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DETAILHANDEL: Migros ersetzt weitere Kassen im St.Galler Neumarkt durch Selbstbedienung

Die Migros Neumarkt hat im Bleicheli einen neuen Eingang geschaffen. Dafür mussten fast die Hälfte der bisher bedienten Kassen weichen – im Gegenzug wurde das Self-Scanning weiter aufgestockt.
Luca Ghiselli
Wo bis vor kurzem drei bediente Kassen standen, wurde in der Migros Neumarkt ein dritter Eingang geschaffen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Wo bis vor kurzem drei bediente Kassen standen, wurde in der Migros Neumarkt ein dritter Eingang geschaffen. (Bild: Hanspeter Schiess)

«In Neumarkt cha me vo zweine Siite ine.» Die berühmte erste Zeile aus Manuel Stahlbergers Hommage an die Migros Neumarkt stimmt seit kurzem nicht mehr. Es sind neu nämlich drei Eingänge. Bei den Kassen im Untergeschoss des Neumarkts 5 hat die Migros einen Eingang geschaffen – zusätzlich zu jenem etwas weiter nördlich bei der Gemüseabteilung. Dies, weil man bemerkt habe, dass dies einem grossen Bedürfnis der Kundschaft entsprochen habe, wie Andreas Bühler, Leiter Kommunikation der Migros Ostschweiz, auf Anfrage sagt. Doch ein neuer Eingang braucht Platz, und so mussten drei der bis anhin acht bedienten Kassen dem Zugang weichen. Gleichzeitig hat die Migros zwei zusätzliche Self-Scanning-Automaten aufgestellt.

Kein Totalverzicht auf bediente Kassen

Das bedeutet: Es gibt neu mehr automatische Kassenstationen als bediente. Zusätzlich zum Self-Scanning während des Einkaufs, das die Migros «Subito» nennt, sind beim Ausgang Bleicheli nämlich auch sechs sogenannte Self-Checkout-Stationen, an denen die Kunden die Ware am Schluss des Einkaufs einscannen, installiert. Auch beim Ausgang St.-Leonhard-Strasse sieht das Verhältnis von Selbstbedienungsstationen zu bedienten Kassen ähnlich aus.

Die sukzessive Erweiterung der Self-Scanning-Stationen sei indes keine Sparmassnahme, bekräftigt Bühler. «Es geht bei diesem Projekt in keiner Weise um einen Stellenabbau.» Die Mitarbeitenden seien das wichtigste Kapital einer Filiale, und dies werde auch in Zukunft so bleiben, sagt Bühler. Schliesslich sei auch der neue Prozess ohne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht denkbar. «In Filialen mit Self-Scanning gibt es speziell geschulte Personen, die Kunden bei jedem Schritt beraten und unterstützen können.» Diese Apparate würden nicht nur in grossen Filialen eingesetzt, sondern überall dort, wo sie einem Kundenbedürfnis entsprächen. Dazu gehöre auch die Migros im Spisermarkt, die in zehn Tagen eröffnet. Dort sind neben zwei bedienten Kassen auch drei Self-Checkout-Stationen vorgesehen. Dies, weil man damit rechne, dass dort zum Beispiel Schüler viele kleine Einkäufe tätigen werden. Den eigenen Einkauf gleich selbst scannen – ob im Laden oder am Ausgang – wird laut den Verantwortlichen der Migros immer beliebter. Das zeigen auch die Zahlen der Migros Neumarkt. «Die Stationen werden insbesondere über Mittag oder am Feierabend sehr stark genutzt», sagt Andreas Bühler. «Je nach Filialstandort nutzen heute 10 bis 30 Prozent unserer Kundinnen und Kunden dieses System.» Die Filiale im Neumarkt liege dabei nahe am Spitzenwert.

