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DIALOG: Und plötzlich hat der ständige Markt im St.Galler Stadtzentrum wieder eine Zukunft

Der ständige Markt im St.Galler Stadtzentrum soll nicht sang- und klanglos sterben. Stadt und «Märktler» haben darüber Gespräche geführt. Dabei ging es nicht nur darum, was bei der Neugestaltung des Marktplatzes passiert, sondern auch um raschere Massnahmen zur besseren Positionierung des Marktes.
Reto Voneschen
Der Stand von Peter Wetli und Rita Zenglein auf dem ständigen St.Galler Markt. Er war einst als Protoyp für einen modernen Marktstand namens "Klip-Klap" gebaut worden, der die grünen Hüttchen aus den 1950er-Jahren hätte ablösen sollen. Daraus wurde nichts, der Stand ist bis heute ein Einzelstück. (Bild: Urs Bucher)

Der Stand von Peter Wetli und Rita Zenglein auf dem ständigen St.Galler Markt. Er war einst als Protoyp für einen modernen Marktstand namens "Klip-Klap" gebaut worden, der die grünen Hüttchen aus den 1950er-Jahren hätte ablösen sollen. Daraus wurde nichts, der Stand ist bis heute ein Einzelstück. (Bild: Urs Bucher)

Nachdem zusammen mit verschiedensten Interessengruppen zentrale Eckpunkte einer Neugestaltung von Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt definiert wurden, wird bei der Direktion Planung und Bau derzeit der Ideenwettbewerb fürs neue Projekt vorbereitet. Eine Unsicherheit war bisher, was in Zusammenhang mit dem dritten Gestaltungsanlauf mit dem ständigen Markt geschehen soll.

Erstes Projekt noch mit neuer Markthalle

Im ersten, 2011 vom Volk verworfenen Umgestaltungsprojekt war dafür eine neue Markthalle vorgesehen. Was einzelne Kritiker auf den Plan rief, die lautstark den Sinn einer Vorlage bezweifelten, die den Bohl freiräumen wollte, nur um auf dem zuvor freien Marktplatz zu bauen. Der zweite Anlauf für die Neugestaltung klammerte die Marktfrage dann ausdrücklich aus; diese sollte nach dem Volksentscheid angegangen werden.

Genützt hat das nichts, im Gegenteil: Viele sagten 2015 Nein zu dieser Vorlage, gerade weil diese keine Antwort auf die Zukunft des ständigen Marktes gab. Viele wollten keinen Marktplatz ohne Markt. Und dieser Begriff wurde zu einem der schlagkräftigsten Slogans des Nein-Komitees. In der Situation brach dem zweiten Umgestaltungsanlauf die Enthüllung das Genick, dass die Stadt entgegen anderslautenden Aussagen bei der Erarbeitung der Vorlage gar nicht mehr mit den Marktfahrern geredet hatte.

Stadt und Marktfahrer haben Gespräch gefunden

Das läuft jetzt beim dritten Anlauf zur Umgestaltung von Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt offensichtlich und zum Glück fürs Projekt ganz anders. Die Stadt geht die Frage der Zukunft des ständigen Marktes aktiv an. Kürzlich trafen sich rund 20 Marktfahrerinnen und Marktfahrer mit den Verantwortlichen der Stadt am runden Tisch. Das Gespräch sei konstruktiv, die Stimmung dabei gut gewesen, heisst es übereinstimmend von beiden Seiten.

Stadträtin Maria Pappa, Vorsteher der Direktion Planung und Bau der Stadt St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)

Stadträtin Maria Pappa, Vorsteher der Direktion Planung und Bau der Stadt St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)

Marktsprecher Peter Wetli, lobt die Gesprächsführung durch Baudirektorin Maria Pappa. Auf Seiten der «Märktler» habe man – nach viel Frustration in der Vergangenheit – das Gefühl gehabt, man werde ernst genommen. Die Vertreter der Stadt hätten zugehört. Und sie hätten sich für die Bedürfnisse des Marktes inter­essiert. Wenn es weitergehe, wie es angefangen habe, stünden die Chancen gut, den ständigen Markt in die Zukunft zu retten.

