Der unbekannte Festbesucher

ST.GALLEN. 70 000 bis 90 000 Menschen erscheinen jeweils am St. Galler Fest. Das bedeutet, dass viele von auswärts in die Altstadt strömen. Der Freitag, so scheint es, gehört jedoch den Stadtsanktgallern.

Fredi Kurth
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Besuchermassen in St. Galler Gassen: Aber woher stammen sie? (Archivbild: Urs Bucher)

Besuchermassen in St. Galler Gassen: Aber woher stammen sie? (Archivbild: Urs Bucher)

Woher kommen all die Menschen ans Stadtfest? OK-Chef Bruno Bischof zeigt auf den Fahrplan im Programmprospekt: Er umfasst unter anderem Kurse von Winterthur, Kreuzlingen und Rüthi im Rheintal. «Könnte man nicht das nächste Mal noch einen späteren Zug bis nach Aadorf organisieren?». Auch solche Wünsche werden an Bruno Bischof herangetragen. Kein Zweifel: Das St. Galler Fest strahlt stark in die Region aus.

Der andere Geheimtip

Doch wie viele Leute genau aus welchen Richtung anreisen, ist unbekannt. Zwar erhält das OK von den Transportunternehmen die Zahlen der Fahrgäste. «Aber wir wissen dann nicht, wie viele tatsächlich am Stadtfest erschienen sind oder bloss auf Verwandtenbesuch waren», sagt Bischof. Immerhin bestätigt er den Eindruck vieler, dass am Freitagabend mehr Stadtsanktgaller anzutreffen sind. Urs Weishaupt, Mediensprecher der Stadt, hat ebenfalls festgestellt, dass er am Freitagabend «viel mehr Leute kennt als am Samstag. Das ist kein Geheimtip mehr». Oder höchstens der: Wer als Städter ungestört bleiben will, soll sich eher am Samstag in die Menge mischen.

Ein entscheidender Faktor ist das Wetter. Wenn es am Freitag regnet, dann ziehen die Stadtsanktgaller den Samstag vor – wenn es bis dann aufhellt. «Doch im Grunde kommen immer viele Besucher», sagt Bischof, «die Ostschweizer lassen einen Veranstalter nie allein im Regen stehen.»

Ein Magnet wie die Olma

Noch ein Trend: Im Zentrum des Festrayons würden sich wieder vermehrt ältere Leute treffen, seit dort mehr Live-Bühnen aufgestellt seien. Zur Festlegung der Gesamtzahl ist der Veranstalter ebenfalls auf Schätzungen angewiesen, nun von Gastronomen und Standbetreibern. Sie nehmen die «Menschendichte» zum erneut nicht ganz lupenreinen Massstab.

Auch Heimweh-St. Galler finden den Weg in die Gallusstadt. Das Stadtfest wirke gleich wie die Hallen 4 und 5 an der Olma, sagt Bischof. Auf die Hotellerie allerdings hat es kaum Einfluss. Nach Auskunft von Astrid Nakhostin von St. Gallen-Bodensee Tourismus fallen Übernachtungen infolge des Festes nicht ins Gewicht. «Dafür ist der Anlass zu regional».

Höchstens eine Abkühlung

Der unbekannte Festbesucher: Hauptsache, er kommt. Schlechtes Wetter scheint dieses Jahr kaum ein Thema zu sein. Am Freitag könnte ein Gewitter höchstens willkommene Abkühlung bringen. Für Samstag ist «plein soleil» angesagt. «Das beruhigt», sagt Bischof. Die Standbesitzer seien so bereits beim Aufstellen guter Laune, in Erwartung schöner Umsätze. Doch auch bei einem Regenguss erscheinen die Leute, vor allem wenn ein Beizli durch ein Dach oder Zelt geschützt ist. Bischof selbst ist wohl der treuste «Besucher» am St. Galler Fest. Seit mehr als 30 Jahren hat er mit ihm zu tun. Allmählich rutschte er in das OK, und seit zwei Jahren ist er dessen Präsident. Das Gremium wacht über ein Budget von 450 000 Franken. Da kein Eintrittsgeld verlangt wird, sorgen Sponsoren und die Gebühren entrichtenden Standbetreiber für Einnahmen. Die Stadt selber zahlt ebenfalls einen Beitrag und verzichtet zum Beispiel auf eine Rechnung für den Polizeieinsatz.

OK-Chef Bruno Bischof. (Bild: Reto Martin)

OK-Chef Bruno Bischof. (Bild: Reto Martin)

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