Diesem Trend zum Trotz will die Migros Ostschweiz aber auch in Zukunft nicht ganz auf bediente Kassen in ihren Filialen verzichten. «Wir gehen heute davon aus, dass bediente Kassen auch in den kommenden Jahren noch einem Kundenbedürfnis entsprechen werden», sagt Kommunikationschef Bühler.

Unia nicht glücklich - Pro Senectute differenziert

Die Digitalisierung der Arbeitswelt ist bei der Gewerkschaft Unia gegenwärtig ein «Riesenthema», wie Anke Gähme, Leiterin der Sektion Ostschweiz-Graubünden, auf Anfrage sagt. An den Kassen der Schweizer Grossverteiler arbeiten gemäss Gähme überwiegend Frauen mit einem kleinen Pensum zwischen 20 und 50 Prozent.

Mit der schrittweisen Einführung elektronischer Bezahlsysteme seien Arbeitsplätze an den Kassen weggefallen. In einer ersten Phase seien die Frauen, die zuvor an den Kassen gearbeitet hätten, als Coaches an den elektronischen Systemen eingesetzt worden. Diese Systeme würden von den Kundinnen und Kunden je länger, je besser angenommen und könnten von den Konsumenten mittlerweile selbstständig bedient werden, will Gähme beobachtet haben. Das habe zur Folge, das niederschwellige Arbeitsplätze bei den Grossverteilerin wegfielen, bedauert die Leiterin der Unia-Region Ostschweiz-Graubünden.

Anke Gähme fordert grosse Detailhändler wie Migros und Coop auf, für die Arbeitsplätze, die durch elektronische Bezahlsysteme «vernichtet» würden, Alternativen zu schaffen – solche, bei denen die ehemaligen Kassiererinnen in Teilzeit arbeiten und Familie und Erwerb vereinbaren könnten. Die Unia-Regionalleiterin meint damit nicht, dass die Frauen, die an den Kassen arbeiteten, in Zukunft Gestelle auffüllen oder Kisten stappeln sollten; vielmehr sollten sie im Dienst der Kunden eingesetzt werden. Denn der Kundenservice käme heute an vielen Orten zu kurz. Die Unia will sich gemäss Gähme mit allen Mitteln gegen «personalfreie Grossverteiler» wehren, einen Trend in diese Richtung gebe es seit geraumer Zeit.

Am 28. Oktober findet in Olten eine Unia-Konferenz statt, an der auch Vertrauensleute der Gewerkschaft aus sämtlichen Sektionen teilnehmen werden. Gemäss Anke Gähme wird das Kernthema dieser Konferenz die «Digitalisierung der Arbeitswelt und deren Folgen» sein. Die Unia will sich für die Kassiererinnen einsetzen.

«Wir bemerken den Trend, Kassen zu schliessen, bei verschiedensten Detailhändlern», sagte Judith Bucher, Medienverantwortliche Pro Senectute Schweiz. Die Grossverteiler trügen mit den Scan-Kassen oder dem kontaktlosen Bezahlen verschiedensten Bedürfnissen Rechnung. «Wir stellen fest, dass Senioren bezüglich dieser Technologie sehr individuell reagieren: Gewisse möchten schnell zahlen, andere sind überfordert», sagt Bucher. Die Detaillisten, so auch die Migros, seien sich durchaus bewusst, wie wichtig das Kundensegment «65plus» sei und richteten ihr Angebot darauf aus. Beispielsweise bei den Verpackungen, der Ladengestaltung und der Beratung.

Als Altersorganisation bemühe sich Pro Senectute, ältere Menschen für den digitalen Alltag «fit» zu machen. Dazu gehörten Kurse für die Online-Fahrplanabfrage, Schulungen für Touch-Screen-Billettautomaten oder online-Banking. Bucher: «Uns ist bewusst, dass es immer ältere Menschen geben wird, die den Sprung ins digitale Zeitalter nicht machen können oder wollen. Hier unterstützen wir mit unserem Administrativdienst: Freiwillige besuchen Senioren und erledigen mit ihnen zum Beispiel die Zahlungen.» (dwi)

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