Der Westen boomt, der Osten leidet

Parkplätze, Politik und Platznot: Vier Studenten haben städtische Gewerbler im Rahmen eines Projekts befragt. Es zeigt, dass vor allem die Verkehrssituation eines ihrer Sorgenkinder ist.

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Im Westen gibt es mehr Gewerberäume als im Osten. (Archivbild: Michel Canonica)

Im Westen gibt es mehr Gewerberäume als im Osten. (Archivbild: Michel Canonica)

Gibt es in St. Gallen genug Parkplätze? Genug Arbeitskräfte, genug Gewerberäume? Und wie beurteilen die Gewerbler die Arbeit des Stadtrats, wie die Arbeit ihres Verbandes? Diesen Fragen gingen Julia Wüthrich, Carmelo Gullo, Ilario Monti und Alexandra Alder in ihrem Praxisprojekt «Die Stimme des Gewerbes der Stadt St. Gallen» nach. Die vier Studenten der FHS St. Gallen wurden von Gewerbe Stadt St. Gallen mit der viermonatigen Arbeit beauftragt.

Am Mittwochabend präsentierten sie die Ergebnisse an einer eher spärlich besuchten Mitgliederveranstaltung des Gewerbeverbandes.

Innenstadt in Parkplatznot

Insgesamt nahmen 153 aller angeschriebenen Mitglieder an der Umfrage teil. Sie beantworteten Fragen zum Arbeitsmarkt, zur Verkehrssituation, Stadtentwicklung, Finanzpolitik, Standortpromotion und Sicherheit.

Die Arbeit zeigt, dass eines der Sorgenkinder der Gewerbler die Verkehrssituation in der Innenstadt ist. «Sie wünschen sich klar mehr Parkplätze», sagte Projektleiterin Julia Wüthrich.

Einem autofreien Marktplatz gegenüber seien rund 72 Prozent der Befragten positiv eingestellt. Auch befürworteten sie Grossprojekte wie etwa die Südspange oder die Hochgeschwindigkeits-Zugverbindung Zürich–St. Gallen–München ganz klar.

Im Bereich Stadtentwicklung stören sich die Verbandsmitglieder vor allem an fehlenden Räumen zur gewerblichen Nutzung. Auffällig – aber nicht überraschend – sind dabei die unterschiedlichen Beurteilungen der Gewerbler aus dem Westen gegenüber jenen aus dem Osten. Je weiter westlich, desto zufriedener sind sie mit dem Angebot.

Präsenz: Knapp genügend

Den Stadtrat beurteilten die Gewerbler positiv, der Verbandsvorstand ist allerdings mit der Arbeit der Stadträte zufriedener als die Mitglieder.

Ebenfalls grundsätzlich zufrieden sind die Mitglieder mit der Arbeit ihres Vorstands. Allerdings werden vor allem die Veranstaltungen genutzt, die restlichen Angebote des Verbandes werden kaum wahrgenommen. Zudem wird die politische Präsenz des Verbandes im Durchschnitt lediglich als knapp genügend eingeschätzt.

Er habe viel von den Ergebnissen gelernt, sagte Elmar Jud, Präsident von Gewerbe Stadt St. Gallen, an der anschliessenden Podiumsdiskussion. Der Vorstand wolle nun Lehren aus dem Projekt ziehen, für mehr Transparenz und Präsenz sorgen. (mke)