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Der See, das Kajak und du

Feature
Linda Müntener
Kajakfahren als Ganzkörpertraining – mit dem Steuern hapert’s noch. (Bild: Linda Müntener)

Kajakfahren als Ganzkörpertraining – mit dem Steuern hapert’s noch. (Bild: Linda Müntener)

Die wichtigste Frage gleich zu Beginn: «Kann ich mit diesem Teil kentern?» Der Instruktor lacht. «Eigentlich nicht», sagt er und klopft auf die Seite des roten Kajaks. Das Modell sei äusserst stabil, der See an diesem Sonntagmorgen ruhig. Die Eskimo-Rolle – eine Drehung unter dem Wasser mit Kajak – beherrschten 99 Prozent der Fahrer sowieso nicht. «Solltest du kippen, kannst du ja schwimmen.» Das beruhigt. Ein wenig.

Martin Fellmann hat am Wochenende zum Kajak-Schnuppern ins Goldacher Rietli geladen. Ob erfahrener Paddler oder blutiger Anfänger – jeder kann die eleganten Boote testen. Die Schreibende gehört eher in letztere Kategorie. Auf Trockenübungen wird trotzdem verzichtet. Die Schwimmweste montiert, das Paddel in die Hand gedrückt und dann geht’s auch schon ans Ufer. Der Einstieg ist eine wacklige Angelegenheit und ohne fremde Hilfe für Anfänger kaum zu schaffen. Der Instruktor dreht das Boot Richtung See und gibt den Startschuss. «Viel Spass» rufen sie vom Ufer noch zu. Und dann bin ich alleine auf dem See. Alleine mit dem Kajak. Kajakfahren ist ein Ganzkörpertraining. Die Beine sind gestreckt, die Knie an die Seiten gedrückt. Das gibt Stabilität. Beim Paddeln arbeiten Arme, Schultern und Rumpf gleichzeitig. Und natürlich der Kopf: Links, rechts, links, rechts. Das klappt schon ganz gut, wenn auch noch etwas verkrampft. Die fachmännische Beurteilung gibt’s direkt vom Ufer. «Schöne gerade Körperhaltung», lobt Fellmann. «Eher etwas versteift», findet ein anderer Kajakfahrer.

Nach ein paar Minuten fühle ich mich sicher genug und visiere die erste Boje an. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, sich auf dem Bodensee fortzubewegen. Das Kajak ist wohl die ruhigste. Lautlos gleitet das Boot über den See. Jedes vorbeifahrende Motorboot stört diese Idylle. Tief im Boot sitzt man quasi im Wasser, wird eins mit dem See. Das fasziniert auch Martin Fellmann, der seit über zehn Jahren mit dem Kajak unterwegs ist. «Du bekommst eine andere Sicht auf die Natur, auf das Ufer», sagt er. Vor allem im Frühling. Dann beobachtet er die Vögel beim Balzen, Brüten, Schlüpfen. Alle anderen erleben den See und seine Natur zu dieser Zeit noch nicht. «Man hat ihn für sich alleine.»

Nach 300 Metern ist genug. Ich will umkehren und stosse vor das erste Problem. Denn Steuern will noch nicht so richtig klappen. Paddel ich links, will das Boot in die andere Richtung. Paddle ich rechts, passiert gar nichts. Was soll’s. So drehe ich eben noch zwei, drei Runden im Kreis. So lange, bis die Seeströmung das Kajak wieder gen Ufer ausrichtet. Die Badegäste schauen amüsiert zu.

Zurück am Ufer warten schon die nächsten Testfahrer. Gute Aussichten für Fellmann, der in der ganzen Schweiz schwedische Point65 Kajaks vertreibt. «Manchmal fragen mich Leute, ob ich ein Verkaufsgeschäft habe», sagt er und zeigt auf den See. «Das hier ist es.»

Linda Müntener

linda.muentener@tagblatt.ch

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