Der Umzug ist keine Bratwurst

Wenn sich 5000 Kinder für den Kinderfestumzug in Reih und Glied stellen müssen, gleicht dies einem logistischen Meisterstück. Und doch geht der Start erstaunlich unaufgeregt über die Bühne – auch dank den «Umzugs-Assistenten».

Christina Weder
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Es ist noch ruhig, als Gust Sauter um 7.30 Uhr beim Spisertorkreisel steht. Er trägt eine orange Leuchtweste und bespricht sich mit seinen drei Helfern. Von manchen Passanten wird er für einen Verkehrsregler gehalten. Doch Sauter hat an diesem Morgen eine andere Aufgabe: Er ist verantwortlich, dass sich der Kinderfest-Umzug punkt 9 Uhr reibungslos in Gang setzt. Rund 5000 Schulkinder und ihre Lehrerinnen und Lehrer sowie 15 Musikvereine müssen sich rund um den Spisertorkreisel aufstellen und in Position bringen. Es ist ein logistisches Meisterstück.

«Eine gewisse Anspannung ist da», sagt der pensionierte Schulleiter, der vor 60 Jahren zum ersten Mal an einem Kinderfest teilgenommen hat. Zum zweiten Mal sorgt er dafür, dass sich der Umzug nicht verzettelt, dass keine Lücken entstehen, dass aber auch nicht alles gedrängt und gequetscht wirkt. «Der Umzug soll schliesslich nicht wie eine Bratwurst daherkommen.»

«Stellt Euch in die Reihe!»

Sauter hat alles vorbereitet. Am Vorabend hat er Bänder an den Strassenrand geklebt, damit jede Schule weiss, wo sie sich bereitmachen muss. Das Aufstellen verläuft ohne gröbere Zwischenfälle. Es sind die alltäglichen Kleinigkeiten, welche die Lehrerinnen und Lehrer auf Trab halten. Die erste Blase muss verarztet werden. Eine Fahnenträgerin will wissen, ob sie die Fahne auch ohne Ledergurt tragen kann. Denn dieser färbt aufs Kleid ab. «Das sind halt historische Gurte», erklärt die Lehrerin.

Traubenzucker-Päckli werden ausgepackt, Ballone verteilt und immer wieder ist zu hören: «Stellt Euch in die Reihe!» Bevor sich der Umzug in Gang setzt, ist Geduld gefragt. Manche Klassen stehen seit einer Dreiviertelstunde bereit. «Wann geht es endlich los?», fragen die Schüler. Nicht nur die Kleinen sind kribbelig. Die Drittklässler der Oberstufe werfen sich ihre Hüte zu, während die Lehrerin sie mahnt, die Hemdknöpfe zu schliessen – manch einer würde lieber Brusthaar zeigen. «Sie freuen sich», sagt die Lehrerin, «aber sie überspielen es auf eine coole Art.»

Tips für Fahnenträger

Und dann heisst es auf einmal: «Jetzt geht's los!» Es ist, als würde ein Schalter umgedreht. Wer vor ein paar Minuten noch Fangis gespielt hat, schreitet nun in Reih und Glied neben dem Lehrer her. Am Spisertorkreisel ist derweil Gust Sauter in seinem Element. Er hat alles im Blick, eilt dahin, dorthin. Er schüttelt Hände und gibt den Fahnen- oder Tafelträgern einen Rat auf den Weg: «Halte Abstand, damit man dich sieht!» Oder: «Zeig Haltung! Schliesslich repräsentierst du dein Schulhaus.»

Um 10 Uhr sind alle 5000 Kinder durchs Spisertor marschiert. Gust Sauter bleibt zufrieden zurück: «Alles verlief reibungslos.» Nur zwei Musikvereine haben kurzzeitig für Aufregung gesorgt, weil sie in letzter Minute aufgetaucht sind. Aber der neue Startpunkt beim Spisertor habe sich bewährt. Zurücklehnen kann Sauter aber noch nicht. Auf ihn wartete am Nachmittag noch ein Einsatz als Platz-Speaker auf dem Kinderfestplatz.