Der Weltmeister schickt seine Brüder in den Ring

Harte Schläge werden nur wenige ausgeteilt, das Ausatmen der Boxer ist meist besser zu hören als der Treffer selbst. Sogar als Shemsi Beqiri seine Schlagkraft bei den Kicks zeigt, ist dies nicht anders – wobei das Ausatmen mehr an das Stöhnen einer Tennisspielerin erinnert.

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Unter den Augen von Shemsi Beqiri trainieren auch Frauen mit. (Bild: pd)

Unter den Augen von Shemsi Beqiri trainieren auch Frauen mit. (Bild: pd)

Harte Schläge werden nur wenige ausgeteilt, das Ausatmen der Boxer ist meist besser zu hören als der Treffer selbst. Sogar als Shemsi Beqiri seine Schlagkraft bei den Kicks zeigt, ist dies nicht anders – wobei das Ausatmen mehr an das Stöhnen einer Tennisspielerin erinnert.

Beqiri, achtfacher Weltmeister im Kickboxen und schweizerisch-albanischer Doppelbürger, nimmt seine drei Brüder aus seiner Heimatstadt Basel mit nach St. Gallen. An der Universität will er den jungen, regionalen Nachwuchsboxern seine Trainingsmethode näherbringen. Diese, so ist es wissenschaftlich erwiesen, ist für den ganzen Körper das bestmögliche Training. Er leitet ein hartes Training, bereits nach dem Einlaufen ist die Hälfte der gut 50 Aktiven – zwar nicht boxtechnisch, dafür aber konditionell – knocked-out.

Showkämpfe als Pflicht

Mit der Zeit finden auch mehr Zuschauer den Weg in die Sporthalle der HSG. Das Lehrer-Unihockey oder das Frauen-Lacrosse in den Hallen nebenan interessieren nur wenige. Hauptsächlich kommen sie wegen des Showkampfes, der als Höhepunkt des Abends angepriesen wurde.

Beqiri selbst ist allerdings von Showkämpfen eher weniger angetan. Viel lieber bestreitet er Ernstkämpfe, kann sich darauf besser konzentrieren. Als dann der Showkampf ansteht, schickt er lieber seine jüngsten Brüder in den mit Matten provisorisch gestalteten Ring. Den Brüdern wird allerdings eine noch erfolgreichere Karriere vorausgesagt.

Höhere Erwartungen

Ilir gegen Hysni lautet die Affiche des Bruderkampfes. Als erster auf dem Boden liegt allerdings der Fotograf, während sich die Brüder mit einer mehr oder weniger herzlichen Umarmung gegenseitig blockieren. Lange dauert der Kampf nicht, ebenso wenig wird ein Sieger erkoren. Die gut 70 Zuschauer sind vom Showkampf ziemlich enttäuscht, gerne hätten sie den mehrfachen Weltmeister in Aktion gesehen und sich vieles abgeschaut. Ein Schweizer Meister gegen einen immerhin einfachen Weltmeister ist aber auch nicht übel.

Lukas Würmli