Deutsche Sprache, leichte Sprache

ANDWIL. Die Andwilerin Andrea Sterchi übersetzt komplexe Texte in eine Sprache, die auch Menschen mit Beeinträchtigung zugänglich sein soll. Die Leichte Sprache ist eine Praxis, die in der Schweiz immer mehr Anwendung findet.

Tim Wirth
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Andrea Sterchi aus Andwil reduziert Texte auf die wichtigsten Informationen. (Bild: Benjamin Manser)

Andrea Sterchi aus Andwil reduziert Texte auf die wichtigsten Informationen. (Bild: Benjamin Manser)

Kurze Sätze ohne Fremdwörter, wichtige Wörter typographisch abgehoben und dazu Bilder, die das Verstehen erleichtern: So gestaltet sich das Flugblatt, das Andrea Sterchi für die Veranstaltungsreihe Kulturzyklus der Fachhochschule St. Gallen übersetzt hat. Die Version soll dazu beitragen, dass auch Menschen mit einer Beeinträchtigung Zugang zu den für sie wichtigen Informationen erhalten. Die 44-Jährige betreibt seit Oktober ein Sprachbüro, in dem sie neben Lektorat und englisch-deutschen Übersetzungen auch Texte in Leichte Sprache übersetzt. «Ich finde es spannend, mit dem Instrument Sprache zu spielen», sagt die Mutter zweier Kinder.

Eine von wenigen

Andrea Sterchi hat nach ihrem Studium in Linguistik, Medienwissenschaften und Geschichte 13 Jahre im Journalismus gearbeitet. Nach einer berufsbegleitenden Ausbildung zur Übersetzerin hat sie sich nun selbständig gemacht. Das Wissen über Leichte Sprache hat sie an einem Fachseminar der Fachhochschule Nordwestschweiz erworben. «Dieses richtet sich vor allem an diejenigen, die direkt mit Menschen mit Beeinträchtigung arbeiten», sagt sie. Auf Leichte Sprache ist Andrea Sterchi durch Neugierde gekommen. Während ihrer journalistischen Arbeit kam sie in Kontakt mit Behinderteninstitutionen und so auch mit der Thematik der Leichten Sprache. Die Texte, die sie übersetzt, werden von Menschen mit Beeinträchtigung auf Verständlichkeit geprüft.

In der Schweiz gibt es immer mehr Projekte, die sich Leichter Sprache widmen. Fachhochschulen beschäftigen sich mit der barrierenfreien Kommunikation und bauen ein Kompetenzzentrum auf. In Zürich hat Pro Infirmis seit Anfang Jahr ein Büro für Leichte Sprache, in Bern bietet das Kindermuseum Creavia Ausstellungstexte in Leichter Sprache an, und in der Stadtbibliothek Rorschach können Bücher in Leichter Sprache ausgeliehen werden. Der Kanton St. Gallen hat als erste Verwaltungsstelle der Schweiz den kantonalen Bericht zum Gesetz für Menschen mit Behinderung in Leichte Sprache übersetzt. Ein weiterführendes Konzept gibt es aber noch nicht. «In diesem noch jungen Gebiet zu arbeiten ist sehr interessant, weil derzeit so viel passiert», sagt Sterchi. Während viele Gebäude und der öffentliche Verkehr in den vergangenen Jahren zunehmend barrierefrei wurden, hinkt die Zugänglichkeit zu Informationen in der Schweiz hinterher.

Nicht alles übersetzen

Oftmals wird kritisiert, dass durch die Übersetzung in Leichte Sprache Inhalt verloren geht und die Sprache an Schönheit verliert. Oder an Witz und Ironie, die in Leichter Sprache nicht verwendet werden sollen. «Es muss klar begründet werden können, was bei einer Übersetzung weggelassen wird», sagt Andrea Sterchi. Ein informierender Text müsse nicht ironisch oder witzig sein, sondern korrekt informieren. Sie sieht in der Leichten Sprache grosses Potenzial. «Wir müssen aber nicht alles übersetzen, sondern nur da, wo es wirklich sinnvoll ist», sagt Sterchi.

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