Der Meistertitel winkt

Dem St. Galler Nachwuchs-Motocrossfahrer Gerhard Köppel läuft es diese Saison fast optimal. Vom Bruch des Handgelenks, der den 16-Jährigen ein Jahr gekostet hat, hat er sich erholt. Mitte August bestreitet er die WM.

Thomas Werner
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In Trainings ans Limit: Der St. Galler Nachwuchsfahrer Gerhard Köppel auf seiner 125-ccm-Yamaha. (Bild: zVg)

In Trainings ans Limit: Der St. Galler Nachwuchsfahrer Gerhard Köppel auf seiner 125-ccm-Yamaha. (Bild: zVg)

MOTOCROSS. Gerhard Köppel liegt nach drei Meisterschaftswochenenden bei den Junioren in der 125ccm-Klasse auf Platz zwei. Ohne «Nuller» in Payerne, würde der 16jährige St. Galler das Klassement der Schweizer Meisterschaft gar anführen. Nach einem Sturz beim Start hatte er bei einem Boxenstop Handschuhe und Brille gewechselt. Ein Konkurrent beschwerte sich danach, Köppel sei zu schnell durch die Boxenanlage gefahren. Die Rennleitung reagierte, zeigte ihm die schwarze Flagge und schloss ihn von diesem Lauf aus.

Trotz dieses Zwischenfalls liegt Köppel voll auf Kurs, der Meistertitel ist weiter in Griffnähe. Er liegt nur fünf Punkte hinter Yohan Cortijo aus Illarsaz, dem er vor zwei Jahren bereits in der Meisterschaft der Kategorie Mini 85 als Einzigem den Vortritt lassen musste. Dass es Köppel so gut läuft, ist nicht selbstverständlich, hat der junge Fahrer doch wegen eines Handgelenkbruchs Ende der Saison 2011 praktisch ein Jahr verloren. Jetzt kann Köppel aber wieder ohne Beschwerden und schmerzfrei seiner Leidenschaft Motocrossfahren frönen.

Jetzt passt das Motorrad

«Er ist jetzt gesundheitlich wieder da, wo er vor dem Unfall war», sagt Vater und Trainer Roald Köppel. War Gerhard Köppel in der Kategorie Mini für die 85ccm-Maschine etwas zu gross und zu schwer, passen jetzt zur grösseren 125ccm-Yamaha auch die körperlichen Voraussetzungen ideal. Das 20 000 Franken teure Motorrad wird ihm von Yamaha-Generalimporteur Hostettler zu Verfügung gestellt. «Es ist das Beste, was es gibt», sagt der talentierte Fahrer zu seinem Sportgerät. Bis jetzt kannte das Team Köppel in dieser Saison auch noch keine technischen Probleme. Dies nicht zuletzt deshalb, weil praktisch die ganze Freizeit in die Wartung der Maschine investiert wird.

Mitte August wird Gerhard Köppel an der WM im tschechischen Jinin starten können. Dies ist ein erster Höhepunkt für das Talent, das seit seinem fünften Lebensjahr Motocross fährt. Was er in Jinin erreichen kann, ist für ihn schwer abzuschätzen, wird der Sport doch in vielen Ländern bereits im Nachwuchsbereich weit professioneller gefördert als in der Schweiz. Gerne würde Gerhard Köppel eine Woche zuvor in Tschechien bereits die EM bestreiten. Diese Teilnahme ist aber finanziell noch nicht gesichert.

In der Schweizer Meisterschaft, in welcher die Junioren auf ihren 250ccm-Maschinen mit Viertaktmotoren und jene auf den 125ccm-Maschinen mit Zweitaktmotoren jeweils im selben Rennen starten, fuhr Gerhard Köppel diese Saison bereits zwei Podestplätze heraus. Dreimal war er in den sechs Läufen der Beste seiner Kategorie. Weiter geht es am Sonntag mit zwei Meisterschaftsläufen im neuenburgischen Les Verrières.

Als Talent anerkannt

Seit Saisonbeginn im März hat der Schüler der Talentschule St. Gallen noch kein freies Wochenende gehabt. Aber nicht nur Samstag und Sonntag sitzt Gerhard Köppel auf seinem Motorrad. Jeden Mittwochnachmittag stehen Trainings im vorarlbergischen Möggers auf dem Programm. Sport wird aber auch an der Schule gross geschrieben. Vom Inhaber der «Talents Card» von Swiss Olympic wird ein Trainingsaufwand von mindestens zehn Stunden pro Schulwoche gefordert. Diese offizielle Anerkennung als Talent ist für die Aufnahme im Talentbereich Sport der Schule Voraussetzung. Jetzt gilt es, dieses Talent weiter zu bestätigen.