Der warme Teil der Gasse

In der kalten Jahreszeit ist die Gassenküche besonders beliebt. Um deren Betrieb zu finanzieren, lanciert die Stiftung Suchthilfe nun wieder eine Spendenaktion.

Luca Ghiselli
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Jürg Niggli (links) und Dirk Rohweder führen in der Vorweihnachtszeit eine Spendenaktion für die Gassenküche durch. (Bild: Luca Ghiselli)

Jürg Niggli (links) und Dirk Rohweder führen in der Vorweihnachtszeit eine Spendenaktion für die Gassenküche durch. (Bild: Luca Ghiselli)

Kurz nach 10 Uhr vormittags ist es noch ruhig in der Gassenküche an der Linsebühlstrasse. Das Mittagsmenu wird vorbereitet, ein Mitarbeiter putzt das Fenster des Fumoirs. Weniger als zwei Stunden später herrscht dann Hochbetrieb. Bis zu 45 Gäste essen jeden Mittag hier, für drei Franken pro Menu, seit über 25 Jahren.

2000 Spender leisten Beitrag

Am Anfang betrug das Budget der Gassenküche noch 50 000 Franken heute ist es dasSsiebenfache davon. Auch, weil die Gassenküche inzwischen das ganze Jahr über geöffnet hat. Um das finanzieren zu können, ist die Trägerorganisation Stiftung Suchthilfe auf Spenden in der Höhe von rund 300 000 Franken jährlich angewiesen. «Ohne Spenden gibt es keine Gassenküche – so einfach ist das», sagt Jürg Niggli, Geschäftsführer der Stiftung Suchthilfe. Zwar könne die Stiftung auf rund 2000 treue Spender zählen. Trotzdem sei das Erreichen des nötigen Betrags nicht einfach. Rund die Hälfte der Spenden kommen von Privaten, ein Fünftel steuern kirchliche Organisationen bei. Der Rest wird von Firmen finanziert. «Wir sind sehr dankbar für diese gelebte Solidarität», sagt Niggli. Es handle sich dabei um Lebenshilfe, die auf den Teller kommt.

Denise Höhn kocht seit Anfang Jahr in der Gassenküche, seit zwei Jahren ist sie Gast dort. Eine Suchtvergangenheit hat sie, im Gegensatz zu den meisten anderen, die hier essen, nicht. Höhn, die selbst mit anpackt, ist froh um das Angebot. «Ich fühle mich hier akzeptiert», sagt die 35-Jährige. Wegen der Gassenküche sitze sie nun weniger alleine in ihrer Wohnung, sondern tausche sich mit anderen aus. In der Küche helfe sie auch, wenn sie nicht dafür eingeteilt ist, sagt Höhn.

Theoretisch dürfen alle kommen

Probleme gibt es in der Gassenküche nur selten. «Manchmal spürt man aber, dass eine nervöse Stimmung herrscht», sagt Betriebsleiter Dirk Rohweder. Die Gäste, die hier verkehren, stünden oft unter Druck. Deshalb sei es wichtig, dass in der Gassenküche Fachleute arbeiten, die diese Situationen richtig einschätzen können. In der Gassenküche sind – in der Theorie – alle willkommen, sofern sie volljährig sind. Es komme aber nur selten vor, dass jemand hier isst, der keine Suchtvergangenheit hat. «Wir schätzen es aber sehr, wenn zum Beispiel ein Handwerker oder ein Nachbar vorbeikommt», sagt Rohweder. Die Gäste würden so einen Kontakt mit Menschen erfahren, denen sie im Alltag sonst nicht begegnen.

Neben der Gassenküche betreibt die Stiftung Suchthilfe eine Reihe weiterer Institutionen in der Stadt, von der Spritzenabgabe «Blauer Engel» bis zur Wohngemeinschaft Arche. Die Gassenküche ist aber als einzige Institution rein durch Spendengelder finanziert. Lanciert wird die diesjährige Spendenaktion übermorgen Samstag mit einem Suppentag.

Suppentag: Samstag, 10.00-16.00, Marktgasse