Der Reiz des Speichers

RORSCHACH. Der Kunststudent Marco Kamber bringt eine neue Publikation zum Kornhaus heraus. Seine Fotos sind eine Momentaufnahme des Rorschacher Wahrzeichens.

Lea Müller
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Momentaufnahme: In seinem Fotobüchlein will Marco Kamber das Kornhaus von heute zeigen. (Bild: Ann-Marie Schmalz)

Momentaufnahme: In seinem Fotobüchlein will Marco Kamber das Kornhaus von heute zeigen. (Bild: Ann-Marie Schmalz)

Rorschach. Die Leserinnen und Leser des St. Galler Tagblatts kennen Marco Kamber. Zumindest seine Texte. Seit mehreren Jahren schreibt er als freier Journalist für die Zentralredaktion und die Lokalredaktion Rorschach. Zu der Hafenstadt hat der 23-Jährige einen besonderen Bezug: In Rheineck aufgewachsen, zog es ihn für seine erste eigene Wohnung nicht etwa in die Stadt St. Gallen, sondern nach Rorschach, wo er sich im Kulturlokal Mariaberg als Booker engagiert.

«Heizöfeli» in Szene gesetzt

«Ich finde Rorschach eine der spannendsten Städte. An vielen Ecken wirkt sie leicht kaputt, aber genau das macht meiner Meinung nach ihren Charme aus», sagt Marco Kamber. Ein gutes Beispiel ist für ihn das Wahrzeichen der Stadt, das Kornhaus. Für das Ostschweizer Kulturmagazin «Saiten» hat er eine Woche lang über das Gebäude recherchiert und dazu Fotografien gemacht. Entstanden sind eine spannende Reportage (nachzulesen im aktuellen «Saiten»-Heft) und eine ausführliche fotografische Dokumentation. Weil sich so viel gutes Bildmaterial ansammelte, entschloss sich Marco Kamber kurzerhand, ein kleines Büchlein mit dem Titel «Von Ware und Zeichen. Das Kornhaus heute, in Fotografien und Notizen» zu gestalten. Er liess die mit einer analogen Kamera aufgenommenen Bilder entwickeln, druckte sie aus, schnitt die Papierbögen zu und heftete sie selbst zusammen.

Das Ergebnis ist eine kleine Publikation zum Kornhaus, die aber nicht den Anspruch auf Vollständigkeit haben will. «Ich habe in diesem Winter eine Momentaufnahme gemacht, die das Kornhaus einmal von einer anderen Seite zeigt», erklärt Marco Kamber. «Das Spannende ist ja: Alle kennen das Kornhaus. Aber kaum jemand weiss, was eigentlich im Innern vorhanden ist.» Marco Kambers schwarzweisse Fotografien wirken hart und grell aufgeblitzt. Er spielt mit den Klischees, zeigt aber auch absurde Aufnahmen. Wie zum Beispiel ein «Heizöfeli», das neben ausgestellten Schiffsschrauben in Szene gesetzt ist, und verdeutlicht, dass das Kornhaus eben nicht wohnlich ist, sondern immer den Charakter eines Provisoriums hat. Seine fotografischen Eindrücke unterstreicht Marco Kamber mit Auszügen aus seinem Notizbuch.

100 Exemplare erhältlich

Was ist das Kornhaus? Wahrzeichen, Abstellkammer oder Kulturhaus? Der Kunststudent kommt zum Schluss, dass der ursprüngliche Zweck des Gebäudes übermächtig ist: «Es ist und bleibt ein Speicher.»

Ein Büchlein (insgesamt 100 Exemplare) ist zum Preis von 15 Franken in der Buchhandlung zum Kornhaus erhältlich oder kann bei Marco Kamber bestellt werden: info@marcokamber.com.

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