Der Stadtpräsident ist gefordert

Der Jahresanfang ist die Zeit für Aus- und Rückblicke. Stadtpräsident und Finanzchef Thomas Scheitlin fasst zwar keine Vorsätze fürs neue Jahr, wünscht sich aber, dass die Stadtfinanzen wieder ins Lot kommen. Die Situation sei nach wie vor «unbefriedigend».

Christina Weder
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Thomas Scheitlin St. Galler Stadtpräsident (Bild: Urs Bucher)

Thomas Scheitlin St. Galler Stadtpräsident (Bild: Urs Bucher)

Herr Scheitlin, worauf haben Sie an Silvester angestossen?

Thomas Scheitlin: Ich stosse jeweils auf meine Familie an, auf die Zukunft meiner beiden Kinder, bei denen dieses Jahr wichtige Prüfungen anstehen. Das Geschäftliche rückt dabei in den Hintergrund.

Haben Sie einen Vorsatz fürs neue Jahr gefasst?

Scheitlin: Ich fasse keine Vorsätze. Aber es gibt da einige stadträtliche Wünsche: So wünsche ich mir, dass der Stadtrat in neuer Zusammensetzung zu einem schlagkräftigen Team zusammenwächst. Zudem liegt mir am Herzen, dass wir in unserer Region die Fähigkeit haben, über den Tellerrand hinauszublicken und gemeinsam mit den Nachbargemeinden unsere Zukunft zu entwickeln. Und schliesslich wünsche ich mir, dass wir bei den Stadtfinanzen zu einer gesunden Basis zurückkehren.

Sie sprechen es an: Um die Stadtkasse ist es nicht zum Besten bestellt. Wie ernst ist die Lage?

Scheitlin: Vor zwei Jahren haben wir festgestellt, dass sich ein Aufwandüberschuss von 20 bis 30 Millionen Franken auftut. Nun erwarte ich, dass das Entlastungsprogramm «Fit13plus» in der Rechnung 2014 erste Auswirkungen zeigt. Doch die Situation ist immer noch unbefriedigend. Wir müssen auf den Pfad der Tugend zurückzukehren.

Einige der Sparmassnahmen stiessen auf grossen Widerstand und Kritik. Wenn man den Rotstift ansetzt, macht man sich nicht nur Freunde: Wie gehen Sie damit um?

Scheitlin: In guten Jahren ist es einfacher. In schwierigen Jahren muss man «Nein» sagen können. Damit muss ein Finanzchef umgehen.

Kommt für Sie eine Erhöhung des Steuerfusses in Frage?

Scheitlin: Wir wollen im Moment alle Massnahmen treffen, um dies zu verhindern. Es wäre der letzte Notnagel.

Das Budget 2015 sorgte im Stadtparlament für rote Köpfe. Sie selbst bezeichnen es als «knapp akzeptabel». Macht Ihnen Ihre Arbeit in solchen Zeiten noch Spass?

Scheitlin: Ich habe immer noch sehr grosse Freude an meiner Aufgabe, weil ich etwas gestalten kann. Wenn die Finanzen knapp sind, muss man Prioritäten setzen. Das nehme ich als Herausforderung gerne an.

Welche anderen Geschäfte liegen Ihnen in diesem Jahr am Herzen?

Scheitlin: Im März befindet das Stimmvolk über die Neugestaltung des Marktplatzes. Der Stadtrat steht voll hinter der Vorlage. Denn es geht um die Attraktivität der Innenstadt.

Unter den Gegnern der Vorlage findet sich aber die FDP, Ihre eigene Partei. Wie ist Ihnen im Hinblick auf diesen zweiten Anlauf zumute?

Scheitlin: Ich bin positiv eingestellt. Wir haben gute Erfahrungen mit der Gestaltung der südlichen Altstadt gemacht. Diese wollen wir nun bis zum Marktplatz/Bohl weiterziehen.

Welche weiteren Themen werden Sie 2015 beschäftigen?

Scheitlin: 2015 wird ein Jahr, in dem Grossprojekte umgesetzt werden: Der neue Bahnhofplatz soll vorangetrieben, das Glasfasernetz weiter ausgebaut und die Vision «Bahnhof St. Fiden» weiterentwickelt werden. Wir werden uns Gedanken über mögliche Nutzungen machen.