Dicke Luft im Parlament

… stellt sich nach zwei Stunden Sitzung des St. Galler Kantonsparlaments – keine Regel ohne Ausnahme – der immer gleiche Zustand ein: Die Debatte plätschert vor sich hin, die Voten wirken uninspiriert, redundant und monoton.

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… stellt sich nach zwei Stunden Sitzung des St. Galler Kantonsparlaments – keine Regel ohne Ausnahme – der immer gleiche Zustand ein: Die Debatte plätschert vor sich hin, die Voten wirken uninspiriert, redundant und monoton. Rednerinnen und Redner stocken und stolpern und klammern sich an ihre Notizen oder ans Mikrophon und lassen sich nach dem Schlusspunkt erschöpft in den Stuhl fallen.

Nur ab und zu vermag ein Votant das Parlament aus seiner Lethargie wecken. Dann heben sich die gesenkten Köpfe für

einen kurzen Moment – um gleich wieder schläfrig nach vorne zu kippen.

Wer bis anhin glaubte, unsere Parlamentarier seien ihr Sitzungsgeld nicht wert, wird nun eines Besseren belehrt: Die Politikerinnen und Politiker können nichts für ihren lethargischen Zustand – es ist die Luft im Saal. Und die ist miserabel.

Das haben Messungen ergeben – von BDP und Grünliberalen. Demnach liegt bereits nach 30 Minuten Parlamentsbetrieb der CO2-Gehalt im Saal über dem Grenzwert für geschlossene Räume. Und das habe Auswirkungen, haben sich BDP und Grünliberale kundig gemacht: Antriebslosigkeit, Schläfrigkeit, Unkonzentriertheit seien die Folge.

Derart dicke Luft sei dicke Post, finden die Besorgten und fordern rasche Massnahmen. Das Parlament habe ein «Anrecht auf gute Atemluft». Als Sofortmassnahme schlägt die Fraktion kurze Sitzungs- und Lüftungspausen vor.

Wir stimmen zu – und hängen den Weibeln gleich noch einen Bauchladen mit Glace und Popcorn um und freuen uns auf luftige Ideen, entstaubte Gedanken, ungestüme Debatten. Und auf zappelige Parlamentarier, die mit wehenden grün-weissen Krawatten durch die Sitzreihen tanzen, bis der Präsident mit der Glocke mahnt: «Fenster zu! Genug frische Luft im Saal! Jetzt können wir wieder Probleme aufblasen.» (rw)