Dialog auf gleicher Augenhöhe

Arne Engeli organisiert die dritte Islam-Tagung in Rorschach. Als Referent tritt unter anderem alt Bundesgerichtspräsident Giusep Nay auf. In Gesprächen und Workshops diskutieren die Teilnehmer über Menschenrechte und direkte Demokratie.

Lea Müller
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Historiker und Politologe Arne Engeli lädt am 27. Februar zur dritten Islam-Tagung in Rorschach. (Bild: Lea Müller)

Historiker und Politologe Arne Engeli lädt am 27. Februar zur dritten Islam-Tagung in Rorschach. (Bild: Lea Müller)

Rorschach. Arne Engeli war erst beunruhigt, dann entsetzt und schliesslich empört: als das Schweizer Stimmvolk sowohl die Minarett- als auch die Ausschaffungs-Initiative angenommen hatte. «Ich mache mir Sorgen um den sozialen Frieden in unserem Land», sagt der Historiker und Politologe. «Wir dürfen dem Islam nicht so respektlos begegnen.»

Nationale Bedeutung

Gerade in Städten wie Rorschach mit einem hohen Ausländeranteil seien jetzt Gespräche zwischen Moslems und Christen gefragt. Gespräche, in denen auch unterschiedliche Auffassungen diskutiert und Vorurteile abgebaut würden. Deshalb setzt sich Arne Engeli mit verschiedenen Projekten für den interreligiösen Dialog ein. Einerseits wirkt er in einer lokalen Initiativgruppe (siehe Kasten) mit, andererseits organisiert er in Rorschach schon zum dritten Mal eine Islam-Tagung von nationaler Bedeutung.

Die öffentliche Tagung mit der Fragestellung «Wie können Menschenrechte in einer Demokratie Minderheiten schützen?» findet am 27. Februar in der Pädagogischen Hochschule Mariaberg in Rorschach statt. Die Tagung greift jene Fragen auf, die sich nach der Annahme der Anti-Minarett- Initiative stellen: Welche Lösung gibt es für Initiativen, die gegen Verfassung, Völker- und Menschenrecht verstossen?

Referat von Giusep Nay

Dazu referiert alt Bundesgerichtspräsident Giusep Nay. Er sieht in der Annahme der Initiative einen grundlegenden Verstoss gegen die Religionsfreiheit und gegen die Menschenrechtskonvention. «Das Volk hat auch in der Demokratie nicht immer recht», sagt er und verweist damit auf die Schranken, die das Recht dem staatlichen Handeln setzen kann. Der alt Bundesgerichtspräsident schlägt an der Islam-Tagung ein 3-Stufen-Modell vor, wie der Staat ähnliche Initiativen künftig handhaben könnte. Danach spricht Andreas Gross, Nationalrat und Präsident der Sozialdemokratischen Fraktion im Europarat, über die direkte Demokratie und die Europäische Menschenrechtskonvention. In der Schweiz herrsche ein Ungleichgewicht, das wieder ins Lot gebracht werden müsse. Die Islamwissenschafterin Rifa'at Lenzin aus Zürich referiert über die Menschenrechte aus Sicht des Islams.

Der zweite Schwerpunkt der Tagung widmet sich unter der Leitung der Islamwissenschafterin Amira Hafner-Al Jabaji aus Grenchen dem Islam-Diskurs. Arne Engeli beobachtet, dass der Islam zunehmend zu einer Zielscheibe für Projektionen wird. «Daraus können Feindbilder wachsen, über die wir diskutieren müssen», sagt er. Deshalb sei ihm wichtig, dass an der Tagung etwa gleich viele Moslems und Christen teilnähmen und sich dabei auf gleicher Augenhöhe begegneten.

Mit Konflikten umgehen

Dritter Schwerpunkt der Tagung ist das Zusammenleben von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen. In verschiedenen Workshops gehen die Teilnehmenden von 14.30 bis 16 Uhr der Frage nach, was hinter Konflikten steckt und wie die Gesellschaft konstruktiv damit umgehen kann. Arne Engeli ist sich sicher, dass Moslems, Juden und Christen friedlich zusammenleben können: «Ein Beispiel ist für mich die Stadt Sarajevo, wo eine Moschee, eine römisch-katholische Kirche, eine Synagoge und eine orthodoxe Kirche während 500 Jahren in guter Nachbarschaft existieren konnten.»

Fünf verschiedene Veranstalter

Arne Engeli leitete zwanzig Jahre lang das Tagungszentrum Wartensee in Rorschacherberg und arbeitete danach für das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz (Heks). Als Initiant der Islam-Tagungen in Rorschach wird er von einer Vorbereitungsgruppe und folgenden Veranstaltern unterstützt: Amnesty International, Dachverband islamischer Gemeinden der Ostschweiz und des Fürstentums Liechtenstein, Forum Spiritualität und Solidarität Ostschweiz und Schweizerischer Friedensrat.

Islam-Tagung «Wie können Menschenrechte in einer Demokratie Minderheiten schützen?», Sonntag, 27. Februar, 10 bis 17 Uhr, Pädagogische Hochschule Rorschach. Anmeldung und Informationen: www.sosos.org.

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