Der nächste Sturm wird kommen

Seit gut einem Monat hat das Forstrevier Sitter einen neuen Chef. Renaldo Vanzo, mit 24 Jahren einer der jüngsten Förster überhaupt. Während eines Spaziergangs auf dem Galgentobelweg stellt er sich vor.

Kathrin Alder
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Wohin führt der Weg? Für Renaldo Vanzo als neuer Revierförster zunächst einmal in die Wälder des Forstreviers Sitter. (Bild: Urs Jaudas)

Wohin führt der Weg? Für Renaldo Vanzo als neuer Revierförster zunächst einmal in die Wälder des Forstreviers Sitter. (Bild: Urs Jaudas)

Freitagmorgen im Spätherbst, Treffpunkt Parkplatz Lukasmüli. In der Ferne läuten Kirchenglocken; sie dringen durch den dumpfen Klangteppich der Stadt. Die vorbeirauschende S-Bahn übertönt ihn für einige Sekunden. Dann ist er wieder da. Nichts lässt hier unten das Naherholungsgebiet erahnen, das sich einige Meter weiter entlang der SBB-Strecke den Spaziergängern eröffnen wird. Seit gut einem Monat ist dieses Gebiet dank des neuerstellten Galgentobelwegs auch zu Fuss zugänglich. Ein Teil des Waldes hier gehört zum Forstrevier von Renaldo Vanzo. Der 24-Jährige hat vor einem Monat das Amt des Revierförsters für das Sitter-Gebiet übernommen. Als Nachfolger von Christian Trionfini. Strammen Schrittes kommt Vanzo daher. Der Galgentobelweg soll erkundet werden.

Mit viel Ausdauer zum Förster

Während den ersten paar Metern erzählt Vanzo von seiner Motivation Förster zu werden. «Ich war schon immer gerne draussen.» Doch Förster wird man nicht einfach so. Es brauche Leidenschaft und Ausdauer. Zuerst hat Vanzo in Gossau die dreijährige Forstwart-Lehre absolviert. Dann hat er sich dazu entschlossen, für weitere zwei Jahre die Ausbildung zum Förster in Maienfeld zu absolvieren. Nachdem die Schule anfänglich zu wenig Anmeldungen hatte waren es am Ende fast zu viele. Von 27 Absolventen hätten dann gerade einmal zehn eine Stelle gefunden. Vanzo ist einer davon. «Ich habe unglaubliches Glück gehabt.»

Problemlos eingelebt

Nicht einfach Glück, sondern das Glück des Tüchtigen. Noch während seiner Ausbildung zum Förster hat sich Vanzo auf die ausgeschriebene Stelle für das Forstrevier Sitter beworben. Niemals hätte er gedacht, angenommen zu werden. Doch wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Vanzo bekam die Stelle prompt. Und er hat sich problemlos eingelebt, wie er sagt. Wohl nicht zuletzt dank seiner offenen und ehrlichen Art. Während er von sich erzählt, kommt er immer wieder zurück zum Wald entlang des Galgentobelwegs.

Schlechtes Jahr fürs Holz

Mal führt der Pfad die Spaziergänger über die Gleise, dann wieder unten durch. Mal fliesst die Steinach idyllisch nebenher, mal durchpflügen die Füsse Laubhaufen mitten im Wald. Auf dem SOB-Viadukt rauscht der nächste Zug vorbei.

Der Beruf des Revierförsters sei sehr abwechslungsreich. Am Morgen sei er meistens im Büro und erledige Schreibarbeiten. Am Nachmittag gehe er dann nach draussen, wo er sich um die Anliegen der Waldbesitzer kümmere. Die Waldpflege und das Organisieren der Holzernte gehörten ebenfalls zu seinen Kernaufgaben. «Doch dieses Jahr wird wohl nicht so viel geholzt. Die Nachfrage ist zwar da, wegen des tiefen Euro wird momentan aber viel bearbeitetes Holz importiert», sagt er. Das sei halt eine Folge der Globalisierung. Genauso wie die eingeschleppten Pflanzen, die Vanzo am Wegrand entdeckt.

Alle zehn Jahre ein Sturm

«Da vorne ist eine Gruppe Fichten. Solche Anhäufungen sind eigentlich nicht so gut. Wird eine von ihnen krank, trifft es die anderen meistens auch.» Der Borkenkäfer sei für die Fichten das Hauptproblem. Dieses Jahr sei er aber kein Thema. «Borkenkäfer-Plagen haben wir meistens drei bis vier Jahre nach einem grossen Sturm, weil die Käfer sich im Totholz am Boden vermehren.» Doch der nächste Sturm werde irgendwann kommen. Alle zehn Jahre rechne man mit einem solchen und «Lothar» liege bereits zwölf Jahre zurück. Eine kleine Anekdote dazu: «Nachdem bei uns das letzte Mal jemand zum Regionalförster befördert wurde, kam ein grosser Sturm. Und eine solche Beförderung hatten wir gerade wieder», sagt Vanzo und lacht. Die Waldbesitzer müssten sich deswegen aber keine Sorgen machen, er sei ja nicht Wahrsager von Beruf. Der Wald lichtet sich, die Bahnschienen verschwinden Richtung See. Über Felder und Wiesen führt der Weg nach Mörschwil, wo er endet. Der Blick schweift über die umliegenden Wälder. Dies ist Vanzo-Revier.