Dialoge auf Augenhöhe führen

Im Oktober 2012 wurde Samuel Hertner als Pfarrer der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Rheineck eingesetzt. Nun hat er per 31. Juli gekündigt. Er spricht über seine Zeit im Rheintal, über seine Erfahrungen und Begegnungen.

Bea Sutter
Drucken
Teilen
Samuel Hertner Evangelischer Pfarrer, Rheineck (Bild: Bea Sutter)

Samuel Hertner Evangelischer Pfarrer, Rheineck (Bild: Bea Sutter)

Herr Hertner, weshalb verlassen Sie Rheineck?

Samuel Hertner: Es gibt Situationen, in denen man entscheiden muss, die Chance zu packen.

Und diese haben Sie bekommen?

Hertner: Ja, so ist es. In Steinmaur-Neerach im Zürcher Unterland war genau die Stelle zu besetzen, die auf meine Schwerpunkte zugeschnitten ist.

Welches sind Ihre Schwerpunkte?

Hertner: Ich arbeite sehr gerne mit jungen Erwachsenen. Meine neue Anstellung umfasst die Gebiete Konfirmanden-Unterricht, religiöse Bildung mit jungen Erwachsenen und die Gestaltung moderner Gottesdienste. Dass ich in einem grösseren Team mitarbeiten kann, entspricht im Weiteren meinen Wünschen.

Im Interview, das Sie vor Ihrem Amtsantritt gegeben haben, beantworteten Sie die Frage, warum Sie sich als Baselbieter für das Rheintal entschieden hatten, mit «Das Gesamtpaket stimmt». Was sagen Sie jetzt dazu?

Hertner: Das Gesamtpaket hat damals gestimmt. Das möchte ich betonen. Aber es hat sich einiges verändert, und ich möchte mich bezüglich Job-Profil in eine andere Richtung weiterentwickeln. In Rheineck durfte ich die ganze Vielfalt der Kirchgemeinde erleben. Das war lehrreich und interessant.

Die Leute werden bestimmt zu diesem oder jenem Projekt später noch sagen: «Das hat Pfarrer Hertner eingeführt.» Was könnte das sein?

Hertner: (schmunzelt) Sie könnten vielleicht sagen: Das war der erste evangelische Rheinecker Pfarrer, der nicht von der Kanzel predigte.

Sondern?

Hertner: Ich fühle mich wohler am Boden, um näher bei der Gemeinde zu sein. Ich sehe mich als Pfarrer, der für die Menschen da ist. Dazu gehören auch Offenheit für Anregungen und Kritik. Hinzu kommt, dass ich die Gottesdienste nicht im Talar, sondern im Anzug feiere. Am Anfang empfanden das einige Gemeindemitglieder als ungewohnt, aber sie akzeptierten es bald. Wichtig ist nicht, was der Pfarrer trägt oder von wo aus er predigt, sondern was er den Menschen sagen will, was er den Gottesdienstbesuchern mitgeben kann.

Die Jugendarbeit ist Ihr bevorzugtes Gebiet in Ihrer Seelsorge-Tätigkeit.

Hertner: Jugendarbeit ist meine Leidenschaft. Ich denke, das hat mit meinem Alter zu tun. Mit 31 Jahren bin ich noch relativ nahe an den Themen dran, die die Jungen beschäftigen. Ich schätze den Wissensdurst, die Offenheit und auch die Diskussionsfreude junger Menschen. Schwierige Fragen sind stets eine lehrreiche Herausforderung. Das ist immer spannend.

Aktuelle Nachrichten