Das eine überraschend grosse Zahl Marktfahrerinnen und Marktfahrer zum Gespräch erschienen ist, hängt direkt mit diesem Stimmungsumschwung zusammen, ist Peter Wetli überzeugt. Man sehe die Bemühungen der Verantwortlichen, dem – früher manchmal bereits totgesagten – ständigen Markt eine Überlebenschance zu geben. Und wenn der Markt wieder eine Zukunft habe, werde es bei den Anbieterinnen und Anbietern auch Nachwuchs geben. Der ständige Markt bleibe ein interessantes Gefäss für viele Produkte, und er biete ein spannendes Umfeld für eine berufliche Tätigkeit.

Klare Vorstellung, wie sich der Markt entwickeln muss

Peter Wetli weiss aus persönlicher Anschauung, wovon er redet. Er, der seine Sporen im «konventionellen» Detailhandel abverdient hat, betreibt heute den Klipklap-Stand zuoberst auf dem ständigen Markt. Er hat für diesen kürzlich die Verantwortung von Schwiegermutter und Markt-Ikone Rita Zenglein übernommen, die weiterhin regelmässig hinter der gewohnt umfangreichen Gemüse- und Früchteauslage anzutreffen ist.

Peter Wetli, Marktfahrer und Sprecher des ständigen Marktes im St.Galler Stadtzentrum. (Bild: Urs Bucher)

Peter Wetli, Marktfahrer und Sprecher des ständigen Marktes im St.Galler Stadtzentrum. (Bild: Urs Bucher)

Peter Wetli hat auch klare Vorstellungen, wohin sich der ständige Markt entwickeln soll. Um Zukunft zu haben und gleichzeitig ein Magnet zu sein, der Publikum ins Stadtzentrum ziehe, von dem auch das übrige Gewerbe profitiere, müsse er eine breite Palette von Produkten des täglichen Bedarfs anbieten. Dazu gehören für Peter Wetli Gemüse, Früchte, Brot, Fleischwaren und Blumen. Er würde es auch gut finden, wenn auf dem ständigen Markt Spezialitäten wie Biowein oder Bio-Öl angeboten würden.

Der ständige Markt müsse sich künftig – wie die übrigen Geschäfte – als Teil des «Freiluft-Einkaufszentrums Innenstadt» verstehen. Man müsse stärker miteinander kooperieren. Das gelte beispielsweise auch für die verschiedenen Märkte, die füreinander durchaus Synergien erzeugen könnten.

Keine Chance allein mit «Nostalgie» und Masse

Der ständige Markt müsse sich «zeitgemäss und urban» präsentieren, um anspruchsvolle städtische Konsumentinnen und Konsumenten anzusprechen. Und er müsse gute Qualität anbieten, die ihren Preis haben dürfe, ist Peter Wetli überzeugt. Mit Nostalgie allein oder mit «Massenware», wie man sie im Supermarkt kaufe, komme man heute nicht mehr weit. Ein moderner Markt müsse seiner Kundschaft ein Einkaufserlebnis bieten. Er müsse Leute ansprechen, die Freude daran hätten, neue Produkte zu entdecken und auszuprobieren.

Wie es mit dem ständigen Markt bei der Neugestaltung von Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt weitergehen soll, ist offen. Ideen für seine Gestaltung müsse der Ideenwettbewerb bringen, den die Stadt für ein neues Projekt ausschreiben wolle, betont Peter Wetli. Im Gespräch hätten die Marktfahrer zum Ausdruck gebracht, dass es für sie nicht unbedingt eine teure bauliche Ikone brauche. Der Entscheid, wie der Markt am Schluss baulich aussehen werde, liege letztlich aber natürlich bei der Stadt.

Sofortmassnahmen zur Stärkung des Marktes

Die Kontakte von Marktfahrern und Verwaltung sollen weitergeführt werden: Dabei wird es in nächster Zeit auch darum gehen, wie man den ständigen Markt rasch reaktivieren, sein Potenzial für die Belebung der Innenstadt einsetzen kann. Damit wollen Marktfahrer und Stadt gemäss Peter Wetli nicht zuwarten, bis für die Neugestaltung des Platzes zwischen «Union» und Waaghaus eine Lösung gefunden ist.

Bei der Stadt wird dieser Umstand bestätigt. Man überlege sich derzeit Massnahmen für eine Stärkung des Marktes, die zwischen heute und der Umgestaltung des Marktplatzes realisiert werden könnten. Ideen dafür gebe es bereits. Spruchreif würden diese allerdings erst in den nächsten Monaten.

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