Der Wahnsinn mit der Schneeräumung

Der Winter neigt sich endgültig dem Ende entgegen, und ich komme zum Schluss, dass St. Gallen ein Kriegsverhältnis zur weissen Pracht hat. Kaum fällt Schnee vom Himmel, muss dieser sofort entfernt werden.

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Der Winter neigt sich endgültig dem Ende entgegen, und ich komme zum Schluss, dass St. Gallen ein Kriegsverhältnis zur weissen Pracht hat. Kaum fällt Schnee vom Himmel, muss dieser sofort entfernt werden. Mit viel Salz wird das Weiss in eine braune Sauce umgewandelt, und es werden Tonnen von Schnee abtransportiert. Durch den permanenten Maschineneinsatz entstehen massive Strassenschäden, und falls das Ganze abtrocknet, zieht sich ein Salzfilm über die Stadt. Ob das für die Läden in der Innenstadt verkaufsfördernd ist?

Es ist unbestritten, dass Buslinien, Hauptverkehrsachsen, steile Strassen und Wege einen intensiveren Winterdienst erfordern. Ist es aber wirklich nötig, dass sämtliche Quartier- und Nebenstrassen permanent sofort schwarz geräumt werden müssen, und dies dann auch noch zu weit abgelegenen Einzelhäusern? Auffallend bei einem Spaziergang über die Stadtgrenzen hinaus ist, dass bei umliegenden Gemeinden ein teilweise massiv geringerer Winterdienst möglich ist und genügt. Vergleiche mit anderen Schweizer Städten hingegen hinken: St. Gallen liegt halt nun einfach höher als die Vergleichsstädte.

Das waren noch Zeiten, vor zwanzig Jahren, als man noch mit den Ski vom Schlösslihang nach Hause fahren oder die Kinder auf dem Davoser Schlitten durchs Quartier ziehen konnte. Heutzutage hält sich St. Gallen fit mit Salzen und Schneeräumen und ist bei Schnee nur eine schöne Stadt, wenn es dauernd und heftig schneit, so dass eine sofortige Schneeräumung schwierig ist.

Hoffen wir, dass die Finanzlage der Stadt ein Überdenken der Winterdienst-Strategie erzwingt.

Daniel Löhrer Wolfganghof 7g, 9014 St. Gallen