Der sympathische Sturkopf

MÖRSCHWIL. Das Gallus-Jubiläums-Jahr ist auch das Jahr jener, die so heissen. Zwölf von ihnen stellten wir im Laufe des Jahres vor. Zum Schluss: Gallus Hasler aus Mörschwil, der sich auf dem Pferd genauso wohl fühlt wie auf den Ski und dem Bürostuhl.

Christoph Renn
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Gallus Hasler reiste mit der Telemark-Nationalmannschaft um die Welt. (Bild: Urs Jaudas)

Gallus Hasler reiste mit der Telemark-Nationalmannschaft um die Welt. (Bild: Urs Jaudas)

MÖRSCHWIL. «Da kommt der Heilige wieder.» So haben die Mitschüler Gallus Hasler während seiner Schulzeit empfangen. «Mein Lehrer liebte die Geschichte von Gallus», sagt Hasler. Heute sei er stolz auf seinen Namen und erzähle allen Leuten gerne, welche Geschichte sich hinter seinem Namen verstecke.

Die Lehrjahre

Aufgewachsen ist Gallus Hasler in Mörschwil als jüngster von vier Geschwistern. Sein ältester Bruder heisst Urs – wie der Bär des heiligen Gallus. «Meine Eltern dachten wohl, dass sie auch noch einen Gallus in der Familie brauchen», sagt Hasler. Auch wenn er kein regelmässiger Kirchengänger sei, bezeichne er sich als gläubig. «Ich wurde katholisch erzogen und besuchte die Kantonssekundarschule im Kloster St. Gallen.»

Nach seiner Lehre zum Hochbauzeichner und einer Ausbildung zum Bauleiter hatte er mit 23 Jahren genug vom Büroalltag. «Ich wollte etwas erleben, reisen, arbeiten.» So wurde er Skilehrer in der Lenzerheide. Im Winter zog Hasler seine Linien mit den Latten durch den Schnee, im Sommer mit dem Brett durch die Wellen. «Es war perfekt. Im Winter arbeiten und im Sommer reisen.» Zudem leitete er im Sommer eine Surf- und Segelschule in Spanien. Da er als Skilehrer eine zweite Sprache beherrschen musste, reiste er für knapp ein Jahr nach Amerika.

Die Wanderjahre

«Zuerst war ich an einer Sprachschule. Richtig spannend wurde es aber, als ich auf Arbeitssuche ging.» Damals hätten es die Amerikaner mit der Arbeitserlaubnis noch nicht so genau genommen. «Ich arbeitete auf dem Bau, in verschiedensten Funktionen», sagt Hasler. Nach der Arbeit das Vergnügen. Zum Schluss seiner Amerikareise klapperte er alle möglichen Skigebiete ab. «Ich fragte einfach immer nach Schweizer Skilehrern, die es dort genügend gab.» Alle hätten ihn freundlich empfangen und ihm ein Bett oder ein Sofa zur Verfügung gestellt. So sei er mit bescheidenem Budget rund einen Monat von Skigebiet zu Skigebiet gezogen.

Wieder in der Schweiz bekam er das Angebot, Trainer bei der Schweizer Telemark-Ski-Nationalmannschaft zu werden. «In den sieben Jahren als Nationaltrainer konnte ich durch ganz Europa und Nordamerika reisen», sagt Hasler. Dabei seien vor allem die Schotten sehr an seinem Namen interessiert gewesen. «Ich denke, sie wussten, dass Gallus irgendein keltischer Heiliger war.» Wie Gallus der Heilige wollte sich Gallus Hasler nach all den Reisen niederlassen. Die Entscheidung über den Ort, war schnell gefallen. «Für mich kam nur Mörschwil in Frage.» Heute lebt er am Fusse des Gallusberges.

Die Niederlassung

Der mittlerweile 44-Jährige arbeitet als Immobilien-Vermarkter bei der HEV Verwaltungs AG in St. Gallen. «Bei der Arbeit mit Liegenschaften kommen mir die Charakterzüge zugute, die ich wohl mit dem heiligen Gallus gemein habe», sagt Hasler. Er sei ein sturer Kopf, rechthaberisch und eigensinnig, aber auch faszinierend und sympathisch, fügt er schmunzelnd hinzu. Wie ein Gockel nun mal so sei (Gallus heisst auf Deutsch Gockel).

Auf der Piste sei er heute nicht mehr so oft anzutreffen. «Meine neue Leidenschaft gilt dem Westernreiten.» Er hat ein eigenes Pferd auf dem Bauernhof seines Bruders Manuel in Freidorf. «Skifahren nimmt einfach zu viel Zeit in Anspruch. Reiten kann ich auch nach der Arbeit.» Am liebsten verbringe er seine Zeit aber mit seiner Partnerin Claudia. Mit einem breiten Lachen fügt er an, dass eine Heirat schon mal noch ein Thema sein werde. Vorausgesetzt, dass sie dieselben Pläne habe.

Diese Freiheit hatte der heilige Gallus nicht. Doch Hasler fügt an: «Ich denke wir haben ähnliche Charakterzüge und auch der Lebenslauf lässt sich vergleichen. Wir wären wohl gute Kumpel gewesen.»