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Der Schokoladenweg

Früher war es der unverkennbare, bittersüsse Duft, der in St. Georgen durch die Strassen im historischen Mittelpunkt des Quartiers rund um den Kirchhügel wehte. Heute erinnert dort nur noch ein Strassenschild daran, dass in St.
Der «Schoggiweg» beginnt beim historischen Haus auf der linken Seite. (Bild: David Gadze)

Der «Schoggiweg» beginnt beim historischen Haus auf der linken Seite. (Bild: David Gadze)

Früher war es der unverkennbare, bittersüsse Duft, der in St. Georgen durch die Strassen im historischen Mittelpunkt des Quartiers rund um den Kirchhügel wehte. Heute erinnert dort nur noch ein Strassenschild daran, dass in St. Gallen dank der Stickereiindustrie nicht nur Milch und Honig flossen, sondern während über 100 Jahren auch Schokolade hergestellt und in die weite Welt exportiert wurde.

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Kurz nach der Jahrtausendwende war die Schokolade weg. Der Schokoladenweg trägt seinen Namen jedoch nicht deshalb, es gab ihn schon viel früher. In den historischen Karten ist er – zumindest teilweise – schon Ende des 19. Jahrhunderts eingezeichnet. Erstmals benannt ist er jedoch erst auf der Karte von 1934. Seinen Namen verdankt er der Firma Maestrani, die sich in St. Georgen zu einem der grössten Schweizer Schokoladenhersteller entwickelt hatte.

1852 gründete der Tessiner Aquilino Maestrani ein eigenes Schokoladengeschäft in Luzern. 1859 zog er nach St. Gallen und produzierte die Süssigkeiten fortan im Haus zur Meise in der Multergasse. Das Unternehmen wuchs schnell, der Standort in der Altstadt wurde trotz Expansion ins Nachbargebäude zu klein. So zügelte Maestrani 1875 den Betrieb in ein Fabrikgebäude beim Espenmoos. Als die Firma neun Jahre später eine ehemalige Spinnerei in St. Georgen erwarb und ihren Sitz abermals verlegte, hatte sie sich bereits weitherum einen Namen gemacht und war zum Hoflieferanten des italienischen Königs Umberto ernannt worden.

1998 kaufte Maestrani die in Flawil ansässige Schokoladenproduzentin Munz. Es war der Anfang vom Ende für den Standort St. Gallen: Ein Jahr später begann der Bau einer neuen Fabrikationshalle in Flawil, wohin im Jahr 2003 – kurz nach dem 150-Jahr-Jubiläum – die Produktion und 2004 die Verwaltung verlegt wurde. Bei der Umnutzung des Areals in St. Georgen wurde dem Schokoladenweg in östlicher Richtung ein unbenannter Zipfel hinzugefügt.

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Mit dem Wegzug von Maestrani verschwand auch der Schokoladenduft aus dem Quartier. Doch es gibt neben dem Schokoladenweg in der Stadt noch weitere Erinnerungsstücke an die Maestrani-Zeit. So prangt am östlichen Ende des Hauptbahnhofs bis heute der Schriftzug des Unternehmens. Und auch die Schoggi ist nicht ganz aus St. Gallen verschwunden: Mit der «Chocolaterie» hat Maestrani in der Gallusstadt zwar kein Standbein mehr, aber immerhin eine Zehe an seinem langjährigen Standort stehenlassen. David Gadze

Nasenweg, Iltisstrasse, Hexengässlein: In St. Gallen gibt es skurrile Strassennamen. In einer Serie beleuchten wir deren Ursprünge.

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