DETAILHANDEL: Tintenkiller und Teegebäck

Die Papeterie Schiff hat sich als Concept-Store mit Foodbereich neu erfunden. Damit folgt sie einem Trend, den Experten als zukunftsträchtig bezeichnen. Wirte reagieren verhalten, die Kunden aber freut es.

Elisabeth Reisp
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Regula Weigelt (Mitte) mit Tochter Amanda (links) und Mitarbeiterin Kim Lara Preisig am neuen Familientisch. (Bild: Urs Bucher)

Regula Weigelt (Mitte) mit Tochter Amanda (links) und Mitarbeiterin Kim Lara Preisig am neuen Familientisch. (Bild: Urs Bucher)

Elisabeth Reisp

elisabeth.reisp

@tagblatt.ch

Im Sommer sind es drei Jahre, seit die Papeterie Schiff eine Bistroecke errichtet hat. Nun ist die Papeterie noch einen Schritt weiter gegangen und erfindet sich neu als sogenannter Concept-Store. Ein Geschäft also, das eine ungewöhnliche Kombination von Sortimenten aufweist. In diesem Fall: Kugelschreiber und Cupcakes, vereinfacht ausgedrückt.

Für Inhaberin Regula Weigelt ein logischer Schritt in eine rentable Zukunft. «Als Folge der Digitalisierung werden Büroartikel immer weniger gebraucht. Spezialbedarf wird im Internet gefunden, und Schere und Klebstreifen können auch in Coop oder Migros gekauft werden», sagt Weigelt. Auch werde kaum mehr klassisch «gelädelet» wie vor zehn oder zwanzig Jahren. «Wir mussten uns vorwärts bewegen, denn Stillstand bedeutet das Ende.»

Neu ist die Papeterie Schiff grosszügiger gestaltet mit Geschenkartikeln und Papershop auf der einen Seite und der Kinderpapeterie auf der anderen. Ein grosser Tisch mit zwei Bänken bietet mittags mehr Platz für Hungrige, vor allem für Familien. Rund um den Tisch befindet sich denn auch passend der eigentliche Kinderbereich mit Piratenschiff und Dschungelbox mit animierten Plüschtieren. Eine Tafel signalisiert: Hier dürfen Kinderwagen geparkt werden. Das Feedback sei bis jetzt sehr positiv, sagt Weigelt. Und bestärke die Familie, die das Unternehmen als Familienbetrieb führt, auf ihrem Weg.

Weigelts haben auch ordentlich investiert. So haben sie im Erdgeschoss ihres Wohnhauses eine Gastroküche eingebaut, in der alles – vom Eistee bis zum Cupcake – selbst hergestellt wird. Ausnahme sind die Gipfeli und die Brote, die sie sich liefern lassen. Und der Erfolg gibt ihnen recht: «Mittlerweile macht der Foodbereich 20 bis 25 Prozent des gesamten Umsatzes aus», sagt Regula Weigelt.

Auch die Wirte bewegen sich zu neuen Ufern

Für die Wirte dieser Stadt sind Detaillisten, die sich je länger je mehr auch als Gastrobetrieb verstehen, eine Konkurrenz. Buchhandlungen richten eine Café-Ecke ein, Detaillisten eröffnen übers Weihnachtsgeschäft ein Pop-up-Café. «Wir sind natürlich nicht gerade hoch erfreut darüber», sagt René Rechsteiner, Präsident der Gastrovereinigung St. Gallen. Schliesslich bleibe trotz steigender Zahl Take-away- und Gastroangebote der Kuchen gleich gross. Die Notwendigkeit, sich neu zu erfinden, sei aber nicht von der Hand zu weisen. «Die Gesellschaft und ihre Bedürfnisse verändern sich. Also muss man sich ebenso verändern, um mithalten zu können.»

Er selbst versuche auch, über den Tellerrand zu schauen und sich den Bedürfnissen anzupassen. So ist sein Restaurant Bierfalken seit einigen Monaten auch ein Lernplatz für Studenten. Mangels Platz am Rosenberg haben Universität und die Gastrovereinigung diese Möglichkeit als Testlauf geschaffen. Studenten können im «Bierfalken» und im Restaurant National lernen ohne Konsumzwang. So oder so, findet Rechsteiner, dass der Markt ein offener Wettbewerb sei. Jeder müsse um den Erfolg kämpfen, und jeder solle kreativ sein. Generell müsse sich der Non-Food-Handel neu erfinden, sagt auch Thomas Rudolph, Professor für Marketing und Internationales Handelsmanagement an der Universität St. Gallen.

Ausserhaus-Verzehr nimmt weiter zu

Die Detaillisten müssen kompetent sein und die Bereitschaft zeigen, über den angestammten Kernbereich hinaus unternehmerisch zu sein. Da der Ausserhaus-Verzehr noch weiter zunehmen werde, setze man damit grundsätzlich aufs richtige Pferd, sagt Rudolph. Wenn man diesen Weg kompetent und mit einer attraktiven Auswahl beschreite, dann mache ein Ausbau im Foodbereich Sinn. Auch als Papeterie. «Am Ende des Tages entscheidet nur die Rendite über den Erfolg», sagt Rudolph.