Der neue Chef am Spielrand

An den Hallenturnieren des FC Gossau dribbeln, schiessen und hechten in 80 Teams Juniorinnen und Junioren aus 38 Vereinen. Aktiv dabei ist auch der neue Chef Junioren: Christian Rütsche.

Urs Huwyler
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gossau. Das erste Wochenende in der Sporthalle Buechenwald brachte für die selbsternannten Nachfolger der Weltfussballer Lionel Messi und Martha Spannung und Dramatik, aber auch den einen oder andern hitzigen Zweikampf. «Wir erlebten einen tollen Turnierauftakt. Erfreulich war auch, dass Spieler der 1. Mannschaft trotz der Trainingsspiele am Wochenende bei den Jüngsten als Schiedsrichter amteten. Am nächsten Sonntag wird es nochmals so sein. Trainer Olaf Sager sitzt zudem in der Jury», zieht Christian Rütsche als «Verantwortlicher Hallenturniere» eine positive Zwischenbilanz.

Abteilung mit 24 Teams

Nachdem der 54-Jährige an der ausserordentlichen Generalversammlung Ende Januar als «Chef Junioren» gewählt werden dürfte, die Abteilung mit den 24 Teams, 350 Jugendlichen und 45 Trainern, Co-Trainern und Coaches jedoch schon seit vergangenen Herbst führt, wird er von den Nachwuchsförderern anderer Vereine schon mal auf die finanziell angespannte Situation beim FC Gossau und die Zukunft der Juniorenbewegung angesprochen. Die Antwort fällt klar aus: «Ich setze mich aus Überzeugung dafür ein, dass jeder Jugendliche, der beim FC spielen möchte, dies weiterhin kann.» Und er fügt an: «Ich werde alles dafür tun, dass bei einem Engpass im Frühjahr bestimmt keine Juniorenmannschaft zurückgezogen wird.»

Aufbruch statt Abbruch

Christian Rütsche erweckt nicht den Eindruck eines resignierenden Funktionärs, der sich auf dem Absprung befindet. «Wieso sollte ich? Der für alle belastende Wettskandal ist das eine, doch der FC verfügt vor allem über eine erfolgreiche Juniorenabteilung, deren Mannschaften in verschiedenen Stärkeklassen spielen und in der auch Boys und Girls ihren Platz haben, die vielleicht nicht die ganz grossen Talente sind. Auch sie sind für einen Verein wichtig», fasst der einstige Handballer seine Philosophie in wenigen Worten zusammen. Es herrscht bei ihm eher eine Aufbruch- statt Abbruchstimmung.

Als jahrelanger Juniorentrainer kennt er die Szene, weiss, worauf es ankommt. «Die Freude am Fussball steht im Vordergrund. Aber auch Disziplin und Fairness sind wichtig. Sowohl bei den Spielern als auch Trainern, Betreuern und Eltern.» Christian Rütsche spinnt den Faden weiter: «Wir müssen doch dafür sorgen, dass die Junioren unabhängig ihrer fussballerischen Qualitäten im eigenen Club Perspektiven haben und über ein Anschlussprogramm verfügen, wenn sie zu den Aktiven wechseln müssen.»

Talente fördern

Während seiner Trainerzeit an der Linie gehörte Christian Rütsche zu jenen Förderern, die Talente für Sichtungs- und Probetrainings meldeten und nicht aus einem falschen Trainer-Ego heraus unter der Decke hielten. «Daran wird sich bei mir als Leiter der Juniorenabteilung nichts ändern. Wer die Fähigkeiten und den Wunsch hat, Fussball statt als Breiten- als Spitzensport betreiben zu können, soll die Möglichkeit haben, zu Wil oder St. Gallen zu wechseln.» Bildlich gesprochen: Im FC Gossau haben Nichtschwimmer, Schwimmer und Crawler Platz. Rütsche möchte seinen Beitrag leisten, dass Nichtschwimmer schwimmen lernen und Schwimmer vielleicht als Crawler den Sprung in die 1. Mannschaft schaffen.

Turniere organisieren, die Juniorenabteilung führen: In der Vergangenheit stieg Christian Rütsche bei Anfragen nicht darauf ein. Wieso gerade jetzt der Gesinnungswandel? «Bisher habe ich mich eher als Frontkämpfer gesehen, der auf dem Platz steht. An der Hauptversammlung habe ich mir gedacht, im Interesse der Junioren gelte es Verantwortung zu übernehmen. Das mache ich nun.» Am Wochenende beim Hallenturnier bei den C/B- und F/D-Junioren.