Der Ökumene verpflichtet

Kürzlich wurde in Eschenz Pfarrer Guido Nyffenegger zu Grabe getragen. Von 1971 bis 1992 hatte er in der reformierten Kirchgemeinde Straubenzell gewirkt.

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Guido Nyffenegger, 25. August 1929 – 21. September 2010. (Bild: pd)

Guido Nyffenegger, 25. August 1929 – 21. September 2010. (Bild: pd)

Damals, vor vierzig Jahren, herrschte eine Art Kirchenfrühling. Als Guido Nyffenegger seine Pfarrstelle in Straubenzell antrat, hatten die Kirchen ihre dynamische Seite entdeckt. Die katholische Kirche legte bei der Synode 72 die konfessionellen Scheuklappen beiseite, die reformierte befand sich ihrerseits im Aufbruch. Was lag da näher, als beide Bewegungen miteinander zu vereinen?

Brückenschlag

Guido Nyffenegger war der Kirchkreis Lachen zugeteilt. Darum pflegte er von Beginn weg eine enge Zusammenarbeit mit den katholischen Seelsorgern der Pfarrei St. Otmar. Gemeinsam prägten sie das Leben im Lachen- und Vonwil-Quartier. Nicht um kirchliche Macht auszuüben, sondern um die Kirche in den Dienst der Menschen zu stellen.

Soziale, gesellschaftliche, seelsorgerliche Aufgaben – sie alle wurden von den Pfarrern möglichst gemeinsam wahrgenommen. Und auch die Seelsorge auf dem Waffenplatz war beiden zu gleichen Teilen anvertraut. In den über zwanzig Jahren von Guido Nyffeneggers Wirken ist das ökumenische Miteinander zur Selbstverständlichkeit geworden.

Konfrontiert mit dem Krieg

Diese Offenheit kam bei Guido Nyffenegger nicht von ungefähr. Vielmehr war sie das Ergebnis vielseitiger, zuweilen auch harter Erfahrungen.

Aufgewachsen in Neuhausen am Rheinfall, war er gerade zehn Jahre alt, als der Zweite Weltkrieg ausbrach. Die Grenze war geschlossen, die Bedrohung allgegenwärtig, die Rucksäcke waren stets gepackt und für die Flucht bereit. So eng die Welt damals war, so erlebnisreich wurde sie gestaltet. In der Mittelschule lernte er die Geige, sang im Chor, spielte im Theater, steuerte mit den Pfadfindern den Weidling auf den Rhein.

Weg in die Seelsorge

Das Theologiestudium führte ihn zuerst nach Zürich, dann nach Wien, schliesslich nach Basel. Dort lernte er bei Karl Barth eine Theologie kennen, die sich mutig dem Zeitgeist, dem Rüstungswettlauf und der Atombewaffnung entgegenstellte.

Im Vikariat in Rorbas-Freienstein lernte er Heidi Lienhard kennen, mit der er eine Familie gründete, der vier Kinder geschenkt wurden.

Wanderjahre führten die junge Familie nach Argentinien, Wattwil, Genua, schliesslich zum langen Wirken in Straubenzell.

Eine Lebenskrise führte ihn von der Familie und St. Gallen weg, nach Eschenz, wo er neue Wurzeln schlug. Spirituelle Heimat fand er bei den Franziskanern der Insel Werd, im Geist des Franziskus, dem die ganze Schöpfung Bruder und Schwester war. (J. O.)

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