DETAILHANDEL: Kassierin macht sich keine Sorgen wegen Self-Scanning

Selbstbedienungskassen stossen nicht nur auf Gegenliebe. Monika Forster kassiert seit 18 Jahren in der Migros. Die Goldacherin erzählt, warum sie privat keine Orangetöne trägt und warum sie glaubt, ihren Beruf werde es trotz Self-Scanning noch lange geben.

Jolanda Riedener
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Blickkontakt und ein "Danke" gehören für sie zur Bedienung dazu: Monika Forster arbeitet seit 18 Jahren in der Migros Goldach. (Bild: Jolanda Riedener)

Blickkontakt und ein "Danke" gehören für sie zur Bedienung dazu: Monika Forster arbeitet seit 18 Jahren in der Migros Goldach. (Bild: Jolanda Riedener)

Ihr sonniges Gemüt fällt auf: Monika Forster ist eine Kassierin, wie man sie sich wünscht. Nett, zuvorkommend, fröhlich. Seit 18 Jahren ist sie in der Migros Goldach tätig, sie wohnt ebenfalls in der Gemeinde am See. «Unsere Migros ist eigentlich wie ein Dorfladen», sagt Forster. Viele ihrer Kundinnen und Kunden kennt sie persönlich, oft kaufen sie seit vielen Jahren bei ihr ein. Das schätze sie.

Monika Forster ist Fachleiterin Kasse/Administration und kümmert sich um die Ausrüstung ihrer Kollegen oder sucht Ersatz, wenn jemand krank ist. Auch an der Kasse hätten die Mitarbeiterinnen immer etwas zu tun: Zum Beispiel Tragtaschen bereitstellen. Seit kurzem bietet die Goldacher Filiale «Subito» an – Kunden können ihre Waren selber scannen und bezahlen. Das Konzept ist in anderen Städten schon verbreitet und stösst nicht nur auf Gegenliebe. Braucht es die Kassiererin dann überhaupt noch? «Es wird immer jemanden brauchen, der die Bezahlung begleitet», ist sich Forster sicher. Ausserdem gebe es Kunden, die explizit ein Self-Checkout wünschen.
 

Blickkontakt ist ihr wichtig

Zahlreiche Kunden bedient Monika Forster während ihrer Schicht an der Kasse. Blickkontakt, eine fröhliche Begrüssung, ein ernst gemeintes «Danke» und zum Schluss einen schönen Tag wünschen – das alles ist für Monika Forster unabdingbar. «Ich bediene Kunden immer so, wie ich auch gerne bedient werden möchte», sagt sie.

Natürlich komme es hin und wieder vor, dass jemand seinen Frust am Kassenpersonal auslassen will. «Das geht beim einen Ohr rein und beim anderen wieder raus», sagt Monika Forster. Ihre Geheimwaffe ist sowieso ihr Lächeln: «Ein Lächeln und der Tag ist gerettet.» Etwas schade finde sie es, wenn Kunden sie überhaupt nicht beachteten und stattdessen telefonierten. «Vielleicht liegt es daran, dass ich aus einer anderen Generation bin.»

Oft würden ältere Kunden das Gespräch mit der Kassiererin suchen. Der Zeitraum sei meistens schon eng. «Für ein paar Worte reicht es aber immer», sagt Forster. Manchmal bewirke ein kleines «Wie geht es Ihnen?» viel. Ob jemand reden will oder nicht, das spüre sie nach langjähriger Erfahrung einfach, sagt die Mutter von zwei erwachsenen Kindern.

Seit dem 18. Oktober ist die Filiale in Goldach nach einem Umbau wieder offen. Vorher war der Supermarkt deswegen sechs Wochen zu. «Nach der Renovation bekamen wir besonders viele positive Rückmeldungen», sagt Forster. «Die Leute waren richtig froh, dass wir wieder öffneten und freuten sich über die offenere Gestaltung.» Noch wissen die Kunden nicht, wo sie alle Artikel finden. Es bedarf einer Gewöhnungsphase, auch beim Personal. Die Kassierinnen und Kassierer arbeiten in der Migros Goldach aber nicht pausenlos an der Kasse: «Wir helfen alle zwischendurch in anderen Abteilungen», sagt Forster. Das habe auch den Vorteil, dass man das Sortiment besser kennen lerne.

Ihre Berufskleidung findet Monika Forster gut: «Sie ist zweckmässig und ich muss am Morgen nicht überlegen, was ich jetzt anziehe.» Privat trage sie aber keine orange Kleidung. Auch sonst trenne sie Privates und Berufliches gerne. «In meiner Freizeit muss ich auch einmal abschalten können», sagt sie. Wenn sie nicht gerade im 80-Prozent-Pensum arbeitet, tritt sie mit ihrem Mann zusammen in die Pedale oder verbringt Zeit mit ihrem Enkel: «So kann ich Energie tanken.»

Zur Arbeit kommt Monika Forster ebenfalls meistens mit dem Velo. Das lange Sitzen bereitet der 58-Jährigen keine Mühe: «Rückenprobleme? Das kenne ich nicht!» Sie stehe sowieso gelegentlich auf, helfe in der Blumenabteilung aus oder ist einem Rollstuhlfahrer behilflich. Ihr Beruf gefällt Monika Forster vor allem, weil sie mit Leuten in Kontakt steht. «Ich kenne durch meine Tätigkeit viele Personen. Das gefällt mir», sagt sie. Auch schon haben sie und ihre Kolleginnen Schokolade oder Blumen bekommen – als Dankeschön oder Wertschätzung der Kunden. Eine Geste, über die sie sich gefreut habe.