Der Vorhang hebt sich im Freien

THAL. Viel Enthusiasmus, Kreativität und Zeit braucht es für das Freilichttheater «Johanna vom Trüeterhof», das am Thaler Winzerfest 2013 aufgeführt wird. Aber auch Geld. Und solches kommt nun auch vom Lotteriefonds des Kantons.

Marianne Bargagna
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Begeisterte Theaterfrauen: Hanni Wohnlich und Kristin Ludin sind für die Regie des Freilichttheaters «Johanna vom Trüeterhof» verantwortlich. (Bild: Marianne Bargagna)

Begeisterte Theaterfrauen: Hanni Wohnlich und Kristin Ludin sind für die Regie des Freilichttheaters «Johanna vom Trüeterhof» verantwortlich. (Bild: Marianne Bargagna)

Sie sind zwei eingefleischte Theaterfrauen, die 57jährige Hanni Wohnlich und die 53jährige Kristin Ludin. Beide wohnen in Thal. Und beide freuen sich riesig auf das Winzerfest 2013. Sie werden dabei eine Hauptrolle spielen. Sie sind Leiterinnen und Regisseurinnen des Freilichttheaters «Johanna vom Trüeterhof». Sie bringen viel Energie mit, Freude am Theater, am Zusammenarbeiten mit anderen. Das genügt aber nicht. Es braucht auch Geld. 120 000 Franken werden die Produktion und die geplanten zehn Aufführungen kosten. Ungefähr 70 000 Franken sollen die Aufführungen einbringen. Ein Beitrag ist von der Gemeinde Thal zu erwarten. Und nun kommt, quasi als verfrühtes Weihnachtsgeschenk, eine freudige Nachricht aus der Pfalz: Der Kantonsrat bewilligt für das Thaler Freilichttheater 20 000 Franken aus dem Lotteriefonds.

Ein enormer Aufwand

Hanni Wohnlich und Kristin Ludin strahlen. Freuen sich über diesen Geldsegen. Sie wissen aber auch, dass ihnen noch viel Arbeit bevorsteht. Esther Tobler, sie sitzt im OK des Winzerfestes und engagiert sich im Dorftheater, nickt: «Da steht ein enormer Aufwand dahinter.» Für die Regisseurinnen kein Problem. Denn es ist eine Arbeit, die ihnen Spass macht, schon immer Spass gemacht hat.

Hanni Wohnlich lebt seit mehr als 30 Jahren in Thal. Aus dem Aargauischen ist sie zugezogen. Aus einem Theaterdorf, sagt sie, die schon als Kind auf der Bühne stand. Und die Bretter, die die Welt bedeuten, wollte sie auch in ihrer neuen Heimat nicht missen. Zusammen mit Esther Tobler und Monika Gmünder gründete sie das Dorftheater Staad, das seit Ende der 80er-Jahre jeden Frühling zu einer Aufführung einlädt. Und im nächsten Jahr zum Freilichttheater. Damit erfüllt sich für Hanni Wohnlich ein Traum.

Auch Kristin Ludin, Lehrerin und freischaffende Theaterpädagogin, bedeutet das Theater viel. Sie stiess nach Hanni Wohnlich zur Freilichttheater-Gruppe. «Als ich dazukam, wusste Hanni Wohnlich schon, was es werden sollte: ein Winzerstück.» Kristin Ludin war es dann, die das Stück «Johanna vom Trüeterhof» bearbeitete. Die beiden Frauen lachen hell auf. Die ursprüngliche Fassung sei langfädig, die Aufführung würde etwa dreieinhalb Stunden dauern. Das wollen sie ihren Zuschauerinnen und Zuschauern nicht zumuten. Denn, so sagt Hanni Wohnlich, die Gäste sollen kommen, in aller Ruhe ein Gläschen miteinander trinken, dann das Theater geniessen und danach noch gemütlich zusammensitzen. Was wohl kaum möglich wäre mit einer über dreistündigen Aufführung.

«Eine tolle Gruppe»

Vieles haben die beiden Theaterfrauen und mit ihnen die Gruppe – «eine ganz tolle Gruppe», sagt Hanni Wohnlich – schon in die Wege geleitet, so dass am 7. Januar die Proben beginnen können. Während der Monate Januar, Februar und März wird zweimal wöchentlich drinnen geprobt. Ab Mai dann draussen im Gelände. «Und im Juli machen wir Ferien», sagt Hanni Wohnlich. Dann aber geht es wieder los mit Intensiv-Probewochenenden, damit zur Premiere vom 23. August alles klappt. Viele Leute aus dem Dorf werden dann auf den Beinen sein, auf der Bühne, hinter den Kulissen, auf der gedeckten Tribüne, im Beizli. Zum letzten Mal wird sich der Vorhang im Freien am 7. September heben. Dann ist Dernière. So können auch die Theaterleute den Umzug vom Sonntag miterleben, sagt Hanni Wohnlich.

Und bis dahin wird noch viele ehrenamtliche Arbeit geleistet worden sein. Ein Aspekt, den die St. Galler Regierung in ihrem Antrag an den Kantonsrat auch hervorhebt. Sie schreibt: «Der Kanton St. Gallen honoriert das starke ehrenamtliche Engagement.» Das Dorftheater trage auch viel zur Bereicherung des kulturellen Lebens in der Region bei. Dem können Hanni Wohnlich und Kristin Ludin ohne Wenn und Aber beipflichten: «Wir wollen die Kultur im Dorf fördern.» Und Projekte wie das Freilichttheater schweissten das Dorf zudem noch enger zusammen.

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