Der Schock sitzt tief

GOSSAU. Anna Räss hat am vergangenen Mittwoch zwei Diebe in ihrem Haus auf frischer Tat ertappt. Kurz darauf hat der Fernsehsender TVO darüber berichtet. Von den Tätern fehlt bisher jede Spur.

Linda Müntener
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Anna Räss berichtet gegenüber TVO, was passiert ist. (Bild: TVO)

Anna Räss berichtet gegenüber TVO, was passiert ist. (Bild: TVO)

Mittwoch, kurz vor zwölf Uhr mittags: Anna Räss wird von einem seltsamen Geräusch aus ihrem Mittagsschlaf gerissen. Die 96-Jährige steht auf und begibt sich ins Erdgeschoss ihres Bauernhauses. «Da sah ich, dass alle Zimmertüren offen waren», erzählt die Gossauerin. Sie geht ins Wohnzimmer, wo die Geräusche herkommen und erschrickt. Zwei Männer durchwühlen gerade ihre Kommode. Anna Räss wird wütend. «Als sie mich entdeckten, waren sie zwar überrascht, liefen aber dann in aller Ruhe zur Tür hinaus.» Die Gossauerin folgt den dreisten Dieben entschlossen bis zur Haustüre. Dort bleibt sie aufgewühlt stehen. Die beiden Einbrecher machen sich zu Fuss aus dem Staub – mit Schmuck und Gold im Wert von mehreren tausend Franken.

Fernsehen berichtet

Die Kantonspolizei St. Gallen vermeldet den Einbruch in einer Medienmitteilung. Kurz darauf kommt ein Kamerateam des Fernsehsenders TVO nach Gossau, um über die Rentnerin, die zwei Einbrecher in die Flucht geschlagen hat, zu berichten. Auf den Fernsehbildern ist Anna Räss gefasst und erzählt, wie sie den Dieben hinterher gerufen habe. «Ihr sollt abfahren», habe sie geschrien.

Vorfall noch nicht verarbeitet

Der erste Einbruch ihres Lebens und das Fernsehen zu Besuch in den eigenen vier Wänden – viel Aufregung für die 96-Jährige. Und dann meldet sich auch noch die Zeitung. Anna Räss schildert den Vorfall vom vergangenen Mittwoch noch einmal. Sie zittert. «Ich bin noch ziemlich durcheinander.» Wie die Diebe ausgesehen haben, daran kann sie sich nicht erinnern. «Ich weiss nur noch, dass sie schwarze Jacken trugen», erzählt die Seniorin. Sie und ihre Familie seien froh, dass ihr nichts zugestossen ist. «Ich will nicht daran denken was passiert wäre, wenn die Männer auf mich losgegangen wären.» Anna Räss schaut traurig aus dem Fenster. «Früher habe ich mich vor nichts gefürchtet», sagt sie. Seit Mittwoch zucke sie nun bei jedem Geräusch zusammen – vor allem abends. «Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis ich das Erlebte verdaut habe.»

Fahndung bisher ohne Erfolg

Die beiden Täter werden von der Kantonspolizei St. Gallen gesucht. Ein erster Anhaltspunkt: Nachbarn hätten einen silbrigen BMW beobachtet, der mehrmals am Haus von Anna Räss vorbeigefahren sei. Ob das Auto tatsächlich mit dem Einbruch zusammenhängt, steht laut Polizeisprecher Gian Andrea Rezzoli, aber noch nicht fest. «Bis jetzt haben wir keine weiteren Hinweise zu dem Wagen erhalten», sagt er.

Nach dem Trubel in den vergangenen Tagen hofft Anna Räss, nun etwas zur Ruhe zu kommen. Den TVO-Beitrag habe sie nicht gesehen, sei aber von vielen Bekannten darauf angesprochen worden. «Das war etwas zu viel für mich.» Anna Räss ist sichtlich erschöpft, ein Lächeln kommt ihr aber doch noch über die Lippen. «Die Einbrecher haben alles durchwühlt und meinen Schmuck gestohlen. Aber Geld haben sie keins gefunden.»

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