Der Post fehlt das Gespür fürs Lokale

Die Post hat zweierlei Bedeutung: Für die meisten Schweizerinnen und Schweizer ist sie ein Dienstleister vor Ort und ein wichtiger Bestandteil eines beispielhaften Service public. Aus Sicht der Wirtschaft und der Politik ist sie ein grosser Mischkonzern.

Sebastian Schneider
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Die Post hat zweierlei Bedeutung: Für die meisten Schweizerinnen und Schweizer ist sie ein Dienstleister vor Ort und ein wichtiger Bestandteil eines beispielhaften Service public. Aus Sicht der Wirtschaft und der Politik ist sie ein grosser Mischkonzern. Im vergangenen Jahr erzielte dieser Konzern einen Reingewinn von satten 638 Millionen Franken. Dem Konzern Post geht es offensichtlich gut, dem Dienstleister Post anscheinend nicht. Die Poststellen sind defizitär und müssen wie in Engelburg geschlossen werden. Der Konzern, der um einen möglichst hohen Gewinn bemüht ist, bestimmt dieses Vorgehen. Das mag richtig sein, und das monieren die Engelburger auch gar nicht. Das Problem des Konzerns Post ist das fehlende Gespür für die lokale Verankerung und den emotionalen Wert der Poststelle vor Ort. Die Poststelle am Dorfplatz ist ein Stück des Ortes, ein Teil des Dorflebens. In vielen Dörfern und Quartieren gibt es die Haltestelle Post. In den guten alten Zeiten hielt dort täglich die Postkutsche an. Der Konzern Post sollte sich des historischen Wertes bewusst sein. Der Fall Engelburg zeigt, dass diese Sensibilität fehlt. Die Post hat sich nicht einmal bemüht, mehrere Standorte für die Postagentur zu prüfen. Und sie hat die Bevölkerung nicht über den Geschäftsgang der Poststelle informiert. Dem Gemeinderat scheint das Feingefühl ebenfalls zu fehlen. Er hätte den Postmitarbeitern klar machen müssen, wie die örtlichen Gegebenheiten in Engelburg sind. Er hätte sich für die bestmögliche Lösung einsetzen müssen. Die Gewerbler sind zurecht erzürnt. Zurecht formiert sich Widerstand. Vielleicht lenkt die Post ein und verlegt die Postagentur von der geographischen Dorfmitte ins Dorfzentrum.

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