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Der Schock und die Erleichterung

ST.GALLEN. Heute vor drei Jahren stürzte die GBS-Turnhalle im Riethüsli ein. Weil das kurz vor Schulbeginn passierte, entging St. Gallen einer Katastrophe. Jetzt steht die Halle vor dem Neubau. Rückblick auf einen grossen Knall und die Erleichterung danach – und wie die Abwartin ihr Leben behielt.
Urs-Peter Zwingli
Wie eine Explosion: Die GBS-Turnhalle im Tal der Demut kurz nach dem Einsturz. Durch den Druck des fallenden Daches wurden Bauteile meterweit weggeschleudert. (Archivbild: Michel Canonica)

Wie eine Explosion: Die GBS-Turnhalle im Tal der Demut kurz nach dem Einsturz. Durch den Druck des fallenden Daches wurden Bauteile meterweit weggeschleudert. (Archivbild: Michel Canonica)

Am Morgen des 24. Februar 2009 ging sie für einmal etwas später zur Arbeit. Warum, das wusste sie danach nicht mehr. Ihre Aufgabe war es, vor Unterrichtsbeginn die Turnhalle des Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrums St. Gallen (GBS) zu putzen. Doch dann, kurz bevor die Hausabwartin beim GBS im Tal der Demut ankam, stürzte um sechs Uhr das schneebedeckte Dach der Turnhalle ein. Von einem «langen Rumpeln, dann einem grossen Knall» berichteten Zeugen. Dass sie an diesem Tag später aus dem Haus ging, hatte der Hauswartin das Leben gerettet.

«Dieser Schrotthaufen»

Diese Geschichte geht seit dem grossen Knall vor drei Jahren durch die Gänge und Schulzimmer des GBS. «Das ist schon krass, unsere Lehrerin hat uns davon erzählt», sagen die Zweit-Jahr-Stifte Lucas Kägi und Simon Eschlimann. Sie stehen in einer Pause vor dem Schulhaus. Den Einsturz haben sie nicht miterlebt, sie waren damals noch nicht am GBS. «Wir reden darum nicht gross darüber. Ich finde es aber schon komisch, dass dieser Schrotthaufen noch da liegt», sagt Kägi.

Laut GBS-Rektor Lukas Reichle läuft die Diskussion um die Turnhalle heute «sachlich» ab, bei den Lernenden und den Lehrern. Und doch wirkt Reichle aufgewühlt, wenn er über den 24. Februar 2009 spricht. «Ich war zu Hause, der stellvertretende Verwalter hat mich informiert. So schnell war ich noch nie beim Schulhaus.»

Vor Ort bot sich Reichle und den Polizisten, Feuerwehrmännern, Schülern und Journalisten ein Bild der Zerstörung: Das 50 Meter lange und 35 Meter breite Dach der 2006 eingeweihten Turnhalle lag komplett am Boden, die Aussenwand mit den Fenstern war weggedrückt. «Meine prägendste Erinnerung ist die Erleichterung, die ich inmitten des Schocks fühlte, dieser starke Kontrast der Gefühle», sagt Reichle.

Kein Platz für Verdacht

Denn eines wurde damals schnell klar: In der Halle waren keine Menschen, als die Decke runterkam. Eineinhalb Stunden nach dem Einsturz hätte hier für bis zu 80 Schüler das Turnen begonnen, am Abend zuvor trainierten Sportvereine noch bis 22 Uhr.

Von einem «Riesenglück» spricht in der Rückschau auch Willi Haag, Vorsteher des kantonalen Baudepartements. Er kam ebenfalls frühmorgens auf dem Schadenplatz an, wo «ich nicht glauben konnte, was ich sah». «Gleichzeitig wollte ich keinen Platz für Hektik oder Verdächtigungen aufkommen lassen».

Fragen zur Unfallursache wurden an der Medienkonferenz am gleichen Morgen nicht kommentiert. Die Untersuchung werde mehrere Monate dauern, schätzten die Verantwortlichen damals.

Tatsächlich wurde die Ursache des Einsturzes – zu schwach ausgelegte Dachträger – schon im November 2009 bekannt. Dann aber vergingen zwei Jahre, bis die Staatsanwaltschaft überraschend eröffnete, dass das Strafverfahren gegen zwei am Bau beteiligte Personen eingestellt werde.

Kritik an der Ruine

Möglich wurde dies, weil das Baudepartement auf die Klärung der Schuldfrage verzichtet hatte. Der Kanton zog den raschen Wiederaufbau der Halle einem langen Verfahren über die Schuldfrage vor. Gleichzeitig zahlte die Versicherung zweier möglicher Haftpflichtiger zehn Millionen Franken. Dem Kanton blieben Kosten von knapp drei Millionen.

Eine Ruine auf Stadtgebiet, an der über Jahre nichts passiert, weckt Kritik. Das musste auch Rektor Reichle erfahren. «Ich wurde von verschiedensten Leuten gedrängt, ich müsse die Sache beschleunigen. Ihnen habe ich klargemacht, dass ich dafür nicht zuständig und auch nicht befugt bin.» Dass die Schuldfrage offen bleibe, akzeptiere man mittlerweile am GBS. «Wir sind froh, dass es endlich einen Schritt weitergeht.»

Tatsächlich soll laut Haag mit dem Rückbau der Ruine begonnen werden, sobald «der Schnee definitiv weg ist». Es wird wieder eine Dreifachturnhalle, «aber zu ähnlich soll sie aus psychologischen Gründen nicht aussehen».

Beim Augenschein im Tal der Demut: Als Stadtbewohner hat man sich an die Wunde, die zwischen Schulhaus und Fussballwiese klafft, irgendwie gewöhnt. Und doch wird es besser sein, wenn der Satz, der gross auf der Turnhallenwand steht, wieder hierherpasst: «Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.»

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