Der smarte Wikinger

Charmant, sportlich, vielleicht etwas schusslig: FDP-Mann und Trainer der Baseballmannschaft Vikings, Georges Gladig, zeigt in seiner «Tour de Wittenbach» die Gegensätze der Gemeinde auf. Und kämpft dabei mit Startschwierigkeiten.

Martina Kaiser
Drucken
Teilen
Befürwortet eine Einheitsgemeinde: Georges Gladig vor dem Oberstufenzentrum Grünau. (Bild: Ralph Ribi)

Befürwortet eine Einheitsgemeinde: Georges Gladig vor dem Oberstufenzentrum Grünau. (Bild: Ralph Ribi)

Wittenbach. Nicht mit dem Velo. Und auch nicht zu Fuss. Sondern mit dem Auto will Georges Gladig den Rundgang bestreiten. Etwas unpassend für einen ehemaligen Spitzensportler. «Das Wetter im Januar ist mir zu unsicher», entschuldigt er sich. Halbwegs umweltfreundlich soll die Tour dann aber doch sein. Gladig zeigt auf den Kleinsten in der Reihe: «Wir fahren mit dem Smart.» Georges Gladig, frischer Wind für Wittenbach, steht darauf. Die Tour wird zur Werbefahrt.

Die Reise beginnt bei der Post, seinem Arbeitgeber. Dann möchte Gladig aufs Land. Die Gegensätze und Vielfalt Wittenbachs aufzeigen. Doch dem Fotosujet zuliebe führt die Fahrt zuerst zum Oberstufenzentrum Grünau.

«Schon mal Smart gefahren?»

Neben dem «Infield», einem Teil des Baseballfeldes auf der Wiese des Oberstufenzentrums, bleibt er stehen. Hier verbringt der Präsident und Coach der Wittenbach Vikings die meisten Wochenenden, gibt seinen Junioren Anweisungen. «Das Zusammenspiel von Schulen und Vereinen sticht ins Auge», beginnt Georges Gladig seinen Vortrag: «Der Platz ist ideal: Hier sehen wir das Schulhaus Steig, dort jenes im Dorf. Eine Einheitsgemeinde ist zu unterstützen», wagt er ein erstes politisches Statement. Der Rückweg zum Auto führt beim Oberstufenzentrum vorbei. Dieses soll saniert werden, bietet vielleicht auch bald Platz für die Häggenschwiler. «Wir sind sicher nicht dagegen, aber den ersten Schritt müssen die Häggenschwiler machen.»

Zurück beim Smart. Der kräftig gebaute ehemalige HSG-Sportlehrer zwängt sich in das kleine Auto, dreht den Zündschlüssel neben dem Fahrersitz – nichts passiert. Zweiter Versuch. Wieder nichts. Gladig schüttelt ungläubig den Kopf, hantiert am Schalthebel herum: «Sind Sie schon mal Smart gefahren?» Beim dritten Mal klappt's – der Motor springt an, und der Smart braust los. Am Gemeindehaus und an der Firma Spühl vorbei Richtung Schloss Dottenwil. Gladig ist kein geübter Autofahrer, schon gar nicht mit einem Halbautomaten. Nur selten braucht er sein eigenes Auto. Zur Arbeit in die Stadt fährt er mit dem öV.

Bei einem Bauernhof hält er an. «Nur wenige Minuten braucht es vom städtischen Zentrum ins schützenswerte Grüne. Hier kann ich Velo fahren und spazieren gehen.» Noch lieber als spazieren geht der 53-Jährige aber wandern. «Nur haben wir in Wittenbach keine Berge.» Und die Drumlins? «Da kommt man nicht weit», sagt er und lacht. Ein sympathisches Lachen. Georges Gladig kramt einen Zettel aus der Hosentasche, studiert ihn. «Wollen wir?» Ein Spickzettel? «Wir wollen doch nichts verpassen», sagt er augenzwinkernd.

Neues Quartier gefällt, aber…

Und wieder bereitet der Smart Probleme. Bei der Rückfahrt deutet Gladig aufs Schloss: «Unser kulturelles Zentrum.» Ist er oft im «Dottenwil» anzutreffen? «Ab und zu schon. Auch ins Theater nach St. Gallen geh ich gerne.»

Der dritte Stop ist beim neuen Quartier Betten Süd. Es gefalle ihm schon, sagt Gladig. Aber eine gewisse Einheit wäre von Vorteil gewesen. Und tatsächlich: Hier ein Flachdach, dort ein Giebeldach. Etwas weiter ein halb gelb halb grün gestrichenes Haus. «Wohnen und Gewerbe ist hier mein Stichwort», sagt er. «Die Arbeitsplätze in Wittenbach gilt es zu fördern. Neue möchte ich ansiedeln.»

Beim Spaziergang durchs Quartier steuert er auf ein lachsfarbenes Haus zu. «Ich sag nur schnell meiner Mitarbeiterin hallo.» Eine Frau mittleren Alters mit Basler Dialekt – Gladig selbst ist in Basel aufgewachsen – öffnet die Tür. Händeschütteln, ein kurzer Schwatz.

Und nach erneuten Startschwierigkeiten mit dem Smart geht es weiter zum Alterszentrum Kappelhof. Auch hier weiss Georges Gladig etwas zu erzählen: «Die Bevölkerung wird immer älter, ein Ausbau des Alterszentrums drängt sich auf. Und der Gegensatz Stadt/Land ist auch hier spürbar: Der <Kappelhof> ist zwar ganz in der Nähe der Hauptstrasse, aber daneben haben wir Wiesen und Bäume.» Er selbst wolle irgendwo alt werden, wo er sich wohl fühle. Und wo fühlt er sich wohl? Er lacht: «Na, hier.»

Warten auf den Wahlkampf

Die nächste Station ist der Bahnhof. Die Zeiger stehen auf zwölf Uhr: High Noon. «Das passt», findet Gladig. Dieser Wahlkampf sei sein erster und er mache ihm Spass. Aber bis anhin ist noch nicht viel Wahlkampf von Seiten der FDP spürbar. «Das kommt schon noch.» Und was will er am Verkehr ändern? «Alle 15 Minuten fährt ein Postauto nach St. Gallen und zurück. 2013 haben wir eine eigene S-Bahn. Ausbaufähig könnte die Strecke Richtung See sein. Dort fährt heute nur alle 30 Minuten ein Zug.»

Ziel der Reise ist das Gemeindehaus. «Da will ich hin», sagt Gladig und zeigt auf das Gebäude. Und sein erstes Ziel als frischgebackener Gemeindepräsident? «Meine Mitarbeiter kennenlernen, die Dienstleister der Bevölkerung.»

Mit diesem Satz endet die «Tour de Wittenbach». Gladig verabschiedet sich und düst – nun erstmals ohne Startschwierigkeiten – mit seinem Werbemobil davon.

Bild: Martina Kaiser

Bild: Martina Kaiser