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Der Pathologe hilft den Lebenden

Bei seinem Vortrag zog Pathologe Sergio Cogliatti die Engelburger Senioren am Donnerstag in seinen Bann. Beste Voraussetzungen, um Vorurteile und Halbwissen zu seiner Tätigkeit am Kantonsspital aus der Welt zu schaffen.
Johannes Wey
Der Pathologe Sergio Cogliatti referierte am Donnerstag im Pfarreiheim Engelburg. (Bild: Urs Bucher)

Der Pathologe Sergio Cogliatti referierte am Donnerstag im Pfarreiheim Engelburg. (Bild: Urs Bucher)

ENGELBURG. «Ich muss Sie enttäuschen. Ich bin nicht Quincy», sagt Sergio Cogliatti. Mit der Anspielung auf die gleichnamige Krimiserie verdeutlicht der Pathologe vom Kantonsspital St. Gallen seine wichtigste Botschaft: Er ist kein Gerichtsmediziner, sondern dient vor allem lebenden Patienten. Dabei unterstützt er als Diagnostiker die behandelnden Ärzte bei der Suche nach der optimalen Therapie. «Lassen Sie mich in Ihrer Vorstellung raus aus dem Autopsiesaal, aus dem Keller ans Tageslicht!» – Der Engelburger mit Zürcher Dialekt versteht es, sein Publikum zu fesseln. Zum Vortrag ins Engelburger Pfarreiheim eingeladen haben Sechzigplus- und Donnschtig-Treff.

Ganz wenige Autopsien

Zwar habe auch die Pathologie des Kantonsspitals hin und wieder mit Autopsien Verstorbener zu tun. Allerdings nur in Fällen, in denen eine natürliche Todesursache festgestellt wurde. Andere Todesfälle, etwa durch Unfall, Suizid oder Mord, sind Sache der Gerichtsmedizin.

Anhand von Zahlen demonstriert Cogliatti ausserdem eindrücklich, dass die Beschäftigung mit Toten einen verschwindend kleinen Teil seiner Arbeit ausmacht. Den 136 Autopsien im Jahr 2015 stehen über 85 000 Biopsien, also Untersuchungen von Gewebeproben lebender Patienten, gegenüber.

Bis auf die molekulare Ebene

Seine Arbeit sei vergleichbar mit dem Zusammensetzen eines Puzzles. «Wir wollen durch die Betrachtung aus verschiedenen Blickwinkeln zu einer Gesamtschau gelangen.» Dabei dringt der Pathologie tief ins Innenleben menschlicher Zellen ein, bis hin zu Veränderungen im Erbgut, die sich auf molekularer Ebene abspielen. Cogliatti schildert ein Beispiel: Der Chirurg entnimmt einem Patienten einen rund drei Zentimeter grossen Lymphknoten. Vergrösserte Lymphknoten können auf Krankheiten hinweisen, deshalb kommt die Probe in die Pathologie. Dort wird der Knoten mit dem Skalpell in zwei bis drei Millimeter dicke Scheiben geschnitten und mit dem Mikroskop untersucht. Aufgrund einer ersten Vermutung wird die Probe in wenige Mikrometer, also Tausendstelmillimeter, dünne Scheiben geschnitten und zur Erkennung von Tumorzellen eingefärbt. Die so gewonnene Diagnose erwarten die behandelnden Ärzten meist sehnlichst. Oft steht der Pathologe sogar unter noch höherem Zeitdruck. Wenn beispielsweise einer Brustkrebspatientin ein Knoten herausgeschnitten wird, muss der Chirurg wissen, ob der Tumor gänzlich entfernt worden ist. Beim sogenannten Schnellschnitt muss der Pathologe die Probe deshalb innert rund einer Viertelstunde untersuchen – noch während die Patientin unter Narkose steht.

Angst vor falschem Befund

Sergio Cogliatti liefert eine Vielzahl weiterer Beispiele, um den Zuhörerinnen und Zuhörern seine Arbeit näherzubringen. Nach dem vor allem für die Frauen interessanten Brustkrebs geht er auf das Prostatakarzinom beim Mann ein. Und obwohl er auf Bilder mit Blut verzichten wollte, geht es beim Thema Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Hirnschlag oder Raucherbein nicht ohne. «Die meisten von uns werden an so etwas sterben», sagte Cogliatti. Und bei der Frage aus dem Publikum nach der Fehlerquote staunen die meisten ob seiner Antwort: Nichts fürchte der Pathologe mehr, als fälschlicherweise einen bösartigen Tumor zu diagnostizieren. Denn eine Operation aufgrund einer falschen Diagnose könne man nicht rückgängig machen. Wenn man einen Patienten aber fälschlicherweise für gesund erkläre, werde er meist früher oder später erneut untersucht.

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