immer noch die Kreuzung Blumenbergplatz.

Wind reinigt die Luft

Mit 49 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter ist der Schadstoffwert an der Blumenbergkreuzung weit über dem Grenzwert von 30 Mikrogramm. Und um drei Mikrogramm höher als im letzten Jahr, als das beste Ergebnis der letzten zehn Jahre gemessen wurde.

Täglich queren Tausende von Autos die Kreuzung, in den meisten Fällen stehen die Fahrzeuge zuerst zwei Minuten an der Ampel. Stop-and-go-Verkehr belastet die Umwelt stärker als rollender Verkehr. Nicht zuletzt die mit Diesel betriebenen Stadtbusse – drei Linien führen über die Kreuzung – hinterlassen Spuren in der Luft. Dass die Werte an jener Kreuzung derart hoch sind, ist daher wenig überraschend. Auffällig ist aber die deutliche Steigerung gegenüber den Werten im Vorjahr. «Das Wetter war zu schön», begründet Dominik Noger, Sektionsleiter Luftqualität des Kantons, die Zunahme. 2015 waren die Temperaturen überdurchschnittlich hoch. «2014 hingegen hatten wir auffällig häufig Westwinde, welche die Luft zirkulieren liessen und die Schadstoffwerte verbesserten.»

Hohe Stickstoffdioxid-Werte wurden auch an den Standorten Splügenstrasse und an der Zürcherstrasse 27 gemessen.

Dieselruss ist krebserregend

Grundsätzlich hätte die Stickstoffoxide-Belastung in den letzten 30 Jahren stark gesenkt werden können, sagt Noger. Auch, weil die Motoren der Autos immer besser werden. In den letzten zehn bis 15 Jahren sind die Werte in etwa konstant geblieben. Denn die Entwicklung umweltfreundlicherer Motoren schreite nicht so schnell voran wie erhofft. «Der VW-Skandal ist ein gutes Beispiel dafür», sagt Noger. Auch gebe es immer mehr Autos.

Erfreulicher sind gemäss Noger die stetig sinkenden Russ-Werte in der Luft. «Man sieht den Werten an, dass immer mehr Partikelfilter an Maschinen und Fahrzeugen angebracht sind.» Euphorisch möchte Noger deswegen nicht werden: «Die Werte sind nach wie vor zu hoch. Man darf nicht vergessen, dass Dieselruss krebserregend ist.»

Oben ist die Luft besser

Die Luft in St. Gallen ist aber nicht grundsätzlich schlecht. An vielen Standorten liegt die Stickstoffdioxid-Belastung unter dem von der Luftreinhalte-Verordnung festgelegten Grenzwert. Selbst der Jahresmittelwert an der viel befahrenen St. Georgen-Strasse überschreitet den Grenzwert nicht. Dies liegt vor allem an der Lage: Höher gelegene Standorte weisen eine deutlich tiefere Stickstoffdioxid-Belastung aus. Sie sind einerseits weiter von den Hauptverkehrsachsen entfernt. Andererseits ist die Luftzirkulation in höheren Lagen besser.