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Der Osten der Stadt ist im Norden

Wenn St. Gallens Lage beschrieben wird, dann ist von der Ost-West-Achse die Rede. Tatsächlich liegt das besiedelte Gebiet aber eher im Norden als im Osten. Beim Vermessungsamt gibt es Vermutungen für die unpräzise Beschreibung.
Fredi Kurth
Die Hauptverkehrsachsen der Stadt drehen von Südwesten immer stärker Richtung Norden. (Bilder: th/Grafik: al)

Die Hauptverkehrsachsen der Stadt drehen von Südwesten immer stärker Richtung Norden. (Bilder: th/Grafik: al)

«Das Tal, das auf einer Ost-West-Achse liegt, wird im Westen durch die tiefe Sitterschlucht begrenzt.» So positioniert Wikipedia die Stadt St. Gallen geographisch. Aber nicht nur Wikipedia. Wann immer es gilt, die geographische Ausrichtung St. Gallens zu beschreiben, wird diese Ost-West-Definition verwendet. Sie beherrscht somit auch die geographische Vorstellung der meisten St. Galler. Dabei erstrecken sich das besiedelte Gebiet der Stadt und damit auch die Hauptverkehrsadern in Wirklichkeit auf einer Südwest-Nordost-Achse.

Stadtteile Ost, Centrum, West

Marcel Keller vom Vermessungsamt der Stadt und zuständig für den Stadtplan ist sich dieser Ungenauigkeit bewusst. Er vermutet, dass die Ost-West-Definition in erster Linie auf die Zeit der Gemeindefusion von Tablat, St. Gallen und Straubenzell zurückgeht, als jede Gemeinde noch ein eigenes Koordinatensystem in der amtlichen Vermessung führte. Das war 1918. «Man sprach danach von den Stadtteilen Ost, Centrum und West. Das hat sich dann so eingebürgert», sagt Keller.

Der Westen der Stadt befindet sich an der Schoretshuebstrasse zwar tatsächlich am westlichsten Punkt der Stadt. Aber die Obere Waid, die gerne als östlichster Punkt genannt wird, ist der nördlichste Punkt. Die Güterstrasse bildet dort die Grenzlinie zu Mörschwil. Auf gleicher Höhe etwas westlich davon befindet sich das Galgentobel, durch welches die Steinach fliesst: Gallus hat somit Stadtboden nicht im Osten, sondern im Norden betreten. Wäre er im Osten angekommen, dann wäre er bei Speicherschwendi, dem östlichsten St. Galler Wohngebiet im Untergädmen, «eingereist».

Am andern Ende der Stadt wiederum liegt der westlichste Punkt nicht weit entfernt von der südlichen Stadtgrenze am Gübsensee. Diese Fakten sind untrügliche Zeichen der diagonalen Ausrichtung des bewohnten Stadtgebiets.

Nur von Winkeln bis Bruggen

Die Stadtautobahn führt nur auf kleinen Abschnitten genau von Westen nach Osten, die Hauptstrasse sogar nur auf der Zürcher Strasse von Winkeln bis Bruggen. Noch vor der Abzweigung Fürstenlandstrasse beschreibt die Zürcher Strasse einen Bogen in Richtung Nordosten. Auf der Rosenbergstrasse, ab dem Hauptbahnhof, und danach auf der St. Jakob-Strasse und Langgasse fliesst der Verkehrsstrom schon stärker nach Norden als nach Osten und auf der Bruggwaldstrasse bei der Grenze zu Wittenbach fast gerade nordwärts. Auf der Rorschacher Strasse bewegt sich die Linie beim Krontal ziemlich genau in diagonaler Richtung und weicht dann langsam ebenfalls nach Norden ab.

Nun sei hier nicht näher erörtert, ob sich der Rosenberg tatsächlich im Norden und der Freudenberg im Süden von St. Gallen befinden. Jedenfalls geniessen die Menschen am Rosenberg-Abhang mehr Sonnenstunden als unterhalb von Drei Weieren.

Möglicherweise hat der Begriff von der Ost-West-Achse damit zu tun, dass St. Gallens Wohngebiet insgesamt eher diesen beiden Himmelsrichtungen zuzuordnen ist als einer Nord-Süd-Achse.

Diagonale landesweit

Die Vorstellung der waagrechten Lage könnte aber auch durch die Schweizer Geographie bestimmt sein. Genf liegt im Westen, St. Gallen im Osten. Doch zwischen Genfer- und Bodensee besteht ebenfalls eine Diagonale von Südwest noch Nordost. Die Stadt St. Gallen erstreckt sich ziemlich genau auf dieser Linie. Um das zu verdeutlichen: Genf liegt fast exakt so südlich wie Bellinzona und Locarno. Wer von der Gallus- in die Calvinstadt fährt, ist sich aber wohl kaum bewusst, dass er zu den südlichen Breitengraden des Tessins reist.

www.stadtplan.sg.ch

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