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Der Zeichner des alten St.Gallen

Zwischen 1830 und 1868 hat Johann Jacob Rietmann über 200 Ansichten der Stadt angefertigt. Er dokumentierte in einer Zeit des Umbruchs das alte St.Gallen.
Ernst Ziegler

Eine ganz besondere Kostbarkeit erhielt das Stadtarchiv 2001 von Arnold Bächler in St.Gallen: ein Skizzenbuch von Johann Jacob Rietmann. Dieser höchst begabte Zeichner arbeitete um 1865, unmittelbar vor dem Aufkommen der Fotografie, in St.Gallen. Mit dokumentarischer Genauigkeit hielt er den baulichen Zustand der Stadt und ihrer näheren und weiteren Umgebung fest. Das Bändchen «Beschreibung der Stadt St.Gallen» von Georg Leonhard Hartmann (1824/28), welches das Stadtarchiv 1972 herausgab, ist ein Beleg seines Schaffens.

Der «Studiosus» wird Lehrer
Johann Jacob Rietmann wurde am 16. März 1808 als zweites Kind des Müllers Johann Jacob Rietmann und der Magdalena Glinz in St.Gallen geboren. Nach dem Besuch der Volksschule und des Gymnasiums wurde er im April 1825 von «Praeceptor» Niklaus Senn für den Unterricht in der Formenlehre an der Primarschule als Aushilfslehrer vorgeschlagen. Senn gab zu Protokoll, er habe für diese Aufgabe einen seiner Schüler, einen sehr soliden und «wahren Knaben», vorgesehen, der die höhere Lehranstalt besuchen und sich zum Lehrer bilden wolle. Vom Herbst des gleichen Jahres liegt ein Gutachten über Rietmanns Anstellung als Lehrer für Zeichnen und Formenlehre in den Primarschulen vor: «Früher genehmigtem Antrag gemäss, hat der junge Studiosus Johann Jacob von Jacob Rietmann sich unter Anleitung von Herrn Senn in diesen Fächern zu bilden versucht und in der Formenlehre würklich zwei Stunden wöchentlich Unterricht gegeben (...). Herr Praeceptor Senn giebt diesem seinem Zögling, der fleissigen, stillen und ernsten Charakters ist, ein vortheilhaftes Zeugniss und glaubt, dass er unter seiner fortwährenden Aufsicht und Anleitung in diesen Fächern wohl fortkommen werde; denn wenn ihm auch eine gewisse Schüchternheit eigen und er bisweilen mit schwerer Aussprache belästiget seye, so seye nichts destoweni-ger die Schule in Ordnung und Ruhe.» Rietmann war Zeichnungslehrer, bis er im Juni 1829 dem Rektor anzeigte, er wolle Anfang Oktober 1829 zur Fortsetzung seiner Studien nach München gehen und auf diese Zeit sein Vikariat abtreten. 1831 nahm er seine Unterrichtstätigkeit in der Stadt St. Gallen wieder auf; er wurde Lehrer der Formenlehre auf dem Tuchhaus.

Stadttore dokumentiert
In der «Kunst- und Industrie-Ausstellung», die im Spätherbst 1832 im Saal «Zum Antlitz» stattfand, zeigte Johann Jacob Rietmann bereits Arbeiten. Daniel Wilhelm Hartmann vermerkte dazu in seinen «Biographien von schweizerischen Künstlern», es seien von Rietmann einige Porträts und eine heilige Katharina, mit schwarzer Kreide gezeichnet, ausgestellt, von denen sein Selbstbildnis ihm sehr ähnlich sei. Er notierte weiter: «Ebendaselbst fand man im St.Gallischen Museum des Herrn Professors Scheitlin mehrere radirte Blätter von Rietmann, die noch mehr Beifall verdienten, und sein Genie für Landschaftliches vorzüglicher, als für Portraits zeigten.» Im «St.Gallischen Wochenblatt» stand 1834, Rietmann sei «auf den sinnigen, verdankenswerthen Gedanken gekommen, unsre sechs Stadtthore jetzt, da sie noch stehen, zu zeichnen und mit der Radirnadel auf Kupfer zu stechen».

Lehrer und Familienvater
Als um diese Zeit in St.Gallen «neue Schuleinrichtungen» eingeführt wurden, verlor Rietmann 1834 seine Stelle. Er war dann Privatlehrer, bis er im April 1836 wieder eine provisorische Anstellung fand. Im Frühjahr 1842 wurde er fest angestellter Lehrer für Schreiben und Zeichnen an der Mädchenschule und konnte Barbara Louise Zollikofer heiraten. Das Paar hatte eine Tochter und zwei Söhne. Johann Jacob Rietmann starb am 26. August 1868.

Wichtige Zeitzeugen
Zwischen etwa 1830 und 1868 schuf Rietmann mehr als 200 Ansichten aus der Stadt St.Gallen und eine grosse Zahl aus der Ostschweiz; viele befinden sich heute in der Kantonsbibliothek sowie im Historischen und im Kunstmuseum. Seine Zeichnungen und Kupferstiche sind eine hervorragende historische Quelle zur Topografie der Stadt St.Gallen und ihrer Umgebung. Der Wert dieser Quelle wächst, je mehr heute - wie übrigens auch um 1850 - vom alten St.Gallen verschwindet.

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